25 Jahre Day of the Tentacle - Tentakel an die Macht!
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Eine Zeitreise in die Adventure-Historie: Wie LucasArts Anfang der Neunziger das Genre prägte - und warum Day of the Tentacle auch heute noch ein Meisterwerk ist.
Schau an: Adventure. Benutze Spielspaß mit Rätseln und Humor." So würde vermutlich die SCUMM-Formel für Day of the Tentacle lauten. Adventure-Freunde jubilieren heute noch wegen des abgefahrenen Witzes des LucasArts-Abenteuers und erinnern sich mit Wohlwollen an das krude Heldentrio Bernard, Hoagie und Laverne. Wenn wir heute über Day of the Tentacle (jetzt kaufen 77,64 € ) sprechen ist das wie eine Zeitreise zu den Anfängen des Adventure-Genres. 1993, also vor 25 Jahren, kam Day of the Tentacle im Fahrwasser von Monkey Island 2: LeChuck's Revenge und Indiana Jones and the Fate of Atlantis auf den Markt. Bis heute gilt es als einer der besten Genre-Vertreter und sorgte gemeinsam mit anderen LucasArts-Titeln für einen Adventure-Hype. Kurzum: Day of the Tentacle ist Kult. Aber warum eigentlich?
Auf dieser Seite
- 1 Legende LucasArts
- 2 Die Köpfe hinter Day of the Tentacle
- 3 Cartoons als Inspiration
- 4 Verrückte Zeitreise
- 5 Das Spiel mit der amerikanischen Geschichte
- 6 Sprachausgabe musste her!
- 7 Die Sache mit dem Hamster
- 8 Kein Nachfolger in Sicht
- 9 LucasArts & Lucasfilm: Die wichtigsten Adventures bis Day of the Tentacle
Legende LucasArts
Aus heutiger Sicht ist LucasArts leider nur noch Nostalgie. George Lucas verkaufte 2012 Lucasfilm samt Tochtergesellschaft LucasArts an Disney. Im darauffolgenden Jahr führte Disney Umstrukturierungsmaßnahmen durch und beendete das Kapitel der LucasArts-Spieleentwicklung. Seitdem
Quelle: Lucasarts
Wie in einem Zeichentrickfilm fängt das Spiel wichtige Momente in Großaufnahme ein. Hier erhalten die Freunde den Hilferuf der Tentakel per Hamsterpost.
dient die Marke nur noch als Lizenzgeber für Star Wars-Spiele. Trotz dieses bitteren Beigeschmacks verzückt der Name LucasArts vor allem die Kinder der Achtziger und Neunziger. Wer zwischen 1985 und 2000 aufwuchs, kam höchwahrscheinlich mit einem Adventure der Day of the Tentacle-Schöpfer in Berührung. LucasArts entstand aber noch früher. Von den Erfolgen der Star Wars-Saga beflügelt, streckte ein noch junger George Lucas die Fühler in andere Medienbereiche aus. 1982 als Gründungsjahr für die damalige Videospielabteilung Lucasfilm Games zu wählen, schien angesichts des einsetzenden Gaming-Booms wenig verwunderlich. Die Arcade-Industrie erwirtschaftete in den USA mit ihren Spielautomaten allein im Jahr 1981 über fünf Milliarden US-Dollar; das 1980 durch Midway lizenzierte Pac-Man war bereits damals ein Kultspiel. Der Kinoerfolg Tron (1982) festigte zudem die Verbindung aus Film und Videospiel in der öffentlichen Wahrnehmung.
