Wenn es um deutsche Wirtschaftssimulationen geht, muss man die Gilde erwähnen. Wir schauen auf die Anfänge der Serie und was die Wi-Sim ausgezeichnet hat.
Jetzt fragt ihr euch vermutlich: Seite 3 des Artikels und es geht die ganze Zeit nur um die Fugger-Serie! In der Überschrift steht doch "Die Gilde"! Wann kommt das denn endlich?
Tja, da haben wir euch reingelegt, denn eigentlich reden wir hier gerade schon über "Die Gilde"!
Quelle: PC Games
Der Ratssaal in die Gilde
In diesem Artikel
Während die 4HEAD Studios fleißig an Die Fugger 3 arbeiten, verbreitet sich währenddessen Die Fugger 2 immer weiter auf den PCs in Deutschland. Um die 250.000 verkauften Einheiten erreicht man, was ein sehr ordentlicher Erfolg ist. Damit steigt die Bekanntheit natürlich an. Irgendwann wird dann ein Nachfahre der echten Familie Fugger auf das Spiel aufmerksam und ist darüber mal so überhaupt nicht erfreut.
Ein Videospiel, das einfach so, ohne zu fragen, den ehrenwerten Namen Fugger benutzt und dann auch noch suggeriert, dass die Fuggerfamilie in Intrigen und dunkle Machenschaften verstrickt war? Das geht so nicht! Familie Fugger verklagt also den Publisher. Der Rechtsstreit zieht sich über mehrere Jahre und 1999 zieht man einen Vergleich und legt den Streit außergerichtlich bei.
Der Name darf nicht einfach so benutzt werden. Die Fugger 2 darf nur noch ein Jahr lang verkauft werden und wird anschließend vom Markt genommen. Und Die Fugger 3? Das wird umbenannt, um einen neuen Rechtsstreit von vornherein zu vermeiden. Und dabei heraus kommt:
Die Gilde
Man muss aber sagen, dass der Namensverlust eher auf Marketing-Ebene ein Problem ist. Die Vorarbeit, die die Serie unter ihrem bisherigen Namen geleistet hat, hätte sicherlich die Verkäufe noch beflügeln können, das Spiel selbst hatte aber schon bei Die Fugger 2 nur noch wenig mit der damaligen Kaufmannsfamilie zu tun. Die letzten Verbindungen zu kappen, hat da also vermutlich nicht viele Kopfschmerzen verursacht.
Quelle: PC Games
Am Anfang des Spiels wählt man seine Eltern aus.
Trotzdem braucht Die Gilde dann doch eine vergleichsweise lange Zeit im Ofen. Während man das Projekt 1997 mit der Studiogründung startet, dauert es noch bis zum Herbst 2002, bis das Spiel dann endlich fertig ist.
Der größte Unterschied zu Die Fugger 2 ist neben der vollen 3D-Grafik sicherlich der kleinere Fokus. Wie schon erwähnt, bezieht sich der Handlungsort von Die Gilde größtenteils auf eine Stadt. Außerdem muss man nicht mehr einfach nur Händler sein, sondern hat die Wahl aus diversen Handwerksbetrieben, aber auch zwielichtigen Geschäften, wie Dieb oder Räuber.
In unserem Fall sind wir als bodenständiger Tischler in Nürnberg gestartet. Die Reichsstadt des damaligen Heiligen Römischen Reichs kam übrigens erst mit dem Add-on dazu.
Unser Handwerker Pieter Carlo Gamsius stammt ebenfalls aus einer Handwerksfamilie. Zum Spielstart dürfen wir nämlich selbst unsere Eltern anpassen. Das hat dann Auswirkungen auf unsere Attribute. Die verteilen sich auf Verhandlungsgeschick, Handwerksgeschick, Kampferfahrung, Rhetorik sowie Nacht-und-Nebel-Fertigkeiten.
Je nachdem, welche Eltern man sich aussucht, bekommt man anteilig deren Attribute. Außerdem kann man noch ein paar davon selbst verteilen. Anschließend wählt man seinen Beruf aus, und los geht's.
Bescheidene Anfänge
Das Spiel tut zwar so, als käme man gerade ganz frisch in die Stadt, zum Start steht man aber nicht mit leeren Händen da. Ein Handwerksbetrieb und ein Haus stehen uns von Anfang zur Verfügung. Außerdem hat man auch noch ein wenig Geld in der Tasche.
Das nutzt unser Tischler dazu, einen Lehrling in seiner Tischlerei anzustellen. Pieter Carlo Gamsius macht sich nicht selbst die Hände schmutzig - eine eigene, sichtbare Spielfigur gibt es in Die Gilde nämlich nicht. Wir schauen eher als formloser Overlord von oben auf das Geschehen runter.
Quelle: PC Games
Im Betrieb weist man seinen Angestellten Aufgaben zu und überprüft das Rohstofflager
Dementsprechend können wir also auch gar nicht selbst in unserem Betrieb arbeiten. Wir weisen unseren fleißigen Mitarbeitern nur Aufgaben zu und versuchen sie mit vernünftiger Bezahlung, einer nicht zu straffen Führung und einer Beförderung hier und da bei Laune zu halten.
Wirft unser Betrieb Produkte ab, werden die in den Karren geladen und zum Marktplatz gefahren. Dort verkaufen wir sie und besorgen uns gleichzeitig neue Rohstoffe. Alternativ kann man sich auch im näheren Umland der Stadt umschauen, dort die Rohstoffbetriebe ausfindig machen und gleich vor Ort einkaufen. Wer Geld und Beziehungen hat, darf sich Minen, Waldstücke und mehr sogar pachten und bekommt die Ware direkt vom Erzeuger.
