Empire of the Ants im Test: Grafik zum Staunen, doch etwas Wichtiges fehlt

Test Felix Schütz
Empire of the Ants im Test: Grafik zum Staunen, doch etwas Wichtiges fehlt
Quelle: Microids

Hier kloppen sich die schönsten Insekten der Videospielgeschichte: Empire of the Ants verspricht zugängliche Echtzeit-Strategie in moderner Unreal-Engine-Optik. Das Ergebnis sieht fantastisch aus, verspielt aber auch wichtige Chancen.

Befehl ist Befehl

Die meisten Missionen spielen sich aber ganz anders, denn Empire of the Ants ist in erster Linie ein klassisches Echtzeit-Strategiespiel! Das bedeutet: Basisbau, Ressourcen ernten, Armeen ausbilden, Gegner plattmachen - und zwar öfter, als mir lieb ist.

Das Grundprinzip ist nämlich in den meisten Strategielevels gleich: Mit meiner Heldenameise besuche ich zuerst das Hauptnest. Hier kann ich in einem eleganten Ringmenü neue Gebäude errichten, Einheiten produzieren, die Defensive verbessern, Upgrades freischalten und neue Fähigkeiten kaufen. Das geht schnell und unkompliziert, Gebäude werden zum Beispiel automatisch rund ums Nest platziert.

Ganz am Anfang steht die Ressourcengewinnung: Mit Pilzzucht und Holzplatz fließen langsam Nahrung und Baumaterial aufs Konto - beides braucht man in rauen Mengen, um den KI-Gegner von der Map zu fegen. Außerdem kann ich eine von drei Sorten Ameisentrupps ausbilden, die sich nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip unterteilen. Soldaten (orange) sind zum Beispiel effektiv gegen Arbeiter (blau), ziehen aber gegen Fernkämpfer (grün) den Kürzeren.

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Ein rundes Baumenü, in dem ein Gebäude ausgewählt wird. Quelle: PC Games Da man in diesem Getümmel unmöglich einzelne Einheiten auswählen könnte, scheuche ich sie einfach als Truppenverbände über die Karte - bis zu sechs Stück darf man gleichzeitig besitzen. Das ist zwar nicht viel, doch zumindest bleibt das Geschehen dadurch selbst bei Hunderten von Truppen überschaubar. Wer mag, kann übrigens auch alle Einheiten gleichzeitig auswählen oder sie in Gruppen aufteilen.

Das waren allerdings auch schon die wichtigsten Kommandos, der taktische Tiefgang hält sich darum in sehr engen Grenzen. Meistens genügt es schon, einfach die richtigen Kontereinheiten auf die feindlichen Truppensymbole zu schicken, die man oft schon aus weiter Ferne erkennt - und danach kann man sich entspannt zurücklehnen. Ein Profi-Strategiespiel sieht anders aus, aber so ist es auch gar nicht gedacht.

Eine Ameise blickt auf verschiedene Insektenarmeen. Quelle: PC Games

Strategie ohne Anspruch

Empire of the Ants will vor allem zugänglich sein, und das ist den Entwicklern gelungen: Das Interface ist aufgeräumt und mit etwas Übung lassen sich erstaunlich leicht Angriffsbefehle über die halbe Map erteilen. Auch die ersten Ziele sind schnell ausgemacht: Feindliche Termitennester und nutzlose Marienkäfer sollte man so früh wie möglich angehen! Als Belohnung winken Ressourcen oder, noch besser, ein neuer Bauplatz für einen Außenposten. Denn jedes Nest hat nur wenige Slots für Gebäude und Upgrades zur Verfügung.

Und genau die brauche ich jetzt! Mit genügend Bauplatz schalte ich die nächste Tech-Stufe frei, erhöhe mein Truppenlimit und kaufe mir ein Kartenupgrade, das mir endlich eine praktische Minimap einblendet. Nebenbei rüste ich den verwundbaren Außenposten noch mit Säureschützen und einem Holzwall aus, um Angreifer abzuwehren.

Grüne Rosenkäfer krabbeln über den Waldboden. Quelle: PC Games Und zu guter Letzt kaufe ich mir noch ein paar Pheromone, das sind Fähigkeiten, mit denen ich meine Einheiten aktiv im Kampf unterstützen kann, zum Beispiel Heilungs- oder Schadensverstärker. Weil diese Fähigkeiten aber nur eine geringe Reichweite haben, muss ich mich immer wieder mitten ins Schlachtgetümmel werfen, um meine Einheiten zu buffen. Umso besser! So bekomme ich auch mehr von der schicken Grafik zu sehen.

Erobern und siegen

Leider haben die Maps kaum Überraschungen zu bieten, sorgfältiges Erkunden wird kaum belohnt. Da findet man höchstens mal seltene Rohstoffquellen, zum Beispiel einen Tannenzapfen oder eine angeknabberte Birne. Wenn ich hier meine blauen Arbeiterameisen hinschicke, winken massenhaft Ressourcen. Das lohnt sich, selbst wenn mir die Gruppe dann eine Zeit lang im Kampf fehlt.

Denn letztendlich dreht sich in den Strategiemissionen alles um schnelles Wachstum. Nester einnehmen, Rohstoffe anhäufen, Upgrades kaufen, Truppen verbessern - und das alles bitte, bevor der Gegner das Gleiche macht und mich mit seinen Einheiten überrennt. Hat man das erst mal kapiert, schafft man die meisten Einsätze locker im ersten Anlauf.

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