Hogwarts Legacy aus Muggelsicht: Macht das Spiel auch ohne Fan-Brille Spaß?
Special 53,99 €
Hogwarts Legacy verzückt weltweit die Fans von Harry Potter, schließlich war es für viele schon immer ein Traum, selbst in die berühmte Zauberschule zu kommen und dort Abenteuer zu erleben. Doch macht das Spiel auch Spaß, wenn man überhaupt keine Ahnung von Harry Potter hat? Unser Redakteur Chris hat das getestet und schreibt hier von seinen Muggel-Eindrücken zum Open-World-Action-RPG.
Kurz darauf fällt mir aber auch auf, dass alles nur Kulisse ist. Keine Sau reagiert darauf, wenn ich wild mit Magie um mich schieße. Nicht mal, wenn ich direkt auf andere Schüler ziele. Die Attacken gehen durch sie hindurch, ungerührt bleiben sie sitzen oder stehen. Das ist mau. Klar, vollkommen anderes Spiel, aber GTA 5 bekam es 2013 schon hin, dass Passanten in der Open World sogar darauf reagierten, wenn man sich vor sie stellte oder ihnen hinterherging. Zehn Jahre später sollte schon irgendeine Reaktion der NPCs drin sein. Es wäre sogar besser gewesen, die magischen Attacken im Schulgebäude ganz zu sperren, als es mir zu ermöglichen, mich wie ein Irrer aufzuführen, ohne dass es jemanden juckt.
Der Unterricht ist ebenfalls etwas unterwältigend. Fridolin lernt neue Zaubersprüche, indem ich mit dem Analogstick Linien nachzeichne und auf die angezeigten Tasten drücke. Sonderlich cool inszeniert ist das nicht. Immerhin darf ich mich danach mit einem anderen Schüler duellieren, der mich nach seiner Niederlage in den geheimen Duellclub der gekreuzten Stäbe einlädt. Ich kichere und schäme mich kein bisschen dafür.
Quelle: Warner Bros.
Hogwarts Legacy aus Muggelsicht: Macht das Spiel auch ohne Fan-Brille Spaß? (6)
Der Alltag
Im Folgenden stelle ich meine Erlebnisse in Hogwarts Legacy verkürzter dar, statt alles nachzuerzählen. Schließlich möchte ich niemanden spoilern. Überraschungen und den Plot erwähne ich also nicht mehr. Ohnehin stellt sich rasch Alltag in der Schule ein, denn Hogwarts Legacy verläuft nach einem Muster, das man schnell durchschaut hat. Es gibt Hauptquests und Nebenaufgaben. Die Hauptquests erhält man zumeist von Professor Fig oder den anderen Lehrern, während ich Nebenaufgaben von meinen Mitschülern bekomme.
Die Hauptgeschichte dreht sich zu großen Teilen um das Vorhaben von Ranrok, den putzigen Plagegeist, und seine Verbündeten. Schließlich führen die ja Übles im Schilde. Mir fallen viele Dinge auf, die ich ohne Vorkenntnisse zwar nicht verstehe, bei denen aber deutlich wird, dass Fans von Harry Potter vermutlich entzückt sein werden. Auch so sind einige Hauptaufgaben stimmungsvoll und geben selbst mir das Gefühl, ein großes magisches Abenteuer zu erleben, bei dem mein Fridolin auf allerlei Geheimnisse stößt. Das ist wirklich gut gemacht.
Die Nebenquests sind hingegen Mittelmaß. Manchmal soll man ein kleines Rätsel lösen, manchmal etwas sammeln, manchmal in Zauberspielen gegen einen anderen Schüler gewinnen. Also, mit der Zeit recht ermüdende Standardkost, die für mich besonders heraussticht, weil ich das Spiel nicht durch eine Fan-Brille betrachte. Was mich allerdings besonders nervt, ist das ewig lange, meistens richtig schlecht geschriebene Gequatsche der Figuren. Fast alle sind unnatürlich freundlich, schauen mich aus toten NPC-Augen an und labern mir eine Frikadelle ans Ohr, bevor ich endlich mit der Aufgabe loslegen kann.
Quelle: Warner Bros.
Hogwarts Legacy aus Muggelsicht: Macht das Spiel auch ohne Fan-Brille Spaß? (5)
Ebenfalls störend finde ich, dass man einige Nebenaufgaben zwingend erledigen muss. So gibt mir ein Professor etwa die Aufgabe, Tränke zu besorgen oder Pflanzen einzusammeln. Als Belohnung winkt ein neuer Zauberspruch. Ich habe keinen Bock darauf und bin zufrieden mit meinen vorhandenen Zaubersprüchen, die ich über Talentpunkte aufgemotzt habe. Ich will lieber die Hauptquest weitermachen. Tjoa, blöd nur, dass es danach einen Break in der Geschichte gibt, denn ich kann nicht einfach zum nächsten Marker, sondern benötige unbedingt den einen Zauberspruch aus der Nebenquest für die nächste große Mission.
Also zunächst diese blöde Nebenaufgabe lösen, dann zurück in die Schule zum Prof, durch das nervige Gespräch klicken, den Zauberspruch lernen, dann endlich außerhalb von Hogwarts die Mission starten. Und das Allerbekloppteste: Einmal brauche ich den neuen Zauberspruch überhaupt nicht für die Mission! Das Spiel hat einfach nur festgelegt, dass ich den dämlichen Spruch gefälligst lernen soll.
