Diablo 2: Resurrected vor dem Test: Wichtige Features, die im Remaster (noch) fehlen

Special Felix Schütz
Diablo 2: Resurrected vor dem Test: Wichtige Features, die im Remaster (noch) fehlen
Quelle: Blizzard

Das Remaster ist nahezu fertig, es wird Zeit für einen letzten Check vor dem Test! Diablo 2: Resurrected poliert Blizzards kultigen Beuteklopper vor allem grafisch mächtig auf. Aber auch am Gameplay wurde behutsam Hand angelegt, beispielsweise gibt's eine größere Beutekiste und andere Komfortverbesserungen. Doch gehen die Fortschritte weit genug? In diesem Special mit Video stellen wir euch 8 Details vor, die Blizzard mit künftigen Patches gerne noch aufmöbeln darf.

Am Legendenstatus von Diablo 2 gibt's wenig zu rütteln. Das Spiel hat das Genre wie kein anderes geprägt und zig Standards etabliert, die auch heute noch gültig sind. Dafür wird es von vielen Spielern regelrecht verehrt - obwohl es mittlerweile schon 21 Jahre auf dem Buckel hat und viele Mechaniken veraltet sind. Als Remaster muss Diablo 2: Resurrected darum einen schwierigen Spagat hinlegen: Einerseits die alteingesessenen Fans abholen und andererseits auch völlig neue Käufer begeistern, die deutlich modernere Beuteklopper gewohnt sind. Grafisch ist Diablo 2: Resurrected zwar zeitgemäß und schick, doch beim Gameplay wagt Blizzard kaum Experimente: Die Entwickler haben hier und da zwar kleine Komfortverbesserungen hinzugefügt, doch unterm Strich bekommt man hier wirklich das alte Spiel mit brandneuer 3D-Grafik darüber. Das mag für eingefleischte Fans perfekt klingen, doch für andere könnte es auch einfach zu wenig sein. Die Frage ist doch: Wo ließe sich Diablo 2 verbessern, ohne seinen Kern zu verwässern? Hier stellen wir euch einige Punkte vor, die wir bislang im Remaster vermissen.

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Lootfilter

Auch wenn die Beutehatz in Diablo 2 immer noch viel Spaß macht, hat sie doch ein Problem: Es wird ganz schön viel nutzloses Zeug gedroppt. Minderwertige Wurfmesser, überflüssige Giftflaschen, Brandbomben und so weiter - also Zeug, was man in aller Regel einfach nicht braucht. Andere Spiele lösen das Problem heutzutage beispielsweise mit Loot-Filtern, mit denen man einstellen kann, welche Beute wirklich angezeigt wird. Sowas sucht man im Remaster von Diablo 2 bislang vergebens. Dabei gibt's eigentlich überhaupt keinen Grund, der dagegensprechen würde. Wir sagen: Einfach einbauen und optional machen! Am Ende wird sich niemand daran stören.
In Diablo 2: Resurrected findet man massig überflüssige Beute. Quelle: Buffed In Diablo 2: Resurrected findet man massig überflüssige Beute.

Instanzierte Beute

Mittlerweile ist man es gewohnt, dass jeder Spieler in einer Online-Partie seine eigene Beute bekommt. In Diablo 2 dagegen war es möglich, anderen Spielern die Items vor der Nase wegzuschnappen. Sowas ist heutzutage eigentlich verpönt, gerade wenn man mit fremden Spielern Gruppen bildet, die man danach nie wiedersieht. Ihr dachtet, das wird im Remaster besser gelöst? Falsch gedacht! Diablo 2: Resurrected wird die alte Regelung beibehalten, eure Beute ist also nicht vor Langfingern sicher. Das mag den glühenden Fans eines 20 Jahre alten Spiels vielleicht egal sein, doch ob sich Neulinge damit so wohl fühlen, wagen wir zu bezweifeln. Wir würden es begrüßen, wenn man vor dem Start eines Online-Spiels einfach ein entsprechendes Häkchen setzen kann, damit niemand um seine seltenen Drops bangen muss. Und für alle, die es lieber klassisch wollen, bleibt das ganze Feature einfach optional.