Lucasfilm Games kooperierte in der Anfangsphase mit Atari, um in diese neue Sparte hineinzufinden. Aufgrund der Unterstützung und der zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen überstand das Unternehmen sogar den legendären "Video Game Crash" im Jahr 1983, dem
Quelle: Lucasarts
Die vielleicht wichtigste Szene in Day of the Tentacle: Nachdem Purpur-Tentakel von der Brühe der Matschmaschine trinkt, wachsen ihm Arme und er trachtet nach der Weltherrschaft.
zahlreiche Spielehersteller zum Opfer fielen. Lucasfilm Games' erste Projekte wie etwa Ballblazer (1984) oder Rescue on Fractalus (1985) wurden von Epyx beziehungsweise Activision vertrieben. Maniac Mansion, der Vorgänger von Day of the Tentacle, war schließlich das erste Spiel, das Lucasfilm Games in Eigenregie entwickelte und vertrieb. Das Adventure führte die noch heute bekannte SCUMM-Engine ein, für deren erste Version der US-Entwickler Ron Gilbert persönlich verantwortlich zeichnete. Dahinter verbirgt sich vor allem die bekannte Verben-basierte Adventure-Steuerung, die ihren Platz in der unteren Bildschirmhälfte findet, während das eigentliche Spielgeschehen im oberen Teil stattfindet. Die SCUMM-Technik bildete über viele Jahre das Fundament für die Lucasfilm-Spieleentwicklung. Titel wie Zak McKracken and the Alien Mindbenders (1988), Indiana Jones and the Last Crusade (1989), Loom (1990) und schließlich auch The Secret of Monkey Island (1990) basieren darauf. Spätere Projekte, allen voran Vollgas: Full Throttle (1995) oder The Dig (1995), vereinfachten die Mechanismen deutlich.
Lucasfilm Games revolutionierte auf diese Weise das Adventure-Genre und prägte rätsellastige Storyspiele. Mit der grafischen Präsentation ging auch die Musik einher: Mit dem in den frühen Neunzigern patentierten iMUSE-System ("Interactive Music Streaming Engine") gelang die Synchronisation von Soundtrack und Spieleraktionen. Diese Funktion kam erstmals bei Indiana Jones and the Fate of Atlantis, später auch bei Titeln wie Star Wars: X-Wing und Star Wars: TIE Fighter zum Einsatz.
Ein Jahr vor dem 1991 veröffentlichten Monkey Island 2: LeChuck's Revenge wurde Lucasfilm Games schließlich in LucasArts umbenannt. Die frühen Neunzigerjahre gelten bis heute als die Blütezeit der Adventures. Denn keine zwei Jahre nach dem wegweisenden Monkey Island-Sequel kam mit Day of the Tentacle ein mehr als ebenbürtiges Abenteuer auf den Markt, das für viele noch heute eines der besten Spiele aller Zeiten darstellt.
Die Köpfe hinter Day of the Tentacle
Spieleentwicklung funktionierte in dieser Zeit noch anders. Heutzutage legen Entwickler und Publisher bereits während der laufenden Produktion Content-Pläne vor und arbeiten im Hintergrund oftmals schon am Nachfolger. Anders wären jährliche neue Teile wie etwa bei FIFA oder auch Assassin's Creed nicht machbar. In den Neunzigern steckte die Branche noch in den Kinderschuhen, wodurch es weitaus weniger professionell und profitorientiert zuging. Maniac Mansion war für LucasArts ein Achtungserfolg, doch an einen zweiten Teil dachte zunächst niemand.
Quelle: Lucasarts
Mit den Chron-O-Johns geht es auf Zeitreise: Bernard bleibt allerdings in der Gegenwart, Hoagie landet in der Vergangenheit und Laverne in der Zukunft. Aus diesem Missgeschick konstruiert Day of the Tentacle etliche Ursache-und-Wirkung-Rätsel.
Stattdessen kamen Tim Schafer und Dave Grossman zu Day of the Tentacle wie die Jungfrau zum Kinde. Vor der Fertigstellung von Monkey Island 2: LeChuck's Revenge keimten Gedanken über einen möglichen Nachfolger zu Maniac Mansion auf. Ron Gilbert, der Kopf hinter Monkey Island, kam als Projektleiter nicht mehr infrage. Er verließ das Unternehmen 1992 und startete gemeinsam mit seiner LucasArts-Kollegin Shelley Day die Spieleschmiede Humongous Entertainment. Unter seiner Führung entstanden weniger bekannte Titel wie Putt-Putt, Pajama Sam: No Need to Hide When It's Dark Outside oder die Backyard Sports-Serie. Bevor Gilbert jedoch die Segel bei LucasArts strich, empfahl er Tim Schafer und Dave Grossman als Projektleiter für die nächsten Titel. Gemeinsam mit Maniac Mansion-Miterfinder Gary Winnick begleitete Gilbert die noch unerfahrenen Nachwuchsdesigner in der Anfangsphase.
