F1 23: Es braucht deutlich mehr als nur eine Kopie von Drive to Survive

Kolumne Michael Grünwald
F1 23: Es braucht deutlich mehr als nur eine Kopie von Drive to Survive
Quelle: Codemasters/EA

Codemasters und EA bringen am 16. Juni F1 23 auf den Markt. Um die Reihe wieder voranzubringen, braucht es laut Redakteur Michi einige neue Features.

So ganz werde ich die Diskussion um das Schadensmodell eh nie verstehen, es dreht sich schließlich immer noch um Videospiele. Was möglich wäre, zeigen Titel wie Wreckfest, bei denen Fahrzeuge formschön in alle Einzelteile zerlegt werden. Das funktioniert jedoch nur bei Rennspielen, die keine echten oder nur ausgewählte Automarken integriert haben.

Dynamische Bedingungen

Ebenfalls zulegen sollte F1 23 beim Wetter- und Temperatursystem. In der echten Formel 1 spielen die äußeren Einflüsse eine große Rolle. Sei es der Wind, der aufgeheizte Asphalt oder der Regen. Bisher gibt's in der Reihe im Grunde nur eine trockene, feuchte oder nasse Piste. Die Übergänge der verschiedenen Wetterverhältnisse sind für mich dabei viel zu durchsichtig. Es ist ziemlich klar, wann und wie sich die Bedingungen verändern. Daher weiß ich auch jederzeit, ob ich bei einem Boxenstopp Intermediates oder Regenreifen aufziehen lassen sollte. Ein wenig mehr Poker wie eben in der echten Formel 1 würde die Rennen abwechslungsreicher gestalten.

Aston Martin fährt Quelle: Codemasters/EA Dafür fehlt aber ein dynamisches Wettersystem wie es Gran Turismo 7 beispielsweise hat. Im Sony-Racer geht's deutlich variabler zu. Auf längeren Strecken kann es an einem Abschnitt regnen, an einer anderen Stelle des Kurses aber komplett trocken sein. Das bringt einen weiteren Strategiefaktor mit ins Spiel.

Ich erwarte von F1 23 nicht, dass es plötzlich zu einer Simulation wird, aber an vielen Stellen würde eine gewisse Prise mehr Realität nicht schaden. Das Wettersystem gehört definitiv zu diesen Punkten.

Wir brauchen mehr Alonsos

Ein weiteres großes Problem, das viele Rennspiele quält, ist die schwache KI. Und ja, auch die Formel-1-Reihe gehört immer wieder zu diesen Titeln - skurrilerweise nicht in jedem Jahr. F1 22 zählt zu den schlechteren Exemplaren in diesem Bereich. Mal agieren die NPC-Fahrer zu vorsichtig in Zweikämpfen, dann wieder zu aggressiv.

Das geht ziemlich auf den Spielspaß, wenn mich die KI regelmäßig aus dem Rennen wirft. Die Rückspulfunktion versuche ich ja, ehrgeizig wie ich bin, immer zu vermeiden. Aber die Kamikaze-Piloten lassen das häufig einfach nicht zu. Es wäre schön, wenn die KI ein wenig mehr Rennintelligenz hätte und nicht in jede noch so kleine Lücke reinstechen würde.

Außerdem besitzen die Fahrer zwar Attribute wie Speed, Erfahrung und Rennkunst, so richtig unterscheiden sich die virtuellen Piloten aber nicht voneinander. Es wäre klasse, wenn ich einen Max Verstappen im Rückspiegel hätte und genau wüsste, dass ich mit aggressiven Manövern rechnen muss.

Hinter Fernando Alonso sollte mir dagegen klar sein, dass ich mein ganzes Repertoire aufbringen muss, um ihn zu überholen. Stattdessen fahren die KI-Piloten größtenteils den gleichen Stil. Da geht doch noch mehr, liebe Entwickler!

Und wenn ihr schon dabei seid, dann überarbeitet doch auch gleich die Strategieanweisungen meines Renningenieurs. Denn die sind seit Jahren auf dem aktuellen Ferrari-Niveau. Meistens entscheide ich selbst, ob ein früherer oder späterer Boxenstopp sinnvoll wäre. Mein Kommandostand ist da keine große Hilfe.

NPCs sprechen in Zwischensequenz Quelle: Codemasters/EA

Bringt die Vergangenheit zurück

Mein letzter Wunsch dreht sich um die Rückkehr der klassischen Fahrzeuge. Sehr schade, dass die mit F1 2021 verschwunden sind. Zwischendurch habe ich gerne ein paar Runden mit den F1-Autos von früher gedreht.

Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und fände es klasse, wenn Codemasters alte Strecken ins Spiel bringt. Einmal mit den modernen Hybrid-Karren die langen Geraden des klassischen Hockenheimrings entlang düsen oder ein paar Runden in Sepang drehen, das wäre für viele Fans ein großer Traum.

Ich befürchte allerdings, dass die Lizenzen ein großes Problem darstellen. Die haben wohl einen stolzen Preis und daher sparen die Entwickler an Oldschool-Fahrzeugen und Kursen. Besser als F1 Life würde das aber allemal ankommen.

Trotz meiner ganzen Wünsche und einiger Bedenken freue ich mich auf den Release von F1 23. Ich hoffe, der neue Teil kann mich längerfristig überzeugen. Den Vorgänger habe ich nach wenigen Wochen nämlich links liegen gelassen. Und vielleicht schaffe ich es zumindest virtuell, die derzeitige Red-Bull-Dominanz in der realen Formel 1 zu brechen.

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