Glossar für Runenwörter

Eine ausgesprochen wichtige Mechanik in Diablo 2 ist die Möglichkeit, Runen in gesockelte Items einzusetzen. Damit kann man aus Plunder verdammt mächtige Ausrüstung zaubern. Eigentlich ein schönes System, das im Spiel aber sauschlecht erklärt wird. Es fängt schon damit an, dass man Runen in der richtigen Reihenfolge einsetzen muss, um das gewünschte Runenwort zu bilden, sonst geht der Effekt flöten. Dann lassen sich Runen nicht ohne Weiteres entfernen, sondern man muss dafür das gesockelte Item mit einer Hel-Rune und einer Stadtportal-Schriftrolle in den Horadrimwürfel packen; dabei wird die Rune zwar zerstört, aber zumindest hat man dann den Gegenstand zurück. Vor allem aber weiß man schlichtweg nicht, welche Runenwörter es überhaupt gibt, die Infos muss man sich zwangsläufig aus dem Internet besorgen. Das ist eigentlich völlig unnötig, da man sich die Infos - realistisch betrachtet - ohnehin erspielen kann. Also könnte man sie doch gleich in eine Ingame-Hilfe oder eine Art Glossar im Hauptmenü packen. So hätte man die Runenwörter immer zur Hand und müsste nicht extra auf irgendeine Fanseite surfen. (Auch wenn manche Seiten natürlich sehr, sehr gut sind.)
Mächtig, aber schlecht erklärt: das Runensystem in Diablo 2. Quelle: Blizzard Mächtig, aber schlecht erklärt: das Runensystem in Diablo 2.

Endgame besser erklärt

Im Gegensatz zu Diablo 3 ist das Endgame von Diablo 2 nicht auf einen bestimmten Modus ausgelegt. Im Grunde durchlauft ihr das gleiche Spiel einfach drei Mal, natürlich auf jeweils höheren Schwierigkeitsgraden. Auf der Jagd nach Beute und XP schließen sich viele Spieler zu sowas wie Baal Runs, Cow Runs oder Chaos Runs zusammen. Dabei handelt sich aber nicht um eigens gestrickte Inhalte, sondern im Grunde nur um Absprachen. Das Team einigt sich einfach auf ein gemeinsames Ziel und bleibt dafür zusammen. Tatsächlich gibt es aber auch spezielle Inhalte für hochstufige Spieler, zum Beispiel die Möglichkeit, einen Uber Diablo spawnen zu lassen, wenn man genügend Ringe des Jordans verkauft hat. Oder der umfangreichere Pandemonium Event, bei dem man mehrere Items farmen muss, bis man schließlich ein Portal öffnen kann, das zu den stärksten Bossen im Spiel führt. All das weiß man vielleicht, wenn man Diablo 2 intensiver gespielt hat; den meisten Gelegenheitsspielern oder Neulingen dürften diese Inhalte aber völlig unbekannt sein. Hier könnte das Spiel ruhig ein bisschen Unterstützung und vor allem Erklärungen liefern. Denn selbstverständlich ist sowas heutzutage nicht mehr.

Inventar: Mehr Komfort, weniger Tetris

Schon im originalen Diablo 2 war das Inventar ziemlich knapp bemessen, man musste zum Verkaufen ständig in die Stadt zurückreisen - und das wurde mit Lord of Destruction nur noch schlimmer. Schuld sind natürlich die Zauber (Charms), also die Gegenstände, die euch passive Boni verleihen, solange ihr sie mit euch rumschleppt. Dadurch muss man im Grunde ständig Spielkomfort gegen Kampfstärke abwägen: bessere Charakterwerte vs größerer Rucksack. Aus diesem Grund kann Blizzard das Inventar auch nicht einfach mal so vergrößern, denn das würde die Balance kurzerhand umkrempeln. (Was übrigens nicht schlimm wäre, aber dann verscherzt man es sich natürlich mit den Hardcore-Fans des Originals.) Man könnte aber zumindest überlegen, ob man zum Beispiel Juwelen und Runen endlich mal stapelbar macht. Das würde mehr Ordnung schaffen, ohne viel am eigentlichen Platz zu ändern. Und spätestens an dieser Stelle muss auch die Frage nach einer Sortierfunktion erlaubt sein. Die wurde nämlich für Gamepad-Spieler tatsächlich eingebaut, sodass ihr Inventar und Kiste damit schnell aufräumen könnt. Nur leider gibt's das Feature nicht, wenn ihr mit Maus und Tastatur spielt. Warum? Keine Ahnung. Diese Einschränkung für PC-Spieler ergibt einfach keinen Sinn.
Nur mit einem Gamepad gibt's eine Sortierfunktion für Inventar und Kiste. Quelle: Buffed Nur mit einem Gamepad gibt's eine Sortierfunktion für Inventar und Kiste.

Fähigkeitenleiste für alle

Und das bringt uns natürlich direkt zum nächsten Punkt: Für die Konsolenfassungen hat sich Blizzard eine unerwartet gute Gamepad-Steuerung einfallen lassen. Die sorgt nicht nur für ein griffigeres Spielgefühl, sondern umfasst auch eine brandneue Fähigkeitenleiste im Stil von Diablo 3. Die hat den großen Vorteil, dass man Talente so direkt und ohne Umwege auslösen kann. Wenn man am PC ein Gamepad anschließt, kann man die neue Steuerung samt Talentleiste ebenfalls nutzen, das ist natürlich prima. Wer aber klassisch mit Maus und Tastatur spielen will, muss auf die Leiste verzichten - und eben das ist aus unserer Sicht komplett unnötig. Wer Diablo 2 schon rauf und runter gespielt hat, hat sich vielleicht mit dem umständlichen Fähigkeitenwechsel per Mausrad und F-Tasten abgefunden. Doch gerade für Neueinsteiger ist das System ungewohnt, unhandlich und einfach unzeitgemäß. Darum unsere Bitte an Blizzard: Macht die Fähigkeitenleiste auch für Maus- und Tastatur-Fans zugänglich! Es waren schließlich PC-Spieler, die Diablo 2 groß gemacht und ihm all die Jahre die Treue gehalten haben. Warum solle man nun ausgerechnet diese Fans von so einer wichtigen Neuerung ausschließen?
Wer am PC ein Gamepad anschließt, kann die verbesserte Steuerung der Konsolenfassungen genießen. Quelle: PC Games Wer am PC ein Gamepad anschließt, kann die verbesserte Steuerung der Konsolenfassungen genießen.