Zusammen entwickelten sie auch die Idee der Zeitreise als zentrales Gameplay-Element innerhalb der Spielhandlung. In einem Interview mit dem Magazin Retro Gamer erklärte Dave Grossman die Anfänge dieser Zusammenarbeit: "Ja, Ron Gilbert und Gary Winnick waren bei der frühen Storyplanung und den Brainstormings dabei. Doch Tim und ich zeichneten für das Projekt hauptverantwortlich." Die beiden kannten sich bereits aus der Entwicklung von Monkey Island und teilten sich sogar zeitweise ein Büro.
Cartoons als Inspiration
Ein Videospiel erfordert mehr als zwei kreative Köpfe für Geschichte und Rätsel. Day of the Tentacle benötigte einen besonderen Look, um sich
Quelle: Lucasarts
Purpur-Tentakel taucht nach seiner Flucht kaum noch im Spiel auf. Nur diese Zeitungsartikel informieren euch über sein Treiben. Die kurzen Einblendungen untermalt das Spiel mit der Fanfare der Batman-TV-Serie aus den 1980ern.
von den übrigen LucasArts-Adventures abzusetzen. Zu diesem Zweck holte man die Grafikdesigner Larry Ahern und Peter Chan mit ins Boot. Sie arbeiteten bereits bei Monkey Island 2 zusammen. Als das Team für einen Maniac Mansion-Nachfolger zusammengestellt wurde, meldete sich Ahern sofort freiwillig als Animation-Artist. Chan dagegen war für weite Teile der Hintergrundgrafiken verantwortlich.
Larry Aherns Begeisterung für das neue Projekt rührte nicht allein von Maniac Mansion her. Schon in der Vergangenheit hatte er Cartoons gezeichnet. Day of the Tentacle sollte ein Zeichentrickabenteuer im Warner-Bros.-Stil werden. Im Gegensatz zu früheren LucasArts-Abenteuern standen die Spielfiguren so mehr im Mittelpunkt. Die Kamera war dichter am Geschehen und ähnlich den Road Runner- oder Pepe das Stinktier-Trickfilmen kamen die Helden regelmäßig in merkwürdige Situationen. Das Verbiegen, Dehnen und Verdrehen der Charaktere stach in diesem Fall besonders ins Auge. Schon in der Introsequenz - einer längeren Autofahrt durch die Nacht - erinnerte Day of the Tentacle eher an einen flotten Cartoon als an ein klassisches Adventure. Verglichen mit den ersten 3D-Spielen dieser Zeit alterte Day of the Tentacle dadurch gut. Wenn wir das Original - oder die 2016 veröffentlichte HD-Neuauflage Day of the Tentacle Remastered - heute starten, überkommt uns nicht das blanke Grauen. Das Adventure sieht erstaunlich gut aus trotz einer pixeligen Auflösung von gerade mal 320 x 200 Bildpunkten.
Verrückte Zeitreise
Day of the Tentacle enthält viele Bezüge zum Vorgänger, weshalb damals wie heute Vorkenntnisse von Vorteil sind. Wie in Maniac Mansion steht der verrückte Wissenschaftler Dr. Fred Edison im Mittelpunkt. Die von ihm erfundene Matschmaschine erzeugt eine eklige Giftbrühe, die Edison stilecht in die freie Natur pumpt. Als der Purpur-Tentakel von der radioaktiven Suppe trinkt, wachsen ihm Arme - und kurz darauf wird er größenwahnsinnig. Bis heute erinnern wir uns gern an seinen Ausruf: "Ich fühle mich, als könnte ich ..., als könnte ich ..., als könnte ich ... DIE WELT EROBERN!" Edison bekommt davon Wind und nimmt die Tentakel gefangen.
