Vor Kurzem feierte Funcom 30. Geburtstag. Wir nehmen das runde Jubiläum zum Anlass, uns die Geschichte des Studios hinter Spielen wie Anarchy Online näher anzusehen.
Hinzu kommen Ablauf-Optimierungsmaßnahmen von Rui Casais, der zuvor sieben Jahre als Chief Technology Officer bei Funcom tätig war und im Mai 2015 den CEO-Posten übernimmt. Casais scheut sich zudem nicht, Spiele, die nicht funktionieren, wieder auf Eis zu legen.
Dies gilt zum Beispiel für das MMO Lego Minifigures Online, das am 29. Juni 2015 nach umfangreichen Beta-Tests an den Start geht. Der Titel sieht zwar überaus knuffig aus, bietet fünf abwechslungsreiche Welten und hat einen mehr als fairen Schwierigkeitsgrad. Letztendlich bleiben die damit generierten Umsätze jedoch hinter den Erwartungen zurück, weshalb Funcom dem Online-Titel am 30. September 2016 den Stecker zieht.
Conan Exiles bringt die Wende
Der wichtigste Lichtblick in dieser schwierigen Transformationszeit bleibt allerdings Conan Exiles. Im Januar 2016 angekündigt, gelingt es den Norwegern, das von Hits wie Ark und DayZ inspirierte Survival-Spiel mit Multiplayer-Komponente nach nur zwölf Monaten in den Early Access zu hieven.
Quelle: Funcom
Conan Exiles
Game Director Joel Bylos erinnert sich noch sehr gut an die damals vorherrschenden Widrigkeiten:
"Ich denke, bei Conan Exiles war unser größtes Hindernis Zeit und Geld. Wir waren ein sehr erfahrenes Team, aber unserem Studio fehlte das Geld und wir mussten schnell etwas machen, um über Wasser zu bleiben. Wir mussten also schnell den Spaß finden und dann alle Grundfunktionen eines Survival-Spiels in einem sehr begrenzten Zeitrahmen integrieren. Wir haben ein Jahr von der Entwicklung bis zur Veröffentlichung des Early Access gebraucht, was angesichts der Anzahl der Funktionen, die wir hatten, eine kurze Zeitspanne darstellt."
Als die Steam-Community dann endlich durchstarten kann, durchläuft das Funcom-Team ein Wechselbad der Gefühle: "Zu Beginn des Early Access herrschte eine spürbare Erleichterung, als die Verkaufszahlen eintrafen - gefolgt von einem großen Moment der Panik, als unser damaliger Server-Hosting-Partner zu implodieren begann. Aber wir haben alles geklärt und konnten uns auf die Verbesserung des Spiels konzentrieren", resümiert Bylos.
Am 8. Mai 2018 erscheint Conan Exiles dann in der Version 1.0 für PlayStation 4, Xbox One und Windows und knackt nur zwei Monate später die Marke von 1,5 Millionen Einheiten - ein neuer Meilenstein für Funcom. Die Sogkraft des Spiels erklärt Bylos wie folgt:
"Exiles bewegt sich auf der Grenze zwischen Survival-Spielen und MMOs - es ist eine barbarische Power-Fantasie, in der es darum geht, seine Feinde vor sich herzutreiben. Man beginnt bei null und entwickelt sich zum Häuptling seines eigenen kleinen Clans. Wir haben eine Welt geschaffen, die eine Art 'Best of Conan' darstellt - aus allen Materialien des Universums, sexy, seltsam und absolut fesselnd. Hinzu kommt, dass Spieler ihr Erlebnis durch Mods und private Server wirklich individuell gestalten können und aus unserem Basis-Set-up ihre eigenen Welten erschaffen".
Und was schätzt Bylos an der just (14. Dezember 2023) veröffentlichten Erweiterung Age of War - Chapter 3 am meisten? "Für mich persönlich ist es die Möglichkeit, eine riesige NPC-Festung im Spiel zu belagern. Wir haben Belagerungsmechaniken schon seit Langem, aber diese werden im Grunde nur im PvP verwendet - jetzt haben wir unseren PvE-Spielern eine Möglichkeit gegeben, mit diesen Mechaniken zu interagieren."
Im Zuge seiner Antwort teasert Bylos außerdem, wie es mit Conan Exiles in Zukunft weitergeht: "Nach Kapitel 3 von Age of War schauen wir uns unsere nächsten großen Schritte an - wir haben viele neue Spielmechaniken hinzugefügt, aber es könnte an der Zeit sein, damit aufzuhören und neue Inhalte und Ereignisse hinzuzufügen, die die Spieler erleben können. Darüber hinaus kann ich im Moment aber noch nicht viel sagen."
Und was wurde in der Zwischenzeit aus The Secret World? Das trimmt Funcom auf Free2Play und wagt im März 2017 unter dem Namen Secret World Legends - begleitet von zahlreichen inhaltlichen Ergänzungen (Agenten-System, neuer Storypfad etc.) - einen Neustart. Doch leider bringt auch das keine nennenswerten Zuwächse der Nutzerbasis, weshalb man nach und nach seine Ressourcen auf andere Projekte verlagert.
Das Interessante aus spielhistorischer Sicht: Während andere Firmen Fehltritte oft einfach unter den Teppich kehren, steht Funcom dazu - und greift das Thema sogar auf der offiziellen Webseite auf.
Dort heißt es: "Wir hatten unsere Höhen und Tiefen. Wir haben Erfolge gefeiert und Misserfolge ertragen. Wir waren auf dem Schlachtfeld und haben uns unsere Kampfnarben verdient." Gefragt, welche Projekt die größten Narben verursacht haben, antwortet uns Rui Casais wie folgt: "Alle Projekte hinterlassen Narben, egal wie erfolgreich sie sind. Ich würde sagen, dass Age of Conan definitiv ein prägendes Spiel für uns war, sehr ehrgeizig und mit einem eifrigen und vielleicht etwas naiven Team."
