Diablo 2: Resurrected im Test: Neuauflage mit Altersschwächen
Test
Bildschönund mutlos präsentiert sichdielang ersehnteNeuauflagevonDiablo2.MitResurrectedbekommt ihr das gleiche Spiel wie vor 21 Jahren, ergänzt um schicke Grafik, Gamepad-Support und wertvolle Komfortfeatures.Im Testmacht dieMonsterhatz damit wieder richtig Spaß,dochihr hohes Alterkann sienicht verleugnen.
Je länger man spielt, desto mehr Marotten fallen auf, die einfach nicht gut gealtert sind. Zum Beispiel die Ausdauerleiste, die auf niedrigen Levelstufen nichts weiter tut, als eure Figur regelmäßig auszubremsen. Oder die Schriftrollen, die man regelmäßig zum Teleportieren nachkaufen muss. Und was genau war nochmal so toll daran, dass man nach jedem Tod erst mal seine Leiche aufsammeln muss? In unserer Umfrage wird außerdem deutlich, dass sich viele Spieler über die Runen und Edelsteine ärgern, die sich - trotz größerer Beutekiste - immer noch nicht stapeln lassen.
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Apropos Runen: Die sind immer noch ein richtig cooles Feature, werden im Spiel selbst jedoch so gut wie gar nicht erklärt. Ohne auf einer Fanseite nachzulesen, lassen sich Runenwörter im Grunde nicht vernünftig nutzen. Hier hätten wir uns eine Art Glossar im Spiel gewünscht, das die Runen besser erklärt. Das Gleiche gilt auch für das Umverteilen von Talent- und Attributspunkten: Das ist zwar grundsätzlich möglich, aber im Vergleich zur modernen Konkurrenz auch ganz schön umständlich - da hätte zumindest ein kleines Tutorial-Fenster für Neulinge nicht geschadet.
Quelle: PC Games
Trotz einiger veralteter Mechaniken macht die Beutejagd immer noch viel Spaß.
In solchen Punkten knickt Blizzard einfach zu sehr vor seiner eigenen Fangemeinde ein. Natürlich wurde Diablo 2 viele Jahre lang von seiner Community gespielt und am Leben gehalten - das Spiel ist schließlich ein Meisterwerk! Doch das heißt nicht, dass Diablo 2 perfekt ist. Es gibt Schwachstellen, die man hätte ausbügeln oder zumindest abmildern können - und es wäre immer noch ein fantastisches Spiel gewesen.
Koop mit Hürden
Quelle: PC Games
Am PC gibt's keine Spielersuche, stattdessen organisiert ihr euch wie früher in Lobbys.
Auch auf dem einst wegweisenden Multiplayer liegt heute eine dicke Staubschicht. Am PC gibt's beispielsweise keine flotte Spielersuche, sondern wieder Lobbys wie im Original. Das heißt: Die Spieler erstellen sich Partien für bis zu acht Teilnehmer, den Inhalt erkennt man nur am Namen: Bosse besiegen, handeln, PvP - die Spieler organisieren sich im Grunde selbst. Das geht dank globaler Server zwar angenehmer als früher, doch zeitgemäß wirkt das Lobby-Menü leider nicht. Wer beispielsweise mit Freunden aus seiner Battlenet-Kontaktliste spielen will, muss diese erst umständlich aus einem gut versteckten Untermenü rausfischen - von Blizzard sind wir mehr gewohnt.
Auf den Konsolen sieht es anders aus: Hier gibt es keine Lobbys, dafür aber eine Spielersuche. Die lässt sich nach Akten, Quests, Schwierigkeitsgraden und Endgame-Inhalten filtern, allerdings ist es uns im Test nie gelungen, andere Mitspieler darüber zu finden. Stattdessen hat das Spiel einfach eine neue Partie für uns erstellt, in der Hoffnung, dass sich die anderen Mitspieler nach einer Weile schon finden werden.