Quelle: Lucasarts
Nachdem Bernard Zaubertinte über Ed Edisons Briefmarkenalbum kippt, rastet dieser aus. Gerade die Animationen bei großen Emotionen erinnern stark an Warner-Bros.-Cartoons.
Jetzt kommt ein weiterer Bekannter aus Maniac Mansion ins Spiel. Nerd Bernard Bernoulli erfährt von den inhaftierten Schnorcheln und fürchtet, dass Dr. Fred erneut verrückt geworden sein könnte. Also trommelt er seine WG-Kumpels Hoagie, einen übergewichtigen Heavy-Metal-Roadie, und Laverne, eine überdreht-verpeilte Medizinstudentin, zur Rettung der Tentakel zusammen. Bernard befreit daraufhin den wahnsinnigen Purpur-Tentakel.
Das Ergebnis: Der Schurke reißt in der Zukunft die Macht an sich und unterjocht die Menschheit. Dr. Edison erkennt diesen Fehler und schickt die drei Freunde auf Zeitreise, um das Problem zu beseitigen. Die Geschichte liest sich wirrer als sie eigentlich ist, geizt aber nicht mit Absurditäten. Natürlich nehmen Bernard, Laverne und Hoagie nicht etwa in einer schicken DeLorean-Zeitmaschine Platz. Stattdessen geht's in Dixi-Klos - den sogenannten Chron-O-Johns - auf Zeitreise. Doch aufgrund des als Antrieb benutzten falschen Diamanten läuft das Experiment gehörig schief: Hoagie landet 200 Jahre in der Vergangenheit, Laverne 200 Jahre in der Zukunft, während Bernard in der Gegenwart verweilt.
Das Spiel mit der amerikanischen Geschichte
Diese witzige, aber nicht minder chaotische Zeitreisegeschichte eröffnet Day of the Tentacle zahllose Rätselfinessen. Die erste Idee dahinter stammte übrigens laut Tim Schafer von Ron Gilbert, der schon immer ein Zeitreise-Adventure schreiben wollte. Dadurch spielt Day of the Tentacle auf gleich drei Ebenen, die durch ein nachvollziehbares Ursache-und-Wirkung-System miteinander verbunden sind. Verändert ihr also die Vergangenheit, hat das unmittelbare Auswirkungen auf Gegenwart und Zukunft. Damit ihr Objekte zwischen den drei Charakteren tauschen könnt, spült ihr sie einfach mit den Chron-O-Johns herunter.
Für den ganz speziellen Humor sorgt die im 18. Jahrhundert angesiedelte Vergangenheit, in der ihr mit Hoagie unterwegs seid. Day of the Tentacle bindet historische Figuren wie George Washington, John Hancock, Benjamin Franklin und Thomas Jefferson sowie die Entstehung der amerikanischen Verfassung ein. Man könnte meinen, dass das Spiel dadurch speziell bei den US-Spielern gut angekommen wäre. Dem war aber
Quelle: Lucasarts
Day of the Tentacle spielt mit Verweisen auf die Entstehung der US-amerikanischen Verfassung. Die Gründungsväter stecken allerdings in einer Sackgasse, wodurch Hoagie sie manipulieren kann.
nicht so. "Damals wussten wir eigentlich, dass gut ein Drittel unseres Publikums aus Deutschland stammt. Wir hätten es also besser wissen müssen. Letztlich schadete das aber dem Spiel und dessen Erfolg nicht", führte Dave Grossman in einem Interview mit dem Magazin US Gamer aus.
