Ein bockschweres Remake - So spielt sich Gothic in 2026

Test Carlo Siebenhüner
Ein bockschweres Remake - So spielt sich Gothic in 2026
Quelle: PC Games

Das Gothic Remake ist bockschwer, aber auch belohnend. Wenn da nicht ein paar Unzulänglichkeiten im Kampfsystem wären...

Die Welt des Gothic-Remakes kann also voll überzeugen. Jetzt muss es ja nur noch mit dem Gameplay klappen. Und ja, auch da kann die Neuauflage punkten, allerdings lauern hier auch ein paar Eigenheiten und Probleme. Wir haben das Remake auf dem mittleren der drei Schwierigkeitsgrade durchgespielt. Schließlich heißt der schon "Gothic", also haben wir da das klassische Spielerlebnis erwartet. Wir wurden auch nicht enttäuscht.

Bockschwer wie früher

Gerade am Anfang ist Gothic Remake bockschwer. Hinter jeder Ecke lauert der Tod und selbst die kleinste Molerat kann unser Ende bedeuten. Der Quicksave ist da euer bester Freund. Im Original war das ähnlich, allerdings hat man recht schnell die Schwelle erreicht, nach der man sorgloser durch die Welt laufen konnte. Das Remake balanciert das etwas gleichmäßiger. Selbst im dritten Kapitel haben wir große Scavenger-Rudel noch umgangen, weil Gegner in der Masse bis in die hinteren Kapitel gefährlich bleiben.

Der Held kämpft gegen eine Molerat. Quelle: PC Games Das Remake ist anfangs wirklich bockschwer. Dabei ist es aber auch balancierter. Auch im späteren Spielverlauf muss man vorsichtig im Kampf bleiben. Das liegt vor allem am Movement. Das Gothic-Remake ist ein schwerfälliges Spiel. Unser Charakter bewegt sich mit spürbarem Gewicht und gerade im Kampf holen wir zu wuchtigen Schlägen aus. Das kann anfangs frustrieren, wenn man schnelle Kampfsysteme gewohnt ist. Wer sich aber bewusst entschleunigt und darauf einlässt, wird besser mit dem Kampf zurechtkommen.

Kämpfen mit Geduld

Das Gothic-Remake hat nämlich kein Ausdauer-System. Ihr habt vier Schlagrichtungen, die ihr zu Dreier-Combos verknüpfen könnt. Dabei kommt es auf das richtige Timing an und das ist eben langsamer als in vielen anderen Spielen. Das bedeutet aber auch, dass die Gegner ebenfalls einiges an Zeit haben, eure Verteidigung zu durchbrechen.

Um euch zu verteidigen, habt ihr einen Block und einen Ausweichschritt. Glücklicherweise haben die Entwickler das Feedback aus den Demos genutzt und das Kampfsystem verbessert. Die Hitboxen passen jetzt größtenteils und es gibt lesbares Trefferfeedback. Gegner ziehen sich jetzt auch nicht mehr magisch für einen Schlag aus zehn Metern Entfernung heran.

Richtig gut gefallen hat uns, dass jeder Gegner auch eine Schwachstelle hat, die man mit der richtigen Taktik ausnutzen kann. Blutfliegen solltet ihr etwa einmal blocken, dann öffnet sich ein Zeitfenster für einen Gegenschlag. Goblins könnt ihr mit dem Aufwärtsschlag einer stumpfen Waffe von den Füßen heben und habt so leichtes Spiel.

Ein fliegender Skelettmagier beschwört einen Zauber. Quelle: PC Games Bei den Skelettmagiern war der verrutschende Fokus besonders nervig. Hier müssen die Entwickler noch nachbessern. Habt ihr das einmal gelernt, sind die Gegner um einiges angenehmer umzuhauen. Allerdings bleibt das Spiel unbarmherzig, denn Gegner verursachen auch auf höheren Levels noch ordentlich Schaden pro Treffer und nieten euch immer schnell um. Das macht gerade Massenkämpfe gefährlich, da ihr da schnell von allen Seiten Schaden einsteckt und nicht mehr herauskommt. Gegner einzeln aus einer Gruppe herauszuziehen, ist übrigens gar nicht mehr so einfach, da die Feinde ihre Kollegen meistens informieren.

Wo das Remake den Fokus verliert

Ihr könnt zwar auch mehrere Gegner mit einem Schlag treffen. Allerdings gibt es ein Problem mit dem Fokus. Der rutscht gerne mal vom eigentlich anvisierten Gegner ab, selbst wenn ihr den per Lock-on fixiert. Es gibt mit Maus & Tastatur grundsätzlich zwei Möglichkeiten, das Ziel im Lock-on mit Absicht zu wechseln. Einmal mit dem Mausrad oder indem ihr eure Maus einfach bewegt. Gerade letzteres ist aber sehr dämlich, da man seine Maus im Kampf eben auch mal im Affekt bewegt. Zum Glück kann man diese Option in den Einstellungen deaktivieren.

Trotzdem rutschte uns der Fokus immer wieder auf Gegner, die wir gerade gar nicht angreifen wollten. Unser Hassgegner sind da die Skelettmagier, die immer wieder neue Skelette beschwören. Es liegt also nahe, dass wir den Magier im Kampf als Erstes ausschalten. Nur rutscht der Fokus da immer wieder auf die niederen Skelette, selbst wenn wir direkt neben dem Magier stehen. Das ist frustrierend und hat uns einige Male das Leben gekostet. Oder auch das Leben unserer Freunde.

Bildergalerie

Friendly Fire frustriert

Damit einher geht nämlich auch der zweite große Negativpunkt im Kampf. Es ist immer möglich, Verbündete zu treffen, selbst wenn die mit in der eigenen Party sind. Durch schnelle Gegner, den wechselnden Fokus und die Mehrfachtreffer kommt es immer wieder vor, dass wir aus Versehen einen unserer Kollegen erwischen. Sind sie in unserer Party, lassen sie ein paar Schläge durchgehen, aber irgendwann haben sie genug und greifen uns an. Bei zufällig Anwesenden reißt der Geduldsfaden noch schneller.

Dann wird man also nicht nur von den Gegnern, sondern auch von den eigenen Leuten angegriffen und landet zuverlässig im Dreck. Dazu kommt, dass sich so etwas dann auch auf den Ruf in den jeweiligen Lagern auswirkt. Über das Beispiel mit dem Sumpf haben wir ja schon gesprochen. Das nervt und es ist uns absolut unverständlich, wieso man nicht wenigstens für die eigenen Partymitglieder das Friendly Fire abstellt. Um besser durch die Welt zu kommen, leveln wir auf! Wie das Progressionssystem in Gothic Remake aussieht, zeigen wir auf der kommenden Seite.

  1. Seite 1 Das Minental glänzt erneut
  2. Seite 2 Hardware-Hunger und der Detailgrad der Welt
  3. Seite 3 Kampfsystem & Movement
  4. Seite 4 Progressionssystem & Fertigkeiten
  5. Seite 5 Story, Quest, Bugs und Fazit
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