In unserer Serie schauen wir den Spieleautoren auf die Finger und analysieren, wie wichtig die Handlung für ein gutes Spiel ist.
Erlebte Geschichte
Half-Life (dt.): Die Mutter aller Ego-Shooter begeisterte besonders durch die gescripteten Zwischenereignisse.
Nicht nur der Plot selbst bestimmt die Intensität eines Spielerlebnisses, auch Leveldesign und Atmosphäre sind hier wichtige Komponenten. Cevat erläutert diesen Punkt: "Wir müssen uns fragen, welche Eindrücke, welche Gefühle und welche Erfahrungen wir mit einem Spiel vermitteln wollen. Bei der Story geht es ja darum, eine Geschichte bildhaft zu erzählen." Dieses Arbeitsfeld bezeichnen Entwickler als Ambiente-Storytelling: Grafik und Sound sollen dem Spieler Gefühle wie Angst, Aufregung oder Erleichterung vermitteln. So können etwa plötzlich aufziehende dunkle Wolken eine kommende Katastrophe ankündigen, sanfte Musik und ein blauer Himmel hingegen versprechen einen eher ruhigen Abschnitt.
Metal Gear Solid 3: Guns of the Patriots: Star-Entwickler Hideo Kojima feilt seit Jahren an der ausufernden Geschichte hinter dem Stealth-Game.
Die Fantasie des Spielers ist also ein Werkzeug, mit dem die Entwickler ganz bewusst arbeiten. Der Zocker soll emotional in die virtuelle Welt hineingezogen werden. Yerli: "Menschen erleben einen Film anders als ein Computerspiel." Der Grund: Schauen wir einen Film, sind wir passiv. Wir müssen nicht eingreifen. Ganz anders bei einem Spiel. Hier steuern wir die Hauptperson selbst und greifen aktiv ins Geschehen ein. Wir denken, fiebern und leiden oftmals mehr mit dem Protagonisten mit als in einem vergleichbaren Hollywood-Streifen. Nour Polloni formuliert es noch dramatischer: "Wir erzählen dem Spieler ja nicht nur eine Geschichte, wir lassen sie ihn erleben!"
