Wir würden Elden Ring: Nightreign so gerne noch mehr lieben, aber es hasst uns einfach zu sehr - XXL-Test!
Test
Alles gleich, alles anders: Statt eines Open-World-Rollenspiels ist das neue Elden Ring ein Koop-Roguelite mit Battle-Royale-Elementen - und obwohl das Spielprinzip klasse funktioniert, hat es aktuell mit gravierenden Problemen zu kämpfen.
Multiplayer-Optionen und PC-Technik
Das waren nun ganz schön viele Absätze voller Kritik, und leider sind wir immer noch nicht ganz fertig. Wenn eure Freunde nämlich auf unterschiedlichen Plattformen unterwegs sind, dann könnt ihr nicht mit ihnen zusammenspielen, weil From Software kein Crossplay integriert hat. Es kann nur in der gleichen Konsolenfamilie gemeinsam losgezogen werden, also PS4 mit PS5 und Xbox One mit Xbox Series.
PC-Spieler bleiben unter sich und dürfen sich berechtigterweise darüber wundern, dass das Spiel schon wieder nur auf 60 FPS gedeckelt ist. Abseits davon reißt sich die PC-Technik aber zusammen: Weil Nightreign effektiv ein Remix bekannter Elemente ist, läuft es wie die gepatchte Version des Hauptspiels. Das gilt auch für das Steam Deck, wo ihr auf mittleren Settings meistens zwischen 30 und 40 FPS herausholt.
Einen Ruckler gab's bei uns nur bei einem Angriff eines bestimmten Bosses und manchmal, wenn die Gräfin mit ihrer Fähigkeit den Schattenklon eines Gegners beschwört. Netzwerk-Lag haben wir zum Glück keinen vernommen, und der Multiplayer funktionierte mit verschiedenen Mitspielern problemlos.
Zumindest, solange wir zu dritt waren, denn Duos gehen aktuell unverständlicherweise auch noch leer aus. Hier muss immer ein dritter Spieler über das Matchmaking ergänzt werden, From Software gedenkt aber, den Modus noch nachzuliefern. Viel Aufwand dürfte das nicht sein, immerhin existieren bereits Skalierungsstufen für einen und drei Spieler.
Kann man Nightreign im Singleplayer spielen?
Für Solisten hat From Software das Spiel hier und da angepasst: So schlucken vor allem Bosse deutlich weniger Schaden als zu dritt und auch Statuseffekte zünden gefühlt häufiger. Die teils hohe Gegnermenge wirkt im Singleplayer identisch, allerdings halten sich die Feinde beispielweise in Multi-Bosskämpfen auch mal zurück, wenn ihr sie nicht angreift.
Da wird sogar das Götterskalp-Duo, das es aus unerfindlichen Gründen in Nightreign geschafft hat, machbarer.
Trotzdem werdet ihr eure Mitspieler vermissen und das Spiel stellt euch auch keine KI-Kumpanen zur Verfügung. Die Runden in Nightreign sind definitiv riskanter und anstrengender, wenn ihr alles alleine machen müsst. Außerdem ist dann natürlich niemand da, der euch wiederbeleben kann - ihr dürft euch zwei Mal pro Runde ein Extraleben kaufen, aber so viele Chancen wie im Multiplayer bekommt ihr solo bei weitem nicht.
Der einzige Pluspunkt daran: Ihr müsst euch nicht mit dem fummeligen Lock-On-System herumschlagen, das sich im Multiplayer gerne mal weigert, eure toten Mitspieler anzuvisieren. Im falschen Moment kann euch allein das die Runde kosten.
Wir planen aktuell ein Special zur Singleplayer-Erfahrung, das noch vor Release online gehen sollte - deshalb hier nur so viel: Durch die Balancing-Anpassungen wirkt der Modus nicht lieblos drangetackert, sondern kann durchaus eine valide Methode sein, Nightreign zu spielen.
Die Probleme mit dem Verhalten der Nachtfürsten und den Relikten bekommt ihr dort aber noch mehr zu spüren, weswegen wir aktuell wirklich nur sehr leidensfähigen Spielern raten können, sich ranzuwagen.
Fazit: Der Inbegriff einer Hassliebe
Leidensfähigkeit müsst ihr aber so oder so mitbringen, solltet ihr hier durchkommen wollen. Wenn euch die Vorstellung abschreckt, von einem übertriebenen Boss erledigt zu werden und dann 45 Minuten koordiniert reinschwitzen zu müssen, um eine zweite Chance zu bekommen, dann ist dieses Spiel vermutlich euer schlimmster Albtraum.
Wenn ihr es an Elden Ring schätzt, wie viele verschiedene Dinge ihr ganz in Ruhe ausprobieren könnt und wie mächtig ihr dadurch irgendwann werdet, ist Nightreign wahrscheinlich auch nichts für euch.
Das Koop-Spin-off wirkt wie maßgeschneidert für all die, die Elden Ring bereits in unter zehn Stunden durchspielen können, die das Zwischenland und seine Bewohner in- und auswendig kennen und sich einen Weg wünschen, um die ganze tote Zeit zu streichen.
Der Remix ist gelungen: Durch die Zufallsfaktoren ist jede Runde frisch genug, die alten Dark-Souls-Bosse sind ein netter Bonus und die knallharte Struktur der Runs sorgt für fantastische Momente der Teamkoordination, in denen ihr alles Gelernte durchschlagend einsetzen dürft.
Es hilft Nightreign natürlich enorm, dass es auf dem Fundament eines der besten Rollenspiele aller Zeiten steht, auch wenn es schon ein paar mehr neue Inhalte hätte geben dürfen.
Das Finale jeder Spielrunde und die Belohnungen, die ihr dafür bekommt, sind aktuell allerdings dermaßen demotivierend, dass der Spaß enorm darunter leidet. Wegen der Qualitäten, die Nightreign definitiv mitbringt, konnten wir im Test trotzdem nicht die Finger davon lassen, aber insgeheim war uns allen klar, dass es sich eigentlich nicht lohnt, weiter dranzubleiben.
From Software muss zum Glück keine Wunder vollbringen, um Nightreign zu einem motivierenderen Erlebnis zu machen: Genauso schnell, wie die Balance in einem solchen Spiel aus den Fugen geraten kann, kann sie auch wieder ins Lot kommen. Und wenn die Zahlen noch angepasst werden, dann gibt's auch von uns die höhere Zahl.
Elden Ring: Nightreign erscheint am 30. Mai zum Preis von knapp 40 Euro für PC, PS4, PS5, Xbox One und Xbox Series. Ihr müsst weder Elden Ring noch seine Erweiterung besitzen, um Nightreign spielen zu können. Neben der Standardausgabe gibt es eine Deluxe Edition zum Preis von 55 Euro, die neben Artbook und Soundtrack auch einen für Ende 2025 datierten DLC mit neuen Charakteren und Bossen beinhaltet.
