Wenn es um deutsche Wirtschaftssimulationen geht, muss man die Gilde erwähnen. Wir schauen auf die Anfänge der Serie und was die Wi-Sim ausgezeichnet hat.
Die Fugger 2 kommt 1996 raus und baut nur teilweise auf dem Vorgänger auf. Zwar stehen am Anfang wieder der Handel und der Aufbau einer Produktion im Vordergrund, hat man aber erst mal genug Geld gescheffelt, geht's vorrangig in die Politik. Mittels Intrigen, Bestechung und Tricks arbeitet man sich immer weiter in den Rängen hoch und wird irgendwann zum Graf oder Erzbischof.
Quelle: PC Games
Das Arbeitszimmer von die Fugger 2 - von hier aus erreicht man alle Menüs.
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Man kann den zweiten Teil zwar jetzt besser im Singleplayer zocken, doch auch hier steht der Multiplayer im Fokus und man kann mit bis zu sechs Spielern an einem Computer spielen. Das Spiel wird auch hier rundenweise ausgetragen.
Grafisch setzt man voll auf die Tugenden der Wirtschaftssimulationen der 90er Jahre. Die setzen damals darauf, die schnöden Tabellen und Zahlen hinter der Grafik zu verstecken. Der Hauptbildschirm ist ein Blick ins Arbeitszimmer, das vollgestellt ist mit einem Schreibtisch, einem Kreuz, einem Globus und mehr. Hinter diesen Gegenständen verstecken sich dann die Mechaniken und Menüs des Spiels. Wer in die Kirche will, drückt aufs Kreuz, wer zur Weltkarte will, um Handel zu treiben, klickt auf den Globus, und so weiter.
Die Fugger 2 wird ebenfalls ein Erfolg und schafft es, eine kleine Fangemeinde um sich zu versammeln. Spätestens damit wird zumindest für einen der zwei Kern-Schöpfer die Karriere als Spieleentwickler dann doch unwiderstehlich.
Quelle: PC Games
Im Winter liegen dicke Schneedecken auf den Dächern
Das Triple vollmachen
Lars Martensen gründet gemeinsam mit einem anderen Kollegen in Hannover die 4HEAD Studios. Diesmal mit einem größeren Team, startet man die Entwicklung von Die Fugger 3. Das soll die Stärken des Vorgängers erben, dieses Mal allerdings nicht auf vorgerenderten Standbildern stattfinden, sondern dynamischer werden.
Dafür wagt man den Sprung in die 3D-Optik. Anstatt einen ganzen Landstrich bereisen zu können, fokussiert man sich auf eine deutsche Stadt, die man sich am Anfang aussucht. Die wird dann wie in nem Aufbauspiel in 3D dargestellt. Man kann die Kamera frei zoomen und drehen, wie man will.
Die Bürger und auch die eigenen Gegenspieler laufen in der Stadt herum. Man kann sie sogar anklicken und bekommt dann die aktuellen Gedanken angezeigt, die dem NPC durch den Kopf gehen. Auch viele Häuser lassen sich betreten und die mehr oder weniger detaillierten Innenräume können bestaunt werden.
Umschauen ist dort allerdings nur mit festgelegten Kameraschwenks möglich. In Betrieben kann man den Arbeitern dafür aber beim Schuften zuschauen. Geht man in einen fremden Laden, kommt der Besitzer sogar vor und begrüßt einen - das war damals schon ziemlich cool und immersiv für eine Wirtschaftssimulation.
Quelle: PC Games
In fremden Betrieben begrüßen uns die Besitzer sogar
Man muss aber auch sagen, dass das 2002 schon nicht mehr ganz taufrisch ausgesehen hat. Vor allem die NPCs waren damals sehr klobig. Trotzdem hat man sich doch immer dabei erwischt, wie man den Kameraden bei der Arbeit zuschaut.
Die Entwickler haben außerdem versucht, den Designansatz der 90er weiterzutragen. Die verschiedenen Menüs sind also wieder versteckt hinter den dargestellten Gegenständen im Spiel. Wer seine Arbeiter verwalten will, muss in den eigenen Betrieb und aufs Personalbuch klicken. Wer sich auf ein Amt der Stadt bewerben will, geht dafür in die Schreibstube des Rathauses und schaut sich die offenen Stellen am schwarzen Brett an.
Das funktioniert im fertigen Spiel dann aber doch nur leidlich gut und man merkt, warum sich dieser Ansatz nicht so richtig durchgesetzt hat. Die Idee macht vor allem Atmosphäre-Liebhabern und Rollenspielern Spaß, die es lieben, in ihren Gebäuden herumzuschwenken und sich das alles anzuschauen.
Beim hundertsen Mal in den Betrieb wechseln und aufs Personalbuch klicken, einfach nur, weil man die Gehälter leicht anpassen will, wird es aber irgendwann nervig. Wer frisch ins Spiel startet, muss außerdem erst mal herausfinden, wo man jetzt eigentlich was macht. Das scheint das Entwicklerteam von Fugger 3 aber noch nicht so richtig zu sehen und das Tutorial hilft da auch nur wenig.
