Harry Potter und der Stein der Weisen im Retro-Special
Special
Kurz vor dem Release von Hogwarts Legacy blicken wir im Retro-Special auf das allererste Zauberer-Abenteuer zurück: Harry Potter und der Stein der Weisen.
Was dabei auffällt: Auch, wenn Stein der Weisen den wortwörtlichen Zauber der Vorlage ziemlich gut einfängt, gleicht die Ästhetik der Charaktere und Umgebungen natürlich nicht exakt den Filmen. Und das hat durchaus kuriose Gründe. Laut Aussagen ehemaliger Entwickler weigerte sich Warner Brothers, jegliches Bildmaterial aus den Kino-Umsetzungen herauszugeben. Es gab also keine Referenzfotos, an denen man sich hätte orientieren können. Zu Beginn arbeiteten Argonauts vollkommen blind, später dann mithilfe von Beschreibungen klassischer englischer Architektur und spärlichem PR-Material, das an die Presse gegeben wurde.
Entsprechend sind auch keine Ausschnitte aus den Filmen im Spiel zu sehen. Statt Cutscenes kommen nur Zeichnungen im Bilderbuchstil zum Einsatz. Außerdem taucht mit Poltergeist Peeves eine Figur im Spiel auf, die im Kino gar nicht zu sehen war - ganz einfach, weil die Produktionsfirma die Entwickler nicht darüber informiert hatte, dass der Auftritt kurz vor der Veröffentlichung rausgeschnitten wurde.
Quelle: PC Games
Harry Potter und der Stein der Weisen: Ein Nostalgie-Trip nach Hogwarts (7)
Der Sound von Skyrim
Auch in Sachen Musikuntermalung ging das Spiel notgedrungen andere Wege. Das erste Harry-Potter-Spiel verfügte nicht über die Lizenz für die von John Williams komponierten Stücke aus der Filmvorlage. Alles musste komplett in Eigenregie produziert werden. Also holte man sich Jeremy Soule ins Boot. Der wirkte schon an den Spiele-Soundtracks für Knights of the Old Republic und The Elder Scrolls mit, hatte also bewiesenermaßen ein Händchen für spektakuläre Inszenierungen.
Und das stellte er dann auch in Stein der Weisen unter Beweis. Die Tracks verleihen dem Titel die gebührende Atmosphäre. Sie sind eingängig, magisch und stehen denen des Kinofilms in fast nichts nach. Eine echte Glanzleistung! Das Hauptthema kam sogar so gut an, dass es in mehreren Spielenachfolgern erneut verwendet wurde.
Quelle: PC Games
Harry Potter und der Stein der Weisen: Ein Nostalgie-Trip nach Hogwarts (8)
Ergänzt wird die Musik mit den passenden Soundeffekten. Die machen zusammen mit den Original-Synchronsprechern das authentische Potter-Erlebnis perfekt. Nur eines überrascht aus heutiger Sicht so ein wenig: die schweigsame Hauptfigur. Harry steht in Dialogen nur teilnahmslos herum und nimmt alles kommentarlos hin. Abgesehen von ein paar Keuch- und Stöhnlauten beim Klettern gibt er während der gesamten Spielzeit nur die Namen der zahlreichen Zaubersprüche von sich.
Bestseller trotz Mittelmäßigkeit
Am Feedback der Spielepresse hätte ein vertonter Held aber wohl auch nicht mehr viel geändert. Trotz seiner vorhandenen Stärken kam Harry Potter und der Stein der Weisen bei Kritikern ziemlich durchwachsen an. Auf Metacritic liegt die Playstation-Fassung bei einer Durchschnittswertung von 64 Punkten. Spielwelt und Authentizität werden zwar gelobt. Dem gegenüber stehen allerdings diverse Makel in anderen Bereichen.
Die US-Kollegen von Gamespot nannten das Spiel "eine Lehrstunde in Sachen Langeweile" ohne jeglichen spielerischen Anspruch. Die Grafik sei mit ihren detailarmen Texturen und grobschlächtigen Polygon-Modellen nicht wirklich ansehnlich. "Nur für die ganz kleinen oder besonders hartgesottenen Harry-Potter-Fans", urteilte Gameinformer.
Dem Erfolg des Spiels taten die Testwertungen allerdings keinen Abbruch. Die Playstation-Version verkaufte sich über acht Millionen Mal und wurde mit diversen Gold- und Platin-Awards ausgezeichnet. Damit steht Stein der Weisen auf Platz 6 der meistverkauften PS1-Spiele aller Zeiten, vor absoluten Sony-Flaggschiffen wie Metal Gear, Crash Bandicoot oder Tomb Raider.
Auf Ranker.com wird das Spiel als das zweitbeste des gesamten Harry-Potter-Franchise geführt. Und es bildete die Blaupause dafür, was ein Zauberei-Abenteuer braucht, um bei den Fans gut anzukommen: ein Schloss voller Geheimnisse, einen runden Mix aus Erkunden, Rätseln und Kämpfen und eine ordentliche Portion Quidditch. Zumindest in der Hinsicht ist Der Stein der Weise also vielleicht sogar noch ein Stückchen besser als Hogwarts Legacy.
