Wenn es um deutsche Wirtschaftssimulationen geht, muss man die Gilde erwähnen. Wir schauen auf die Anfänge der Serie und was die Wi-Sim ausgezeichnet hat.
Das kam bei den Spielern an. Die Gilde verkaufte bereits in der ersten Woche 100.000 Einheiten und spielte allein damit die Entwicklungskosten wieder ein. Ein Jahr später folgte noch ein Add-on. Eigentlich eine hervorragende Grundlage für eine Serie, die ihre Wurzeln zuerst zwangsläufig ablegen und mit neuem Namen neu starten musste.
Die Gilde 2 geht baden
Doch leider stand Die Gilde ab da nicht mehr unter einem guten Stern. Einem zweiten Teil wurde grünes Licht gegeben und der kam dann 2006 raus - leider sehr unfertig. Die Gilde 2 war geplagt von zahlreichen Bugs, darunter auch sehr schwerwiegende, die konstante Abstürze verursachten und Spielstände zum Frühstück gefressen haben.
Quelle: PC Games
Die Gilde 2 war hübscher, aber technisch unausgereift
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Publisher war damals übrigens JoWood, die nur einen Monat später mit Gothic 3 dann noch mal unter Beweis stellten, dass sie mit Qualitätssicherung nicht viel am Hut hatten. Laut Gerüchten stand der Publisher 2006 kurz vor der Pleite und deswegen mussten die großen Projekte raus, um die Firma zu retten.
Auch in spielerischer Sicht waren die Fans eher gespalten. Die Gilde 2 legt mehr Fokus auf die Spielfiguren. Der eigene Charakter ist jetzt in der Spielwelt unterwegs, lässt sich direkt steuern und interagiert mit der Welt. Das verlängert das Spielgefühl einerseits, denn "mal schnell ins Rathaus" ist nicht mehr mit einem Klick getan. Die Figur muss erst hinlatschen. Die Interaktion mit NPCs hat dem Ding dann auch einen Hauch von den Sims gegeben. Das stieß nicht unbedingt auf Gegenliebe.
Die Entwickler haben zwar noch Patches und auch noch eine Erweiterung abgeliefert, so richtig rund lief das Ding trotzdem nicht. Die Fans aber blieben treu - sogar so treu, dass sie sich selbst an den Rechner gesetzt und das Spiel mit Fan-Patches und sogar Fan-Erweiterungen gerettet haben.
Die wurden dann sogar mit einer von Publisher-Seite entwickelten Erweiterung zusammengefügt. Das Standalone-Addon Die Gilde 2: Renaissance war geboren, und auch das wird bis heute von den Fans gepflegt. Wer Teil 2 also mal ausprobieren will, kann ihn auf Steam kaufen - in Valves Shop werden die Spiele zwar unter ihrem englischen Titel "The Guild" gelistet, bieten aber trotzdem deutsche Texte. Auch der erste Teil ist dort verfügbar und lief auf unserem Windows 11-Rechner fast problemlos.
Quelle: The Nordic
Eine Burg in die Gilde 3
Ihr solltet das Spiel nur als Administrator ausführen, sonst kann es keine Spielstände anlegen. Das hat unsere Familie Gamsius auch einmal schmerzlich feststellen dürfen. Außerdem gibt es ein kostenloses und von Fans entwickeltes Browserspiel namens Anno Domini 1401, das man sich gerne mal anschauen kann. Mit hübsch gestalteten, statischen Renderbildern orientiert es sich eher am ersten Die Gilde.
Die Gilde ist hartnäckig
2014 wollte es dann THQ Nordic nochmal wissen und hat Die Gilde 3 angekündigt. Das entwickelte sich aber leider zur noch größeren Katastrophe. 2017 ging das Spiel in den Early Access, wo es ein Jahr lang reifen sollte, aber das Entwicklerstudio war heillos überfordert und konnte die Termine nicht einhalten.
THQ zog die Reißleine und gab das Projekt an ein anderes Entwicklerstudio, das das Spiel dann erst 2022 offiziell fertiggestellt hat. "Fertig" ist hier aber auch schon sehr hoch gegriffen. Seichte Mechaniken, wenige Berufe und auch immer noch das Gefühl eines latent unvollendeten Spiels trüben den Spaß. Die Gilde 3 bekommt leider keine Empfehlung von uns.
Doch ist auch da nicht Schluss mit der Gilde: Die Serie bleibt hartnäckig, und zum Zeitpunkt dieses Videos greift THQ noch einmal an und hat ein Reboot angekündigt. Die Gilde - Europa 1410 wird jetzt auch bei einem augenscheinlich sehr viel erfahreneren Team entwickelt.
Die Ashborne Studios haben mit Last Train Home bereits ein sehr gutes Strategiespiel abgeliefert und sie kennen sich auch sehr gut mit dem alten Europa aus. Als Supportstudio haben sie nämlich auch die Warhorse Studios bei Kingdom Come: Deliverance 2 unterstützt.
Mit einer Rückbesinnung auf die Tug
enden vom ersten Die Gilde und darauf aufbauenden, neuen Ideen will man der Serie endlich wieder zu altem Ruhm verhelfen.
Zu wünschen wäre es ihr, denn dass eine Serie mit einer augenscheinlich nischigen Ausrichtung auch nach 25 Jahren und zwei missglückten Ablegern immer noch zappelt, das ist nicht selbstverständlich. Es zeigt viel eher, wie groß der Reiz an der eigenen Geschichte und am Aufstieg in der Renaissance doch ist, und wie Fans sich mehr davon wünschen. Ob nun mit den Fuggern oder ohne.
