Was ist Everywhere? Studiobesuch beim Projekt des GTA-Machers
Special
Als das mysteriöse Projekt Everywhere im August 2022 auf der Gamescom enthüllt wurde, war die Verwirrung groß. Ist das ein Spiel? Kurz darauf war der Spott groß, als vermeintlich herauskam, es würde sich um ein Blockchain-NFT-Konstrukt handeln. Was wirklich hinter Everywhere steckt - und was GTA 5 damit zu tun hat - haben wir beim Studiobesuch herausgefunden.
Generell steht die Interaktion der Community im Fokus von Everywhere. Im Bereich Shopping, im Spiel "Collection" genannt, können wir Klamotten einkaufen und unser Aussehen anpassen, außerdem Baupläne anderer Spieler erwerben, die ihre eigenen Kreationen dort feilbieten. Das können ganze Gebäude sein, animierte Plattformen und komplexe Gameplay-Elemente, die man in seine geplanten Spielmodi einbinden kann. Wie weit die spielerische und kreative Freiheit geht, die wir in Everywhere an die Hand bekommen, verdeutlicht die Vorführung eines Boss-Gegners in Skorpiongestalt mit mehreren Kampfphasen, der aus den Assets besteht, die den Spielern zur Verfügung stehen.
Logikketten und Programmiermöglichkeiten
Die Bausteine, die uns die Entwickler an die Hand gibt, gehen nämlich über statische Spiel-Elemente hinaus. Wir sind in der Lage etliche Logikknoten an unsere Kreationen anzubringen, um bestimmte Trigger zu aktivieren. In der Praxis können wir uns so auf die Implementierung eines einfachen Checkpoints beschränken. Nun können wir auch mehrere Fackeln im Kreis um den Checkpoint setzen und dafür sorgen, dass sie aufflammen, wenn wir den Kreis betreten. Auch ein Sound können wir setzen, eine Animation einfügen oder ein Klavier vom Himmel fallen lassen: Wie ausgefallen und detailreich wir unsere Umgebungen gestalten, hängt an uns.
Diese Logikketten lassen sich auch auf animierte Gegner legen, die wir selbst bauen können. Der uns gezeigte Riesenskorpion konnte so nicht nur Feuer speien, sondern verfügte über verschiedene Angriffsmuster, abhängig von der Position, an der wir standen. Obwohl das alles gut klingt, ist der Erfolg des Titels komplett davon abhängig, dass die Spieler das Metaverse mit Leben füllen. Den beteiligten Entwicklern sowie Leslie Benzies ist klar, dass es mehr braucht, um Leute auf ihre Mischung aus Plattform und Spiel zu locken und schütteln noch während der Präsentation ein Ass aus dem Ärmel.
Neuer Blockbuster des GTA-Machers
Die Vorstellung eines zweiten, komplett unangekündigten Blockbuster-Titels innerhalb einer Präsentation ist ungewöhnlich. Dass das Gezeigte gar nichts mit Everywhere zu tun hat, überraschte dann zusätzlich. Mit Mindseye stellt Leslie Benzies und Build a Rocket Boy ein narratives Sci-Fi-Abenteuer vor, das mit beeindruckendem Motion-Capture und fesselnder Zwischensequenz zu überzeugen weiß. Vielmehr ist über den Titel aber noch nicht bekannt. In Third-Person steuern wir Jacob, der von Schauspieler Alex Hernandez verkörpert wird. Im gezeigten Material trifft der Held auf seinen alten Bekannten Hunter Morrison und reden über den augenscheinlichen Antagonisten Silva.
Welches Genre nun genau mit dem Spiel abgedeckt wird, ob es eine offene Spielwelt gibt und auch nur im Ansatz etwas mit Leslies früheren Produktionen zu tun hat, ist noch unklar. Und man muss dem Entwicklerstudio lassen, dass es phänomenale Arbeit darin leistet, mit etwaigen Informationen hinter dem Berg zu halten.
Quelle: Build A Rocket Boy
Wir wissen aber, dass es sich bei Mindseye im Gegensatz zu Everywhere nicht um Free2Play, sondern um sogenannten Premium-Content handelt, der preislich mutmaßlich einem Vollpreistitel entspricht. Dieser und weitere in der Zukunft geplante Premiuminhalte sind über Everywhere abrufbar, was die Funktion der Gratis-Sandbox als Plattform deutlich unterstreicht.
Echte Innovation?
Trotzdem stellt sich die Frage, was Everywhere jetzt von anderen Baukästen abhebt und inwiefern es nicht einfach eine Neuauflage von Roblox ist. Dort erschaffen Spieler schon seit geraumer Zeit detaillierte Spielwelten unterschiedlicher Natur und ohne einen echten Anreiz wird wohl kaum jemand die Plattform wechseln.
