Lemmings: Erfolg, Fortsetzungen und Vermächtnis
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Vom Mega-Erfolg bis zum Kultstatus: Warum Lemmings bis heute ein Meilenstein der Spieleentwicklung ist.
Abseits des Singleplayers war für das Team aber noch ein weiterer Aspekt besonders wichtig: der Zwei-Spieler-Modus. Die Entwickler von DMA Design verbanden ihre Amigas nur allzu gern per Nullmodem-Kabel und lieferten sich Duelle in Spielen wie Stunt Car Racer. Bei Lemmings wurde im Zwei-Spieler-Modus allerdings ein anderer Ansatz verfolgt: Gespielt wurde im Splitscreen, wobei jeder Teilnehmer seine eigene Gruppe Lemmings und ein eigenes Zielportal kontrollierte. Das Ziel bestand darin, möglichst viele der eigenen Figuren in Sicherheit zu bringen. Dabei konnte man die Konkurrenz natürlich sabotieren, indem man beispielsweise mit einem einzelnen Digger einen Graben auf dem Weg zum gegnerischen Ziel anlegte. "Es war ein wirklich gutes Zwei-Spieler-Game und es ist schade, dass dieser Aspekt für so wenige eine Rolle gespielt hat. Der Modus funktionierte auf den Versionen für Atari ST und Amiga, nicht aber in der PC-Version. Das lag einfach daran, dass die damaligen Betriebssysteme es nicht erlaubten, zwei Mäuse als Eingabegeräte anzuschließen", erklärte Mike Dailly im Post-Mortem-Talk.
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Ein einmaliger Erfolg
Lemmings erschien am 14. Februar 1991 und entwickelte sich für DMA Design und Psygnosis schnell zu einem kommerziellen Mega-Erfolg. In seinem Blog erinnert sich Dailly daran, dass Psygnosis David Jones am Launch-Tag stündlich angerufen und die Verkaufszahlen durchgegeben habe: "10.000! 20.000! 30.000! 35.000! 45.000! Letztendlich wurden allein am ersten Tag über 55.000 Exemplare der Amiga-Version ausgeliefert. Zum Vergleich: Daves erstes Spiel Menace verkaufte sich gerade einmal 20.000 Mal, Blood Money sogar doppelt so oft - nämlich 40.000 Mal. Und das waren die Verkaufszahlen über die gesamte Laufzeit des Produkts, nicht nur die des ersten Tages." In den folgenden Jahren wurde Lemmings für nahezu jede relevante Plattform portiert und teilweise sogar im Bundle mit dem Commodore Amiga ausgeliefert. Insgesamt sollen sich die verschiedenen Versionen bis heute rund 15 Millionen Mal verkauft haben. Damit zählt Lemmings zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Spielen seiner Zeit.
Gleichzeitig markierte Lemmings jedoch auch den bis heute unerreichten Höhepunkt der gesamten Serie. Zwar legte DMA Design noch im selben Jahr mit dem Erweiterungspaket Oh No! More Lemmings nach, das 100 neue Levels (plus zehn Zwei-Spieler-Levels in der Amiga-Version) spendierte. Anschließend folgte mit Lemmings 2: The Tribes eine deutlich erweiterte Fortsetzung. Die Entwickler bauten das Spielprinzip spürbar aus, ergänzten eine Hintergrundgeschichte und erhöhten die Zahl der verfügbaren Rollen auf insgesamt 50, wodurch das Spiel inhaltlich komplexer und ambitionierter wurde. Allerdings büßte es auch einen Teil der Zugänglichkeit des Originals ein. Entsprechend blieben die Verkaufszahlen deutlich hinter denen des Erstlings zurück.
Der Abwärtstrend setzte sich fort: In All New World of Lemmings (1994) verzichtete das Team auf frei auswählbare Rollen, stattdessen mussten diese über Items aktiviert werden. Der dritte Serienteil blieb zugleich der letzte, der noch unter der Regie von DMA Design entstand. Bereits 1993 übernahm Sony den Publisher Psygnosis - und damit auch die Rechte an Lemmings, die bis heute bei den PlayStation-Machern liegen.
Quelle: Moby Games
Lemmings Revolution war ein 3D-Puzzle-Spiel, das die klassische Lemmings-Formel auf eine drehbare, kugelförmige Spielwelt überträgt. Die neue Perspektive brachte frische taktische Herausforderungen mit sich und erforderte räumliches Denken.
Mit Lemmings 3D wagte die Reihe im Jahr 1995 den Schritt in die dritte Dimension. Zwar funktionierte das grundlegende Spielprinzip weiterhin, doch vor allem Steuerung und Orientierung erwiesen sich als große Schwachstellen. Entsprechend kehrte man mit Lemmings Revolution (2000) wieder näher zur klassischen 2D-Formel zurück - allerdings eingebettet in eine dreidimensionale, drehbare Spielwelt. Zwar reduzierte man die Rollen erneut auf acht, doch zu diesem Zeitpunkt hatte die Marke Lemmings bereits deutlich an Strahlkraft verloren.
Es folgten weitere Neuauflagen, darunter Versionen von Lemmings für die PlayStation Portable und die PlayStation 3 (2006) sowie Lemmings Touch für die PlayStation Vita (2014). Schließlich fand die Marke auch ihren Weg auf mobile Endgeräte: Lemmings: The Puzzle Adventure erschien 2018 für iOS und Android. Zwar wurde der Titel für seinen Free-2-Play-Ansatz und die Mikrotransaktionen teils deutlich kritisiert, er zeigte aber zugleich, wie unkaputtbar das grundlegende Spieldesign aus dem Jahr 1991 bis heute ist. Auch wenn die großen Erfolge später ausblieben, blieb der Gameplay-Kern des Originals in all diesen Umsetzungen klar erkennbar.
Quelle: Gamespress
Sony hat die Marke Lemmings auf nahezu allen verfügbaren Plattformen umgesetzt - etwa in Form von Lemmings Touch für die PlayStation Vita.
Rückblickend ist Lemmings ein Meilenstein, dessen Einfluss lange unterschätzt wurde. Zahlreiche spätere Klassiker - von Pikmin über Warcraft bis hin zu Worms - griffen zentrale Ideen dieses Puzzle-Hits auf. Gleichzeitig stärkte der enorme Erfolg von Lemmings das junge Studio DMA Design in seiner Anfangsphase sowohl wirtschaftlich als auch in puncto Reputation. Ohne diesen Rückhalt wären spätere Großprojekte wie Grand Theft Auto womöglich deutlich schwieriger zu realisieren gewesen. Lemmings ist somit weit mehr als ein knuffiges Kultspiel: Es ist ein zentraler Wegbereiter der modernen Spieleentwicklung.
