Wir würden Elden Ring: Nightreign so gerne noch mehr lieben, aber es hasst uns einfach zu sehr - XXL-Test!

Test Stefan Wilhelm
Wir würden Elden Ring: Nightreign so gerne noch mehr lieben, aber es hasst uns einfach zu sehr - XXL-Test!
Quelle: From Software

Alles gleich, alles anders: Statt eines Open-World-Rollenspiels ist das neue Elden Ring ein Koop-Roguelite mit Battle-Royale-Elementen - und obwohl das Spielprinzip klasse funktioniert, hat es aktuell mit gravierenden Problemen zu kämpfen.

Vor allem im eingespielten Dreierteam werdet ihr irgendwann nur so über die Karte fliegen und koordiniert alles platthauen, was euch vor die Füße kommt. Da wagt ihr es dann auch mal, euch aufzuteilen, um in der gleichen Zeit noch mehr Runen und Loot einzusacken. Selbst ein kurzer Trip in den Feuerkreis kann sich lohnen, wenn ihr schnell genug erledigen könnt, was ihr euch vorgenommen habt.

Mit dem einfachen Ping-System klappt auch die Kommunikation mit zufälligen Mitspielern gut genug, wegen des hohen Schwierigkeitsgrades und der nötigen Planung würden wir euch aber trotzdem empfehlen, in einem festen Team mit Voicechat loszuziehen.

Innerhalb der Runs gelingt dem Spiel ein fabelhaftes Fortschrittsgefühl. Stufenaufstiege und besseres Equipment sind deutlich spürbar, und ihr habt immer den nächsten starken Feind vor der Nase, an dem ihr euch versuchen dürft.

Das fühlt sich dann wirklich an wie eine extrem beschleunigte, aber nicht minder motivierende Version eines Elden-Ring-Durchgangs. Der Roguelite-Faktor zündet außerdem besonders gut, wenn euch das Spiel mächtige Waffen mit mehreren Statuseffekten zusammenwürfelt oder wenn es Locations, die ihr immer mitnehmen müsst, besonders günstig zusammenlegt.

Und auch wenn der Feuerring für unseren Geschmack etwas zu schnell die Map einschränkt, so zwingt er euch doch auch immer wieder dazu, mittendrin die Planung anzupassen. Sowas kann im kompletten Desaster enden, aber eben auch in noch viel mächtigeren Charakteren, was die Spannung über viele dutzend Runs aufrechterhält.

Einer der großen Bosse aus Nightreign Quelle: From Software Die besonderen Welt-Events tun ihr Übriges: Hier und da erscheinen spezielle Zonen auf der Karte, die mit großen Gefahren, aber auch nützlichen Belohnungen aufwarten, wenn ihr sie absolviert. Und auch wenn die Power-Ups für den Abschluss nicht bei jedem Charakter und Nachtfürsten gleich gut zünden, so findet ihr dort stets viele Bosse auf einem Fleck.

Perfekt für geübte Spieler, um sich in kurzer Zeit hochzuleveln. Hier würden wir uns allerdings noch eine verlässlichere Methode wünschen, um diese Events spawnen zu lassen oder durchzurotieren - beim ersten Durchgang bekommt ihr nämlich offenbar nur begrenzt viele Chancen, sie mitzunehmen.

Außerdem kann der Zufallsfaktor ein richtiges Biest sein. Bei den sogenannten Raubzügen erscheint meistens einer der Nachtfürsten zufällig in eurem Spiel und traktiert euch mit verschiedenen Mechaniken. Ignorieren könnt ihr die kaum - da ist es natürlich doppelt nervig, wenn der Ort, an den ihr müsst, um sie wieder loszuwerden, im Feuer spawnt.

Die Kehrseite der Medaille sind die mächtigen Boni, die ihr freischaltet, wenn ihr die Raubzüge abschließt, und zumindest in unseren Runden wurden wir nie vor unlösbare Herausforderungen gestellt.

... dann zu Tode betrübt

Wäre das alles, dann könnten wir nun schreiben, dass Nightreign eine tolle, frische Methode ist, um noch mehr Zeit im Elden-Ring-Kosmos zu verbringen und dass die Zufallselemente für Abwechslung sorgen. Volle Empfehlung für alle experimentierfreudigen Elden-Ring-Spieler also - aber leider wären da noch zwei Punkte. Erst einmal gipfelt jede Runde in einem ganz neuen, für drei Spieler designten Bosskampf, der die vorherige Planung auf die Probe stellt.

Und außerdem sollte ein solches Spiel auch eine gute Meta-Progression auf die Beine stellen, also uns immer wieder mit permanent freischaltbaren Boni belohnen, um langfristig motivierend zu sein. Und diese beiden Aspekte hat From Software leider ziemlich vermasselt - aber, und das ist der entscheidende Punkt: Es wäre auch nicht schwer, sie zu fixen.

Die Nachtfürsten, und damit die eigentlichen Highlights jeder Runde, sind mit dem aktuellen Balancing viel zu oft totale Spaßbremsen. Obwohl sie alle unterschiedlich aussehen, anders kämpfen und viele Schauwerte bieten, so teilen sie sich doch durch die Bank die gleichen Schwächen.

Ein weiterer Boss aus Nightreign Quelle: From Software Einerseits sind sie, vor allem im Dreierteam, mit absurden Lebensleisten und Resistenzen ausgestattet - nach dem Network Test im Februar ist From Software offenbar auf den Reglern ausgerutscht. Die Builds, die ihr euch vorher mühsam und mit guter Planung zusammengestellt habt, verpuffen dadurch in den allermeisten Fällen im Nichts.

Egal, ob ihr nur mit Stufe 12 oder mit dem Maximallevel von 15 die Arena betretet, ob ihr Statuseffekte auslösen, Haltungen brechen oder die speziellen Elementschwächen des Bosses ausnutzen wollt: Ihr werdet in wahnsinnig zähen Ausdauerkämpfen landen, ihr werdet kaum Schaden anrichten und ihr werdet meistens nach zwei, drei Angriffen tot auf dem Boden liegen.

Und selbst das wäre gerade noch verschmerzbar, wenn die Viecher nicht auch noch permanent vor euch weglaufen, wegfliegen oder sich durch die Gegend teleportieren würden. Das mündet alles in einem unbefriedigenden Kampfgefühl, bei dem ihr ständig dem Boss hinterherhechelt, um hoffentlich mal eine Attacke zu landen, und die trifft dann mit der Wucht einer zu lang gekochten Nudel. Die Eldenbestie lässt grüßen.

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