Vor Kurzem feierte Funcom 30. Geburtstag. Wir nehmen das runde Jubiläum zum Anlass, uns die Geschichte des Studios hinter Spielen wie Anarchy Online näher anzusehen.
Funcom wird zum MMO-Spezialisten
Um dort auch in Zukunft zu bleiben, treibt das Hauptquartier in Oslo Ende der 1990er-Jahre ehrgeizig ein Projekt in einem Genre voran, das seit dem Aufkommen von Breitband-Internet und dem Release von Titeln wie Meridian 59 (1996), Ultima Online (1997), Everquest sowie Asheron's Call (beide 1999) nach und nach mehr Rückenwind erlebt: MMOs.
Um sich von der Fantasy-Konkurrenz anzuheben, konzentriert man sich bei Funcom jedoch auf ein Science-Fiction-Setting, die Erschaffung eines weitläufigen Wüstenplaneten namens Rubi-Ka und besonders opulente 3D-Grafik. Heraus kommt Anarchy Online, das zum Start an 27. Juni 2001 und in den Monaten danach vor allem technisch nicht so rund läuft wie erhofft.
Doch statt die Flinte ins Korn zu werfen, bleibt Funcom versiert und sorgt nach und nach für immer mehr Feinschliff sowie interessante neue Inhalte. Los geht's mit dem Booster-Pack The Notum Wars (Dezember 2002), gefolgt von den Erweiterungen Shadowlands (September 2003), Alien Invasion (September 2004), Lost Eden (Dezember 2006) und schlussendlich Legacy of the Xan im Februar 2009.
Quelle: Funcom
Anarchy Online
Ebendieser lang anhaltende Support beschert dem Online-Rollenspiel im Laufe der Zeit mehr als zwei Dutzend Branchen-Awards und eine treue Nutzerbasis, die zu Hochzeiten knapp zwei Millionen Accounts (kostenlos als auch bezahlt) umfasst. Das Schöne: Wer mag, kann Anarchy Online auch heute noch via Steam spielen - dank eines Wechsels auf die Dreamworld-Engine im Jahr 2015 sogar mit deutlich besserer Grafik als zum Release.
Funcom sagt Raubkopierern den Kampf an
Doch zurück in die zweite Hälfte der 2000er-Jahre. 2006 bringen die Norweger mit Dreamfall: The Longest Journey zunächst die lang erwartete Fortsetzung zum Adventure-Hit von 1999 auf den Markt.
Das Medienecho fällt generell positiv aus und das Spiel findet schnell große Verbreitung - leider auch in der Raubkopierer-Szene. Funcom schätzt den Schaden damals auf knapp 200.000 illegale Downloads und nimmt dies zum Anlass, sich vorerst von physikalisch distribuierten Spielen zu verabschieden.
Die logische Folge sind zwei große Online-Rollenspiele. Im Mai 2008 prescht zunächst Age of Conan: Hyborian Adventures für Windows auf den Markt und lockt mit einer reizvollen Spielwelt, gut geschriebenen Quests, abwechslungsreichen Heldenklassen und packenden, blutig inszenierten Kämpfen.
Ähnlich wie Anarchy Online hapert es aber auch hier in der Anfangsphase an der Technik, die Funcom glücklicherweise sukzessive in den Griff bekommt. Nicht zuletzt dank der Gründung eines neuen Studios im kanadischen Québec.
Quelle: Funcom
Age of Conan: Hyborian Adventures
Spätestens mit dem Add-on Rise of the Godslayer im Mai 2010 legt der Titel zudem inhaltlich noch mal eine ordentliche Schippe drauf und kann einige Zeit später 1,4 Millionen Verkäufe vorweisen.
Dennoch: Um den andauernden Umwälzungen im hart umkämpften MMO-Sektor gerecht zu werden, benennen die Norweger das Spiel am 30. Juni 2011 in Age of Conan: Unchained um und wechseln hin zu einem Hybrid-Modell aus Free2Play- und Premium-Mitgliedschaften.
Fehlschläge machen einen nur stärker
Zeitsprung ins Jahr 2012. Um sich im MMO-Bereich in Zukunft noch breiter aufzustellen, bringt Funcom am 3. Juli 2012 The Secret World auf den Markt.
Gemeint ist ein Online-Rollenspiel, dessen Pre-Production bereits im Jahr 2002 begann - damals noch unter dem Projektnamen Cabal. Wichtige Inspirationsquelle für das Setting sind diesmal keine Sci-Fi-Geschichten, sondern vielmehr die Werke von H.P. Lovecraft, Stephen King und zum Teil auch George Lucas' Indiana Jones.
Kreativ kombiniert zaubert Funcom daraus ein ziemlich ungewöhnliches Setting, in dem drei Geheimgesellschaften - Templer, Illuminati und Drachen - miteinander wetteifern. Gleichzeitig setzen sie alles daran, übernatürliche Kreaturen an verschiedenen Orten in ihre Schranken zu weisen, darunter Neuengland, Ägypten, Transsilvanien, Tokio und eine Gemeinde außerhalb von Kapstadt.
The Secret World ist äußerst ambitioniert, kann den hohen Erwartungen zum Start aber nur zum Teil gerecht werden. Will heißen: Während Geschichte, Setting, Atmosphäre, Puzzle-Quests und Sounddesign reichlich Lob ernten, kommen Kampfsystem, PvP-Elemente und die niedrige Einsteigerfreundlichkeit weniger gut an.
Ebendiese Faktoren - kombiniert mit starker Konkurrenz in Form von Diablo 3, Guild Wars 2 und World of Warcraft: Mists of Pandaria -verhageln Funcom später die Bilanz.
So sehr, dass die Norweger im August 2012 etwa die Hälfte der Belegschaft entlassen müssen und im Jahr darauf umfassende Restrukturierungsmaßnahmen in Angriff nehmen.
Quelle: Funcom
The Secret World
Rückblickend jedoch der richtige Schritt, denn nach und nach kommt das Unternehmen wieder auf einen grünen Zweig und traut sich nun auch öfter, mal etwas Neues zu probieren. Interessante Beispiele hierfür sind das First-Person-Horrorspiel The Park (Oktober 2015) sowie das 1-vs-1-Multiplayer-Experiment Hide and Shriek (Oktober 2016) - beide angesiedelt im Erzähluniversum von The Secret World.
