Empire of the Ants im Test: Grafik zum Staunen, doch etwas Wichtiges fehlt

Test Felix Schütz
Empire of the Ants im Test: Grafik zum Staunen, doch etwas Wichtiges fehlt
Quelle: Microids

Hier kloppen sich die schönsten Insekten der Videospielgeschichte: Empire of the Ants verspricht zugängliche Echtzeit-Strategie in moderner Unreal-Engine-Optik. Das Ergebnis sieht fantastisch aus, verspielt aber auch wichtige Chancen.

Entscheidend für den Sieg sind die sogenannten Prädatoren. So heißen besonders starke Einheiten, die man möglichst früh ausbilden sollte, von denen ich aber nur einen Trupp gleichzeitig befehligen darf. Zum Beispiel zähe Käferverbände, die massenhaft Schaden einstecken und feindliche Nester ruck, zuck plattmachen.

Später in der Kampagne kann ich auch einen Schwarm fliegender Hornissen herbeirufen. Meine Lieblingseinheiten! Sie sind unschlagbar gegen Bodentruppen und geben noch dazu blitzschnelle Aufklärer ab. Solange der Gegner keine Fernkämpfer schickt, sind Hornissen kaum zu stoppen.

Zusätzlich kann ich noch Unterstützer anheuern, zum Beispiel wundervoll gestaltete Schnecken, die meine Truppen widerstandsfähiger machen. Oder ich leiste mir ein paar fliegende Riesenkäfer, die zwar nicht kämpfen, aber dafür meine Bodentruppen blitzschnell hinter die feindlichen Linien transportieren.

Ein Schwarm von Hornissen fliegt auf Gegner zu. Quelle: PC Games

Ungenutztes Potenzial

Kurz gesagt: Das sind alles coole Ideen! Nur leider gibt es davon viel zu wenige: Das Truppenangebot ist für die Spielzeit einfach zu klein und verändert sich auch nicht. Fordernde Strategien oder kreatives Umdenken sind nie gefragt. Und Schnecken, Transporter, Blattläuse - nichts davon brauche ich wirklich, praktisch alle Missionen lassen sich mit Standardeinheiten knacken. Etwa ab der Spielhälfte hat man da im Grunde alles gesehen.

Zum Glück gibt's aber auch Einsätze mit besonderen Bedingungen. Zum Beispiel eine Verteidigungsmission, in der ich geschickt eine Defensive aufbauen muss, während immer mehr Gegnerwellen anrücken. Oder ein Level, in dem ich auf eine riesige Gottesanbeterin klettere, damit sie mich über das Wasser trägt. Oder wenn ich unter Zeitdruck Ressourcen horten soll, was aber nur klappt, wenn ich Schritt für Schritt feindliche Stellungen überfalle. Von solchen Einfällen hätte ich gerne mehr gesehen!

Dutzende Ameisen greifen eine gigantische Gottesanbeterin an. Quelle: PC Games Doch am Ende bleibt einfach zu viel Potenzial ungenutzt: Es gibt keine unterirdischen Strategiemissionen oder Möglichkeiten, sich durch das Erdreich zu graben. Keine Regenwürmer, Bienenschwärme, Umweltverschmutzung, gefräßige Kröten, Baustellen, Schnee, Hagelschauer oder Rettungseinsätze während eines Waldbrandes - nichts davon findet sich im Spiel. Dabei hätte das Konzept noch so viel hergegeben!

Multiplayer und eine gute Alternative

Immerhin haben die Entwickler bei Tower Five aber an einen soliden Mehrspielermodus gedacht. Am Konzept ändert sich hier nichts: Ihr müsst Einheiten ausbilden, Außenposten einnehmen, Ressourcen sammeln und den Gegner möglichst schnell überrennen.

Das spielt sich genauso zugänglich und entspannt wie in der Kampagne. Da es aber keine neuen Einheiten, Taktiken oder Siegesbedingungen gibt, hatte ich den Multiplayer schon nach ein paar Matches für mich abgehakt - ich habe schließlich schon alles gesehen. Aber: Für eine kleine Runde am Abend taugen die Insektenscharmützel trotzdem allemal.

Und sei es nur, weil man seinen Augen einfach mal wieder etwas gönnen will. So eine Grafik erlebt man schließlich nicht alle Tage.

Wertung zu Empire of the Ants (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Empire of the Ants (PS5)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Empire of the Ants (XSX)

Wertung:

7.0 /10
Fazit

Zugängliche Echtzeit-Strategie mit umwerfender Grafik und verschenktem Potenzial. Da wäre mehr drin gewesen!

Empire of the Ants ist am 7. November 2024 für PC, PS5 und Xbox Series S/X erschienen. Es gibt keine Sprachausgabe, aber deutsche Texte. Der Preis liegt bei 40 Euro, das gilt auch für die Konsolenversionen. Die digitale PC-Fassung gibt's bei Steam, GOG oder im Epic Games Store. Die Konsolenfassungen sind auch als Limited Edition mit mehreren Extras zum Preis von 50 Euro im Handel.

Eine gewaltige Schnecke wandert an einer Ameisenkolonie entlang. Quelle: PC Games

Die Alternative: Empire of the Undergrowth

Ameise trifft Echtzeit-Strategie - gefällt euch dieses Konzept? Dann schaut euch auch mal Empire of the Undergrowth an! Auch darin erwartet euch ein waschechtes Echtzeit-Strategiespiel, in dem ihr ein Ameisenvolk in die Schlacht führt. Hier präsentiert sich das Gameplay allerdings etwas klassischer als in Empire of the Ants, gesteuert wird zum Beispiel aus der genretypischen Draufsicht.

Die User-Wertungen auf Steam sind außerordentlich positiv, manche fühlen sich sogar an das innovative Sim Ant erinnert, mit dem Maxis schon 1991 versuchte, die faszinierende Welt der Ameisen in ein Videospiel zu verpacken. Grafisch kann Empire of the Undergrowth zwar nicht mal ansatzweise mit Empire of the Ants mithalten, doch das macht es mit seinem Gameplay wieder wett. Für Strategie-Fans, die mal etwas anderes ausprobieren wollen, ist es definitiv einen Blick wert.

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