1982: Das wahrscheinlich wichtigste Filmjahr der Popkultur
Special
In seinem Rückblick auf das Filmjahr 1982 argumentiert Autor Sebastian Götting, warum es das wichtigste Filmjahr der Popkultur aller Zeiten war und ist.
Beweisstück Nr. 6: "Das Ding aus einer anderen Welt" ("The Thing")
Horrorfilme an abgeschieden-isolierten Orten sind eine wunderbare Sache und kaum irgendwo ist man isolierter als in der Antarktis, wo in John Carpenters Genre-Klassiker ein körperfressender, außerirdischer Wechselbalg tödlichen Verfolgungswahn unter einer kleinen Gruppe Forscher auslöst. Die blutigen Kreatur-Effekte von Rob Bottin sind widerwärtig, keine Frage, heben aber die modellbasierten, nicht-digitalen Spezialeffekte und damit den Body Horror auf eine nie gesehene Ebene. Schon wieder so ein Film, der bei der zeitgenössischen Kritik aufgrund seines Ekelfaktors durchfällt und erst Jahrzehnte später rehabilitiert wird. Doch der Schocker hat doppeltes Pech, denn er läuft praktisch zeitgleich mit dem erfolgreichsten Film des Jahres (siehe Beweisstück Nr. 1) in den US-Kinos an.
Dessen Außerirdischer gewinnt die Zuschauer mit seiner komplett niedlichen und viel weniger nihilistischen Art für sich. Pech gehabt! 1982 rümpft das Publikum die Nase, aber heute ist das Ding der Goldstandard des klaustrophobischen Horrors.
Quelle: Universal
1982: Das wahrscheinlich wichtigste Filmjahr der Popkultur (6)
Honorable Mention: "The Atomic Café"
Der NATO-Doppelbeschluss von 1982 bedeutet atomare Aufrüstung durch amerikanische Mittelstreckenraketen in Westeuropa. Mitten dort hinein platzt diese dokumentarische Montage aus Propaganda- und Nachrichtenschnipseln von 1945 bis 1960, die ohne jeglichen Kommentar und nur aufgrund des brillanten Schnitts bittere, realsatirische Wirkmacht entfaltet. "Duck and cover!"
Beweisstück Nr. 5: "Conan der Barbar" ("Conan the Barbarian")
Was passiert, wenn Arnold "Mr. Pumping Iron" Schwarzenegger und der rechtsanarchistische Waffennarr John Milius aufeinandertreffen? Sie erschaffen Conan, den Barbaren, Poster Boy der Low Fantasy und Neuerfindung des Sandalenfilms als unnachgiebige Höllenvision.
Das fast schon religiös-ekstatisch anmutende Postermotiv von Frank Frazetta setzt die Amarena-Kirsche auf den Schweißbecher und prägt die Optik des fantastischen Pulps für die nächsten Jahrzehnte: eingeölte Muskelberge, amazonenhafte Heldinnen - alle nahezu unbekleidet, Feuerwände, gehörnte Helme und erhobene Schwerter.
Tausende Buchcover, dutzende Computerspiele ("Barbarian"!) und die größte Spielzeugreihe der 80er, "Masters of the Universe", fußen unmittelbar auf der Bildsprache, die für diesen Titanen unter den Barbarenfilmen geschaffen wurde.
Schwarzenegger, der bereits Ende der 60er unter dem Pseudonym Arnold Strong den "Herkules in New York" gab, feiert hier endlich seinen internationalen Durchbruch. Und kaum zu glauben: Der Film ist irre unterhaltsam. Wenn man denn so viel Testosteron ertragen kann.
Quelle: Universal
1982: Das wahrscheinlich wichtigste Filmjahr der Popkultur (7)
Honorable Mention: "Beastmaster - Der Befreier" ("The Beastmaster")
Die Drei-Mark-Fuffzich-Versionen von Arnold Schwarzenegger, James Earl Jones und John Milius sind Marc Singer, Rip Torn und Don Coscarelli, die sich in diesem Conan-Rip-off die Ehre geben.
Ein Film, der mehr als sein Vorbild eine unfreiwillige Mordsgaudi ist, bevorzugt beim Genuss eines Biers. Oder auch drei. Fun Fact: In den 90ern lief der Film so oft auf dem US-Bezahlsender HBO, dass der Ausspruch zum Treppenwitz wurde, die drei Senderbuchstaben stünden für "Hey, Beastmaster's On!".
