KI als Chance fürs Gaming - diese Spiele zeigen, was alles möglich ist

Special Achim Fehrenbach Lukas Schmid
KI als Chance fürs Gaming - diese Spiele zeigen, was alles möglich ist
Quelle: Ada Eden

"AI-native games": So heißen Spiele, die künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt rücken. Viele davon sind noch Experimente - aber sie zeigen, wohin die Reise gehen könnte.

Natürlich bieten viele RPG-Editoren schon jetzt die Möglichkeit, schier endlos an Details herumzufrickeln. Und auch in einem Spiel wie Zelda lassen sich bereits viele Gegenstände improvisatorisch nutzen. Mit Generative AI könnte die Wahl- und Handlungsfreiheit aber nochmals gesteigert werden.

Im Spiel Retail Mage könnt ihr gezielt auf Kundenwünsche eingehen. Quelle: Jam & Tea Studios Im Spiel Retail Mage könnt ihr gezielt auf Kundenwünsche eingehen. Doch selbst wenn sich KI "nur" auf die Dialoge beschränkt, kann das ganz schön beeindruckend sein. Ein tolles Beispiel ist das Indie-Game 1001 Nights, das von den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht inspiriert ist. Ihr schlüpft in die Rolle der Wesirstochter Scheherazade, der ein schreckliches Schicksal droht.

Ähnlich wie viele andere junge Frauen vor ihr soll sie dem grausamen König Schahriyar eine Nacht lang Gesellschaft leisten, bevor er sie im Morgengrauen hinrichten lässt. Im literarischen Vorbild gelingt es Scheherazade immer wieder, die Hinrichtung hinauszuzögern, indem sie dem König spannende Geschichten mit Cliffhanger erzählt - eben 1001 Nacht lang.

Das Spiel 1001 Nights nimmt diese Grundidee auf und verändert sie auf clevere Weise. Auch hier geht es darum, den König erzählend bei Laune zu halten. Allerdings wird er von einem Large Language Model gesteuert, das die Qualität unserer Geschichten beurteilt - und selbst etwas zu ihnen beiträgt.

Als Scheherazade besitzen wir zudem die magische Fähigkeit, bestimmte Gegenstände aus den Geschichten physisch heraufzubeschwören. Unser Plan ist deshalb folgender: Wir wollen den König dazu bringen, dass er in seinen Story-Ergänzungen insgesamt vier verschiedene Waffen (Schwert, Lanze etc.) erwähnt. Haben wir diese Waffen beisammen, können wir den grausamen Herrscher damit ins Jenseits befördern.

In 1001 Night erzählt ihr Geschichten, um zu überleben. Quelle: Ada Eden In 1001 Night erzählt ihr Geschichten, um zu überleben. Die zentrale Herausforderung des Spiels ist also, den König zu manipulieren. Zum Beispiel können wir ihm eine Geschichte erzählen, in der ein Held (wie er) eine Drachenhöhle durchsucht, in der er die Überreste früherer Helden findet ... inklusive, nun ja, bestimmter "Gegenstände".

Erzählt der König nun begeistert unsere Geschichte weiter und erwähnt dabei, dass der Held "ein Schwert aus der Höhle mitnimmt", haben wir bereits ein Zwischenziel erreicht.

Allerdings läuft nicht immer alles so reibungslos: Die KI des Königs ist ziemlich anspruchsvoll, schnell von unseren Geschichten gelangweilt und beschwert sich sogar, wenn die Geschichten zu monothematisch um Waffen kreisen. In diesen Momenten müssen wir wirklich aufpassen, dass die "Frustleiste" des Königs nicht vollläuft.

Unsere Erzählung ist also immer eine heikle Gratwanderung, ob wir es schaffen, den König erzählerisch in eine bestimmte Richtung zu lenken - ohne ihm dabei zu sehr auf den Keks zu gehen. Ist er zu sehr von uns genervt, heißt es nämlich: Kopf ab! Und das wäre - im wahrsten Sinn des Wortes - das Ende der Geschichte.

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1001 Nights stellt also KI-Gameplay in den Mittelpunkt - und erzeugt damit richtig viel Spannung. Das Spiel befindet sich derzeit noch in der Entwicklung, eine Demo-Version ist aber bereits auf Steam verfügbar.

Entwickelt wird 1001 Nights von Yuqian Sun, die am Londoner Royal College of Art zum Thema KI forscht - und auch zu ihrem Spiel schon ein Forschungspapier veröffentlicht hat ("Language as Reality: A Co-Creative Storytelling Game Experience in 1001 Nights Using Generative AI").

Forscht auch zu KI: die Game-Designerin Yuqian Sun. Quelle: Ada Eden Forscht auch zu KI: die Game-Designerin Yuqian Sun. Als Game-Designerin arbeitet Yuqian Sun unter dem Pseudonym "Ada Eden" - und erläutert im Interview mit PC Games, worauf es bei der Entwicklung von 1001 Nights besonders ankommt. "Wir haben ein komplexes Prompt-Engineering durch LLM Reasoning mit mehreren Modulen entwickelt, um für den König einen glaubwürdigen Charakter zu schaffen", sagt sie.

"Wir haben den Charakter des Königs bereits so optimiert, dass er auf typische Verhaltensweisen von SpielerInnen reagiert, zum Beispiel auf die Erwähnung moderner Technologien - wie 'Computer' - oder auf Beleidigungen. Auf so etwas kann er angemessen reagieren." Eben zum Beispiel dadurch, dass er seinen wachsenden Frust verbalisiert - oder nach besseren Geschichten verlangt.

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