Feuer und Blut: Wie viel Diablo steckt noch in Diablo 4?
Special
Wir schauen auf die Haupt-Ableger der Diablo-Reihe und versuchen zu ergründen, welche Spielelemente das Action-RPG über die Jahre so besonders machten.
Schöne, neue Welt
Mittlerweile ist von diesen Kritikpunkten eigentlich nur noch der Look übriggeblieben. Das Auktionshaus wurde abgeschafft und an Charaktersystem und Online-Zwang wurde sich mit der Zeit gewöhnt. Dass Diablo 3 nicht genug nach Diablo aussieht, ist aber noch immer eine gängige Meinung. Und tatsächlich sieht Diablo 3 deutlich anders aus als seine Vorgänger und auch der Nachfolger Diablo 4. Aber wo liegt der Unterschied genau? Das Leitprinzip bei der optischen Gestaltung war es, Diablo 3 wie ein Gemälde aussehen zu lassen, starke Sichtbarkeit einzelner Elemente zu garantieren und wenn nötig Realismus zu opfern, um einprägsame Designs zu erschaffen.
Die Hintergründe sehen dabei bewusst verwaschen und wenig kontrastreich aus. Ziel der Künstler war es, bei der Farbgestaltung kein klares Schwarz oder Weiß zu verwenden. Nebeleffekte sorgen zusätzlich dafür, dass die Übergänge zwischen einzelnen Umgebungstexturen weicher erscheinen. Die Helden und Monster sind detailreicher gestaltet und heben sich durch höheren Kontrast, Schatten und eine klar erkennbare Silhouette deutlich vom Hintergrund ab.
Dasselbe gilt für Effekte durch Zauber und Attacken, die hinsichtlich Sättigung und Helligkeit die dominantesten Elemente auf dem Bildschirm darstellen.
Quelle: PC Games
Im Vergleich zu den Vorgängern, in denen der Bildschirm durch die härteren Kanten allgemein "aufgeräumter" aussah und sich Figuren eher durch dunkle Outlines und einzelne Farbkleckse von der realistischen Umgebung abhoben, wirken die Gebiete in Diablo 3 deutlich farbenfroher. Auch Natur und Architektur sind exzentrischer und märchenhafter als zuvor.
Dasselbe gilt für das Design der Ausrüstung. Einige Waffen und Rüstungen in Teil 1 und 2 sahen schon ziemlich martialisch aus, waren sie doch größtenteils von realen Objekten inspiriert. In Diablo 3 hingegen wirken viele Waffen, als hätte man sie einem Ork aus Warhammer oder Warcraft entrissen. Von den Rüstungen mit ihren zahlreichen abstehenden Elementen, Stacheln und Capes ganz zu schweigen.
Outfits lassen sich mithilfe der Transmogrifikations-Funktion nach Lust und Laune verändern, legendäre Ausrüstung schaltet meistens besonders abgefahrene Looks frei. Zusätzlich können wir unsere Spielfigur mit Flügeln oder Begleitern ausstatten und damit komplett aussehen wie einem MMO entsprungen.
Diablo 4 - das ultimative Diablo?
Optisch stellt Diablo 3 also einen Ausreißer aus der üblichen Diablo-Tristesse dar. Für Teil 4, dessen Release jetzt eine Dekade später erfolgte, ging Blizzard in die entgegengesetzte Richtung und setzt voll auf Düsternis, karge Landschaften und okkultistisches Dekor. Feuer und Blut eben.
Inspiriert von schauriger Kunst der Renaissance und Romantik, versprüht der Titel ordentlich Hoffnungslosigkeit, sowohl in seinen Bildern als auch der stärker in den Vordergrund gerückten Story rund um Lillith, die Matriarchin der Dämonen.
Zwar ging es auch in der Geschichte von Diablo 3 wieder um die Korruption der Sterblichen, bei der Spielfigur selbst handelte es sich aber auch um einen mächtigen Nephalem, der dem Bösen locker die Stirn bieten konnte und zum Schluss zur großen Hoffnung oder zum ultimativen Gegner der Menschheit aufsteigt.
Hier rudert Diablo 4 zumindest in Sachen Bombast ein bisschen zurück und erzählt bodenständigere Geschichten in seinen Quests.
Quelle: PC Games
Gameplaytechnisch hat man sich jedoch einiges von Diablo 3 abgeschaut. So können unsere Helden nun zum Beispiel eine Ausweichbewegung durchführen, die es vorher nur in der Konsolenversion von Diablo 3 gab. Und auch der Fähigkeitenbaum ist nicht mehr der gleiche wie in Diablo 2, sondern eine Art Hybridmodell aus den beiden Vorgängern.
Dass wir gewisse Eigenschaften des Loots mithilfe der Handwerker auf andere Gegenstände übertragen können und viele weitere kleine Details finden sich erneut in Diablo 4, darunter auch optische Anpassungen wie besagte Flügel, die nun in Form von Emotes daherkommen.
Eine Besinnung zurück auf die Wurzeln der Reihe ist der neue Teil also nicht, sondern vielmehr die logische Weiterentwicklung von Ideen, die teilweise schon in den 90ern im allerersten Pitch auftauchten.
War damals noch von Disketten mit Ausrüstung für ein paar Dollar die Rede, soll es in Diablo 4 erst mal nur Skins für echtes Geld geben. Der Wandel zum Live-Service-Game, das noch Jahre nach Release Geld in die Kassen spülen soll, ist aber vollständig vollzogen.
Anfangs zentrale Elemente, wie das langsame Vortasten durch die Dungeons oder das mühsame Finden von Zauberbüchern wurden durch zeitgemäßes, immer schnelleres Gameplay ersetzt.
Prozedural generierte Levels waren lange ein traditionelles Merkmal der Reihe, in Diablo 4 gibt es stattdessen eine feste, offene Spielwelt, in der zufällige Events stattfinden. Zumindest die Dungeons sind aber nach wie vor teilweise oder ganz generiert.
Die haarklein designten Waffen und Rüstungen sind hingegen geblieben und jetzt zusätzlich Dreh- und Angelpunkt der Live-Service-Finanzierung. Auch die Hoffnungslosigkeit der Spielwelt und ihre zunehmende Korruption durch das Böse findet sich in allen Teilen der Reihe. Um also die Frage im Titel "Wie viel Diablo steckt denn noch in Diablo 4?" zu beantworten: eine ganze Menge, aber auch eine ganze Menge nicht mehr.
