Hogwarts Legacy bietet null Innovation, aber das ist völlig okay

Kolumne Annika Menzel Lukas Schmid 53,99 €
Hogwarts Legacy bietet null Innovation, aber das ist völlig okay
Quelle: Warner Bros. Games

Hogwarts Legacy macht spielerisch absolut nichts neu, wie Autorin Annika beim Anspielen feststellen konnte. Sie sagt aber: Das ist absolut in Ordnung!

Da wartet man 14 Jahre lang vergeblich darauf, dass sich doch noch eine Eule ans heimische Fenster verirrt und eine Einladung nach Hogwarts im Schnabel dabeihat, und auf einmal ist der Traum zum Greifen nah. Gut, ich bin nicht mehr elf Jahre alt und auch mit Schule habe ich nichts mehr am Hut. Aber genau auf diese Chance habe ich gewartet, seitdem ich Harry Potter das erste Mal in die Zaubererschule begleitet habe und noch weit bis in die Nacht hinein in den Büchern versunken bin.

Durch meine Harry-Potter-Liebe, verbunden mit meinem Faible für Videospiele, kam natürlich schnell der Wunsch auf, selbst das Schloss auf der Konsole zu erkunden, wenn im echten Leben schon keine Karriere in Hexerei und Zauberei auf mich wartete. Ein Spiel, in dem man selbst im Mittelpunkt steht und sich nach Herzenslust in Hogwarts umsehen kann, vielleicht noch ein paar abenteuerliche Quests dazu ... ein wahrer Traum! Dementsprechend hoch waren auch meine Erwartungen, als Hogwarts Legacy (jetzt kaufen 39,95 € / 53,99 € ) vor über zwei Jahren erstmals angekündigt wurde. Mittlerweile scheint es ganz so, als würde uns ein ziemlich generisches Action-RPG erwarten - und das ist auch völlig in Ordnung so.

Wie ein Blick ins Denkarium: Alles irgendwie vertraut

Bei einem Preview-Event in Hamburg durfte ich für meine ausführliche Vorschau nicht nur das Gewächshaus und die Bibliothek der Zauberschule erkunden und mich mit anderen Schülern duellieren, sondern auch eine Mission spielen, die eigentlich erst später im Spiel verfügbar ist. Und dabei habe ich mich direkt wie zu Hause gefühlt, immerhin finden sich diverse Blockbuster-Produktionen und Action-Rollenspiele/Adventures auf der Liste meiner gezockten Spiele wieder. Genau wie diese Spiele hat sich Hogwarts Legacy während der Quest nämlich auch angefühlt.

Ob ich nun als Aloy mit meinem Fokus nach Spuren suche, als Eivor durch feindliche Lager schleiche oder als Nachwuchshexe nach einer Gruppe Wilderer suche, die in der Nähe von Hogwarts ihr Unwesen treibt: Das Gameplay ist im Endeffekt ziemlich generisch. Ähnliche Aufgaben habe ich in zahlreichen Missionen in diversen Spielen schon unzählige Male erledigt, auch wenn der Kontext, das Setting und die Charaktere immer anders aussahen. Aber versteht mich nicht falsch, denn damit hat das Entwicklerteam hinter Hogwarts Legacy genau die richtige Entscheidung getroffen.

Viele Fans - und da kann ich mich nicht ausklammern - wären sicher mit einer Art Hogwarts-Simulation glücklich gewesen. Einfach dem Schulalltag nachzugehen und damit eine Weile dem magielosen Alltag entfliehen zu können, ist schließlich genau das, was ich mir jedes Mal gewünscht habe, wenn ich schon wieder vor diesen schier unlösbaren Mathehausaufgaben saß.

Da das Spiel aber nun einmal mehr sein möchte als das, musste ein Weg her, die Zaubererwelt mit einer hoffentlich spannenden Geschichte und unterhaltsamen Gameplay zu verbinden. Avalanche Software hätte die Chance nutzen können, um mit den finanziellen Möglichkeiten, die eine so große Marke mit sich bringt, auf außergewöhnliche Mechaniken zu setzen.

Innovationen sind im Bereich der Videospiele immer gerne gesehen und auch nötig, damit sich die Branche weiterentwickelt und nicht jeder Titel dem gleichen Schema entspricht. Dabei müssen sich die Entwickler aber eben etwas trauen und das kann im schlimmsten Fall einen Schuss in den Ofen bedeuten.

Die Nemesis der Gryffindors: Auf Nummer sicher gehen

Es gibt zwei Gründe, wegen derer der generische Kern von Hogwarts Legacy nicht nur okay, sondern sogar sinnvoll ist. Zum einen setzen Spiele, die eine möglichst breite Masse an potenziellen Kunden ansprechen sollen, eben oft auf bewährtes Gameplay ohne besonderen Schnickschnack. Da der Titel mit Sicherheit auch Potterheads an die Konsole locken wird, die sonst nicht viel mit Gaming am Zauberhut haben, wird es dadurch vermutlich einer sehr großen Anzahl an Menschen zusagen.

Zum anderen braucht es keine außergewöhnlichen Ideen, um ein gutes Spiel zu machen. Wenn es euch wie mir geht, wollt ihr bloß in die magische Welt eintauchen und euch gut genug unterhalten fühlen, um möglichst viel Zeit dort zu verbringen, bevor der Lagerkoller einsetzt und wieder etwas Abwechslung hermuss. Also ja, ich möchte nach Spuren suchen, viel zu langsamen NPCs hinterherlaufen, mich mehr oder weniger geschickt durch feindliche Basen schleichen und das immer wieder!

Solange es gut gemacht ist, habe ich kein Problem mit generischem Gameplay, vor allem zur Entspannung nach dem Feierabend. Beispielsweise hatte ich viel Spaß dabei, in Ghost of Tsushima dem Wind zu folgen und einen auf der Karte markierten Punkt nach dem anderen abzugrasen. Und Horizon Zero Dawn hat mich damals so begeistert, dass ich mich nach der Platintrophäe direkt ins New Game Plus gestürzt habe.

Sosehr ich das Gefühl der Herausforderung in Spielen wie Elden Ring liebe, es braucht eben nicht immer derartig anspruchsvoll zu sein. Vor allem, wenn es sich um eine Adaption handelt, die aufgrund der Beliebtheit der Vorlage potenziell sogar ziemlich viel falsch machen könnte, würde sie gewagte Experimente eingehen. Ob die restlichen der etwa 150 Quests in Hogwarts Legacy ähnlich wie die Anspielmission ablaufen und das typische Blockbuster-Paket bieten, sehen wir dann in circa zwei Wochen. Wenn sich der Verdacht bestätigt, droht aber kein Punktabzug für Hufflepuff. Es wäre völlig in Ordnung.

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