Wer Gothic mag, wird Drova lieben: Die Rollenspiel-Überraschung im Test
Test
Piranha Bytes wäre stolz: Drova spielt sich wie Gothic in 2D und macht dabei verdammt viel richtig! Im Test zu Drova verraten wir, warum ihr den Rollenspiel-Geheimtipp nicht verpassen solltet.
Auch an stimmungsvolle Tag- und Nachtwechsel haben die Entwickler gedacht, und die sind kein optisches Gimmick: Viele NPCs haben simple Tagesabläufe, die völlig ausreichen, um für Atmosphäre zu sorgen. Händler stehen zum Beispiel tagsüber auf dem Markt, Schmiede arbeiten an der Esse, Holzfäller schwingen die Axt, Boten pendeln zwischen den Lagern und Bogenschützen trainieren fleißig an der Zielscheibe. Am Abend versammeln sie sich dann am Feuer, betrinken sich in der Taverne oder legen sich schlafen.
Die perfekte Gelegenheit für einen kleinen Diebstahl! NPCs werfen euch tagsüber nämlich achtkantig raus, wenn ihr ungebeten in ihr Zuhause marschiert. Und wer beim Klauen erwischt wird, kann sich auf Prügel gefasst machen. NPCs reagieren also auf euer Verhalten - prima! Trotzdem lohnt sich ein Nebenjob als Dieb, denn Kisten mit Wertsachen sind großzügig verteilt und enthalten oft richtig gute Beute. Um sie zu öffnen, kommt ein blitzschnelles Schlösserknacken-Minispiel zum Einsatz - und das ist so kinderleicht, dass mir im gesamten Spiel kein einziger Dietrich abgebrochen ist.
Wer fleißig sammelt, stiehlt, Beute von Gegnern einsackt oder Schätze sucht, darf sich schnell über ein rappelvolles Inventar freuen. Keine Sorge: Da es kein Limit gibt, dürft ihr so viel mitschleppen, wie ihr wollt! Dadurch könnt ihr regelmäßig eine Menge Zeug bei Händlern verkaufen und euch so eine goldene Nase verdienen. Die verdiente Kohle steckt ihr dann in neue Waffen, Rezepte, Rohstoffe und anderen Kram - es gibt reichlich zu kaufen, dadurch bleibt der Handel bis zum Schluss relevant.
Wissen, worauf man sich einlässt
Bei so viel Lob muss auch Kritik erlaubt sein. Die langen Laufwege sind zum Beispiel eine Geschmacksfrage - Fans von Gothic dürften sie kaum stören, andere könnten die Fußmärsche aber mit der Zeit vielleicht lästig finden. Zumal die 2D-Spielwelt ziemlich verschachtelt aufgebaut ist, da gibt es jede Menge Hindernisse, die euch am Weiterkommen hindern - dadurch muss man öfter mal kleinere Umwege gehen. Bäume, Gebäude und andere größere Objekte blenden zwar sanft aus, sobald man sich dahinter bewegt, doch ab und zu verdecken sie eben doch die Sicht.
Quelle: Just2D / Deck 13
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Dass die Entwickler bewusst auf Questmarker verzichten, finden wir großartig - dadurch macht das Erkunden erst so richtig Spaß! Wir hätten aber nichts gegen eine hübschere Kartenfunktion gehabt, oder gegen mehr Hinweise im Questlog. Drova ist zwar ausdrücklich so designt, es soll die Spieler ernst nehmen und fordern. Doch zumindest für Einsteiger und Gelegenheitsspieler hätten wir uns mehr optionale Hilfen gewünscht. Wer das Spiel für eine Weile liegen lässt, könnte sich vielleicht schwertun, wieder in die Welt zurückzufinden. Warum gibt es zum Beispiel keinen NPC, der uns gegen bare Münze ein paar Tipps zu bestimmten Quests gibt? Das hätte gut in die Spielwelt gepasst, ohne gleich die ganze Erfahrung zu verwässern.
Kleine Schnitzer
In unserer Testversion gab es auch noch vereinzelte Bugs. Auf der PS5 trafen wir zum Beispiel öfter mal auf Gegner, die wie Leichen dargestellt wurden - dabei waren sie quicklebendig und griffen uns an. Da wurde also schlichtweg die falsche Grafik geladen - das ist zwar kein Beinbruch, doch die Entwickler sollten hier auf jeden Fall nochmal nachpatchen.
Auch auf der Nintendo Switch zeigten sich Probleme: Hier hat ein Release-Patch zwar schon zahlreiche Bugs behoben, allerdings sind uns immer noch störende Nachladeruckler aufgefallen. Es scheint, als wäre die Hardware manchmal einfach überfordert mit der vollgepackten Spielwelt, da besteht also noch Optimierungsbedarf. Und da wir die Switch-Fassung noch nicht ausreichend testen konnten, vergebe ich dafür auch noch keine Wertung. (Das Gleiche gilt auch für die Xbox-Fassungen. Kaufen auf eigene Gefahr!)
Auf PS5 und PC lege ich euch Drova aber wärmstens ans Herz: Dem Team von Just2D ist ein starkes Debüt gelungen! Mit seiner liebevoll gestalteten Welt, motivierenden Quests, Unmengen an Secrets und der cleveren Umsetzung hat mich Drova rund 40 Stunden lang ans Gamepad gefesselt.
Hinweis: Wir haben unser Wertungssystem angepasst, das wirkt sich auch auf diesen Test aus. Alle Details dazu findet ihr hier.
Natürlich ist es aber kein Spiel, das man uneingeschränkt empfehlen kann, dafür ist es zu speziell. Wer aber Gothic liebt und dazu noch ein Herz für Pixel-Art hat, bekommt mit Drova einen echten Geheimtipp, der jeden Cent wert ist.
Aber nicht nur die Entwickler von Just2D dürfen sich auf die Schulter klopfen, auch der Publisher Deck 13 hat mal wieder Lob verdient: Schon mit Perlen wie Crosscode oder Chained Echoes hat das Frankfurter Studio gezeigt, dass es den richtigen Riecher für fantastisch gepixelte Abenteuer hat, die viel mehr Aufmerksamkeit verdienen.
Drova: Forsaken Kin ist seit dem 15. Oktober 2024 für PC (via Steam und GOG) sowie PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series S/X und Nintendo Switch erhältlich. Alle Fassungen enthalten deutsche Texte. Der Preis liegt bei 25 Euro. Transparenzhinweis: Für diesen Artikel wurden uns kostenlose Testversionen vom Publisher zur Verfügung gestellt.