Das Spiel setzt vor allem auf Stereotypen und urbane Mythen. Ein Beispiel: Angeblich soll der sechsjährige George Washington einen Kirschbaum im Garten seiner Familie gefällt haben. In Day of the Tentacle befindet sich dagegen nur ein Kumquat-Baum vor dem Haus - Laverne bleibt in der Zukunft mit ihrer Zeitmaschine darin hängen. Um sie zu befreien, müsst ihr also den Baum in der Vergangenheit fällen. So färbt ihr die gelben Kumquats rot und neckt danach den alten Gründungsvater so lange, bis dieser seine Axt zückt. Fällt der Baum im Jahr 1787, könnt ihr auch Laverne in der Zukunft endlich kontrollieren. Es sind diese Kleinigkeiten, die Day of the Tentacle so liebenswert und dennoch nachvollziehbar machen.
Dazu setzt das Spiel immer wieder kleine Spitzen. Als Hoagie etwa nach Zusätzen für die amerikanische Verfassung gefragt wird, wirft er das Recht auf freie Meinungsäußerung ein. Die Antwort von Washington, Hancock und Jefferson: "Das würde doch nie funktionieren!" In der realen amerikanischen Verfassung wurde das Recht auf freie Meinungsäußerung im ersten Zusatzartikel erst im Nachhinein hinzugefügt, da die Verantwortlichen diesen Punkt bei der ursprünglichen Version schlicht vergaßen. In Day of the Tentacle rutscht dagegen das Recht auf einen Staubsauger im Keller in die Verfassung - dank einer ominösen Vorschlagsbox und eines Werbebriefs aus der Gegenwart.
Sprachausgabe musste her!
Spielerisch erweist sich Day of the Tentacle noch heute als gelungener, wenn auch zuweilen etwas starrer Vertreter seiner Zunft. Wo andere Spiele mit Hinweisen förmlich um sich werfen, gibt sich der Klassiker oftmals zugeknöpft, wodurch häufig nur das Ausprobieren aller denkbaren Möglichkeiten weiterhilft. Außerdem enttäuschend: Die deutsche Sprachausgabe und Übersetzung. Viele Anspielungen schafften den Sprung ins Deutsche nicht fehlerfrei - wir empfehlen daher die englische Version.Ursprünglich war Day of the Tentacle ein textbasiertes Abenteuer. Tim
Quelle: Lucasarts
In der Zukunft hat Purpur-Tentakel die Macht an sich gerissen und unterjocht die Menschen. Im Vergleich zur Gegenwart und Vergangenheit wirkt dieser Abschnitt eher mäßig lustig und bietet nur wenige große Puzzles.
Schafer bezeichnete den Titel deshalb als "das letzte leichte Projekt", da es weder Sprachausgabe noch 3D-Grafik gab. "Wir schreiben einen Text, der Text erscheint auf dem Bildschirm. Die Kollegen zeichnen etwas und das landet auf dem Schirm. Das war alles locker", fasste er die damaligen Produktionsabläufe zusammen.
Da sich das Team schon so lange kannte, gab es keine Streitereien oder Komplikationen. Jeder wusste, was er zu tun hatte. Doch mit dem Aufstieg der CD-ROM durch Erfolge wie Star Wars: Rebel Assault oder Myst (beide 1993 veröffentlicht) wuchs der Druck auf das Studio, weshalb man letztlich die Einbindung von Sprachausgabe beschloss. Damit stand das Team vor gleich zwei Herausforderungen: Der Suche nach geeigneten Sprechern und der Implementierung der Sprachausgabe. Etwas, das in Textform lustig ist, funktioniert nicht zwangsläufig auch in gesprochenen Worten. Schafer und Grossman hörten sich daher unzählige Demokassetten potenzieller Kandidaten an, ehe sie die Sprecher engagierten. Day of the Tentacle erschien schließlich auf Diskette und CD-ROM. Die Floppy-Version besaß Sprachausgabe in den wichtigsten Zwischensequenzen. Die Entwickler mussten dafür neue Wege suchen, um Platz auf den lediglich sechs Datenträgern zu schaffen. Die CD-Fassung dagegen war komplett vertont.