Fragwürdig ist auch Blizzards Entscheidung, die Loot-Regeln nicht anzurühren. Im Mehrspielermodus gibt's nämlich keine individuelle Beute für jeden Spieler, stattdessen ist das gedroppte Zeug für alle sichtbar - was bedeutet, dass man sich die schönen Schätze gegenseitig vor der Nase wegschnappen kann. Ja, manche der eingeschworenen Fans lieben das! Ob sie aber wirklich noch den Großteil der Spielerschaft abbilden, die man mit Resurrected ansprechen will, sei mal dahingestellt. Gerade wenn man mit Fremden in der Gruppe loszieht, kann es da zu unschönen Frustmomenten kommen. Blizzard könnte den Spielern deshalb einfach die Wahl lassen, ob sie mit den alten Loot-Regeln oder lieber mit personalisierter Beute spielen möchten - dann hätte sich das Problem schnell von selbst gelöst.
Spaß auf lange Sicht?
Quelle: PC Games
Alle Zwischensequenzen wurden aufwändig neu gerendert.
Das Endgame in Diablo 2 wirkt heutzutage überschaubar, denn es gibt keine eigenen Modi oder langfristigen Ziele. Nach dem ersten Durchspielen locken einfach zwei höhere Schwierigkeitsgrade, auf denen immer bessere Items und Runen droppen. Das macht selbst heute noch Spaß! Und natürlich sorgen die sieben Klassen für einen hohen Wiederspielwert. Doch außer die Maximalstufe 99 zu erreichen, in der Gruppe auf Bossjagd zu gehen oder vielleicht mal ein kleines PvP-Duell zu wagen, ist da im Grunde nichts weiter zu tun. Es gibt kein Paragon-System oder Rifts wie in Diablo 3, keine Endlos-Dungeons wie in Grim Dawn, keine Endgame-Flut wie in Path of Exile. Ein paar besonders schwere Ereignisse (Pandemonium Event, Uber Diablo) für hochstufige Spieler gibt es zwar, doch die werden im Spiel nicht mal ansatzweise erklärt. Kennern des Originals dürfte das egal sein, doch an den meisten Neulingen gehen diese Inhalte glatt vorbei. Immerhin: Seasons und Ranglisten, auf denen sich fleißige Spieler verewigen können, sind geplant, aber noch nicht enthalten. Zwar gibt es schon den passenden Menüpunkt, doch auch eine Woche nach dem Launch fehlt das Feature noch.
Quelle: PC Games
Im Koop mit acht Spielern geht die Post ab. Leider darf man sich immer noch gegenseitig Beute wegschnappen.
Chancen für die Zukunft
Am PC wurde das Spielen via TCP/IP aus Sicherheitsgründen entfernt, doch der Offline-Modus ist dafür auf allen Plattformen an Bord. Wer also einen Helden nur im Singleplayer spielen will, kann das problemlos tun. Sogar die alten Spielstände aus dem originalen Diablo 2 dürft ihr am PC wiederverwenden! Das macht auch den Einsatz von Mods möglich, die ersten sind bereits erschienen - allerdings nur für die PC-Version.
Das Spiel unterstützt auch Cross Progression, das bedeutet: Wenn ihr Diablo 2: Resurrected auf mehreren Plattformen gekauft habt, könnt ihr euren Online-Spielstand problemlos zwischen den Konsolen und dem PC hin und her wechseln. Richtiges Crossplay gibt es allerdings nicht, ein Playstation-Spieler kann beispielsweise nicht mit PC-Käufern gemeinsam spielen. Zumindest besteht aber die Chance, dass Blizzard hier noch etwas nachsteuert: Schon nach der Open Beta haben die Entwickler eine Umfrage gestartet, in der es um neue Features und Komfortverbesserungen ging - darunter auch viele Kritikpunkte, die wir in diesem Test nennen.
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Die einfachste Lösung wäre daher, das Spiel in zwei Modi einzuteilen: Eine Legacy-Option für alte Hasen, die das Spiel einfach so belässt wie es ist. Und eine Extended-Version, in der neue Inhalte, frische Items, besseres Balancing und weitere Komfortverbesserungen umgesetzt werden. Wenn Blizzard hier geschickt vorgeht und ein wenig Mut beweist, könnte Diablo 2: Resurrected schon bald mehr sein als "nur" ein schicker Nostalgietrip.
Diablo 2: Resurrected ist für PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series/X und Switch erhältlich. Der Preis liegt auf allen Plattformen bei 40 Euro. Das Spiel ist multilingual und nur als Download erhältlich, eine Disc-Version im Einzelhandel gibt es also nicht.