Hilfen für die Respec-Funktion

Egal ob Grim Dawn oder Borderlands, im Genre ist es schon lange üblich, dass man seine Attribut- und Talentpunkte bequem umverteilen darf. In Diablo 2 ist das zwar auch möglich, aber auch hier bekommt man im Spiel schlichtweg nicht genug erklärt. Dass man nach dem Beenden der Höhle-des-Bösen-Quest einen Respec bekommt, dürften die meisten Spieler wohl noch wissen. Tatsächlich kann man aber auch bestimmte Zutaten farmen, um daraus ein Zeichen der Absolution herzustellen. Damit kann man ebenfalls "respeccen" und alle Punkte neu verteilen. Aber woher soll man das bitteschön wissen, ohne danach zu googeln? Ein so wichtiges Feature hätte doch zumindest mal einen kurzen Tutorial-Text oder eine Hilfe-Einblendung gebraucht. Oder die einfachste Lösung, die wir schon an anderer Stelle gefordert haben: Ein kleines Handbuch oder Glossar im Hauptmenü, das die Spieler über die versteckteren Features besser aufklärt. Schließlich will man mit Diablo 2: Resurrected nicht nur alte Hasen bedienen, sondern auch neue Spieler an Land ziehen.

Tipp: Jede Menge Trivia und Fun Facts zur Diablo-Serie gibt's hier.

Lobbys für Konsolen

Als Diablo 2 erschien, war Online-Multiplayer längst nicht so selbstverständlich wie heute und viele Standards waren noch gar nicht erfunden. Darum gab's in Diablo 2 auch noch keine klassische Spielersuche, sondern man erstellte Lobbys für eigene Spiele. An dem Namen konnte man erkennen, welche Inhalte hier gespielt werden sollten, der Rest wurde im Chat geklärt und an der Teilnehmerzahl sah man auch gleich, wie voll die Gruppe war. Das alles ist im Remaster am PC immer noch möglich. In den Konsolenfassungen dagegen wurde das Feature gestrichen. Stattdessen kommt hier ein Partyfinder zum Einsatz, der in der Open Beta aber auf einige Kritik stieß. Blizzard hat deshalb zum Release versprochen, noch ein paar zusätzliche Filterfunktionen einzubauen, damit man zum Beispiel besser Gruppen für den Pandemonium-Event oder für PvP-Duelle findet. Lobbys und Textchat gibt's hier aber nicht, man muss sich also über Voice Chat behelfen. Und natürlich kann man auch direkt mit Leuten von der Freundesliste Gruppen bilden. Ob Blizzard aber noch ein Einsehen hat und richtige Lobbys auf Konsolen nachliefert, halten wir für fraglich.

Zu modern, zu altmodisch - oder genau richtig?

Klar ist aber auch: Wer bei einem Spiel wie Diablo 2 grundlegende Neuerungen fordert, macht sich bei einigen Fans automatisch unbeliebt. Aus deren Sicht war und ist das Spiel perfekt und bedarf keinerlei Verbesserungen. Tatsächlich hat Blizzard aber schon mehrere moderne Zugeständnisse gemacht, zum Beispiel die größere Beutetruhe, die Gamepad-Steuerung, Widescreen-Support, automatisches Gold-Aufsammeln und so weiter. Und natürlich wurde die alte 2D-Grafik vollständig durch eine aufwändige 3D-Optik ersetzt, das schicke Ergebnis seht ihr in unserer großen Vergleichsgalerie. Ob das alles am Ende ausreicht, und Diablo 2 einer völlig neuen Generation schmackhaft zu machen, wird sich erst zum Release zeigen. Besonders spannend dürften hier die Konsolenfassungen werden, denn da wird es wahrscheinlich ne Menge Spieler geben, die Diablo 2 zum allerersten Mal erleben. Und dann wird sich auch zeigen, ob Blizzards Strategie für das lang ersehnte Remaster aufgehen wird.

Welche Neuerungen würdet ihr euch von Diablo 2: Resurrected wünschen, wo seht ihr noch Verbesserungsbedarf? Schreibt uns eure Meinung in den Kommentaren!

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