Die Sache mit dem Hamster
Egal, ob als Floppy- oder CD-Version: Day of the Tentacle blieb ein herausragendes Adventure und galt bei einigen Fans als das vielleicht beste LucasArts-Abenteuer überhaupt. Die deutsche Fachpresse frohlockte und vergab mehrheitlich Wertungen im 90-Prozent-Bereich. Dem Team um Schafer und Grossman gelang die nahezu reibungslose Verschmelzung liebenswerter Charaktere, schräger Witze und natürlich anspruchsvoller
Quelle: Lucasarts
Gag am Rande: Sowohl in der Originalfassung von Day of the Tentacle als auch in der Remastered-Edition ist der Vorgänger Maniac Mansion spielbar.
Rätsel. Day of the Tentacle ist nicht immer logisch und erfordert gelegentliches Um-die-Ecke-Denken. Einen besonderen Platz im Herzen der Fans verdient sich der schon aus Maniac Mansion bekannte Hamster-Gag: Im ersten Teil könnt ihr, bestimmte Hauptcharaktere vorausgesetzt, den Nager in der Mikrowelle rösten und bei Dr. Freds Sohn Ed für einen Nervenzusammenbruch sorgen. In Day of the Tentacle treibt ihr wieder Schindluder mit dem Fellknäuel. Um den Hamster in die Zukunft zu schicken, friert ihr ihn ein und taut ihn in der Zukunft in einer Mikrowelle wieder auf. Bei dieser Aktion durchbricht die Medizinstudentin die vierte Wand und erklärt, dass es sich um eine Mikrowelle der Zukunft handle und ihr solche Sachen bloß nicht zu Hause ausprobieren solltet.
So humorig sich Day of the Tentacle gibt, besitzt es doch einige kleinere Schwächen. Speziell die Zukunftsepisode hält nicht ganz die Qualität der übrigen zwei Zeitzonen. Rätsel, Gags und Plot wirken hier arg übereilt und weit weniger kreativ als die verbliebenen Abschnitte. Nichtsdestoweniger funktioniert Day of the Tentacle auch im Jahr 2018 noch ausgezeichnet und zaubert uns immer wieder ein Grinsen aufs Gesicht. Und wenn im Abspann die Tentakelflagge im Sonnenuntergang weht, kommt Wehmut auf. Schade, dass wir schon wieder durch sind!
Kein Nachfolger in Sicht
Day of the Tentacle hat bis heute keinen Nachfolger. Nach der Fertigstellung schlug Tim Schafer dem Management sechs Spiele vor, darunter ein dritter Teil zu The Secret of Monkey Island, ein Prototyp von Grim Fandango und eine Fortsetzung zu Day of the Tentacle. Letzteres blieb ohne
Quelle: Lucasarts
Bernard benötigt den Pulli, auf dem der fette Kerl liegt. Doch wie kriegen wir den Burschen da runter? Ganz einfach, indem wir die Massagefunktion seines Betts zwei Mal aktivieren und ihn so von der Matratze rütteln.
Erfolg. 2009 meldete Telltale Interesse an der Weiterführung des Spiels an. Mehr wurde daraus leider nicht. Die Rechte an Day of the Tentacle liegen bei Tim Schafers Entwicklerstudio Double Fine Productions, bekannt für Broken Age und Psychonauts sowie diverse Remastered-Fassungen alter LucasArts-Klassiker. Das Maniac Mansion-Sequel erfuhr im Jahr 2016 eine technisch aufwendige Neuauflage für nahezu alle Systeme. Besonders schön: Die Remastered-Edition verfügt über einen umfangreichen Entwicklerkommentar von Tim Schafer und Dave Grossman, die uns noch einmal an die Hand nehmen und Insider-Gags über die Arbeiten an Day of the Tentacle verraten. Optional gibt es auf Seiten wie getdigital.de sogar das passende Merchandise - vom Plüschtentakel bis zur Kaffeetasse. Das muss genügen. Mit einem Day of the Tentacle: Part 2 rechnen wir jedenfalls vorerst nicht.
