1982: Das wahrscheinlich wichtigste Filmjahr der Popkultur
Special
In seinem Rückblick auf das Filmjahr 1982 argumentiert Autor Sebastian Götting, warum es das wichtigste Filmjahr der Popkultur aller Zeiten war und ist.
Beweisstück Nr. 8: "Poltergeist"
Der weiße Hai ist wieder da, nur diesmal ist er ein Haus auf einem Ureinwohnerfriedhof, das eine stinknormale Familie terrorisiert. Die Freelings lernt das Publikum als dreidimensionale und sehr lebensnahe Figuren kennen, bevor sich in diesen locker-natürlichen Realismus hinein das Phantastische Bahn bricht. Die Art und Weise, wie hier charakterbasiertes Storytelling auf Horror prallt, ist die bislang originalgetreuste Umsetzung der Stephen-King-Formel, obwohl die Story gar nicht von King ist. Ikonisch ist das Bild des kleinen Mädchens, zu dem der Fernseher spricht. Gruselig sind die urbanen Legenden, die sich um die Todesfälle unter den Schauspielerinnen ranken. Legendär ist auch die Frage, wer eigentlich Regie geführt hat.
Eigentlich steht Tobe Hooper im Vorspann, bekannt durch das "Blutgericht in Texas" ("The Texas Chainsaw Massacre"), doch es gilt als verbrieft, dass Co-Autor und Produzent Steven Spielberg höchstselbst ständig am Set war. Die Gelehrtenmeinung, wer von den beiden denn nun der wahre Chef-Poltergeist war oder ob sie sich die Regiearbeit teilten, wird sich auch in den vier Jahrzehnten nach 2022 noch viele Male ändern.
Quelle: Warner Bros.
1982: Das wahrscheinlich wichtigste Filmjahr der Popkultur (4)
Honorable Mention: "Rambo" ("First Blood")
Die zweite große Filmreihe mit Sylvester Stallone beginnt. Obwohl der Film das Genre des Ein-Mann-Armee-Actionkrachers begründet, ist der erste Teil eine erstaunlich einfühlsame Auseinandersetzung mit der posttraumatischen Belastungsstörung eines Vietnamveteranen. Die Fortsetzungen allerdings, die sind dann eher Ego-Shooter.
Beweisstück Nr. 7: "Ich glaub', ich steh' im Wald" ("Fast Times at Ridgemont High")
Es gibt zwar schon seit 1978 die "Eis am Stiel"-Filme aus Israel und "Porky's" erscheint ebenfalls 1982, aber diese leicht schlüpfrigen Teenager-Sex-Klamotten sind eben nur genau das: Leicht und schlüpfrig und insbesondere nicht sonderlich vorteilhaft gealtert. Bei "Fast Times" ist es andersherum, denn der Film von Amy Heckerling ruft zwar im Erscheinungsjahr zunächst nur lauwarme Rezensionen hervor, ist in den darauffolgenden Jahrzehnten aber zu einem Klassiker angewachsen, der trotz aller pubertären Eskapaden ein Herz aus Gold hat.
Unvergessen sind Sean Penn in seiner Durchbruch-Rolle als ewiger Stoner Spicoli und auch Phoebe Cates, ihr roter Bikini und der Swimmingpool.
Es ist der Debütfilm nicht nur von Nicolas Cage, sondern auch Eric Stoltz - und von Autor Cameron Crowe, der im Drehbuch seine eigenen Highschool-Erinnerungen verarbeitet, so wie er seine Anfänge als jugendlicher Rolling-Stone-Schreiberling 18 Jahre später bei "Almost Famous" verarbeiten wird.
Und ja, der deutsche Titel ist extra bescheuert und sicher kein Zufall, nachdem das erfolgreiche 1981er-Bill-Murray-Vehikel "Stripes" hierzulande "Ich glaub' mich knutscht ein Elch" hieß.
Quelle: Universal
1982: Das wahrscheinlich wichtigste Filmjahr der Popkultur (5)
Honorable Mention: "Tootsie"
An den kommerziell zweiterfolgreichsten Film an den US-Kinokassen erinnert man sich 2022 als "Der Film mit Dustin Hoffman im Fummel". Doch von kleineren politisch inkorrekten Ausrutschern einmal abgesehen, trägt auch "Tootsie" das Herz am rechten Fleck und bietet jede Menge Spaß sowie pointierte Sozialkritik.
