Die Bösen an die Macht! Im dritten Teil der Super-Mario-Land-Reihe steht nicht Nintendos weltberühmter Klempner selbst, sondern sein knausriger Gegenspieler Wario im Zentrum. Kommt mit uns auf eine Zeitreise in die Game-Boy-Ära und schwelgt mit unserem Retro-Special in wohligen Oldschool-Erinnerungen.
Man kann Nintendo vieles vorwerfen - etwa ein völlig bescheuertes Voicechat-System auf der Switch - nicht aber, keine Risiken einzugehen. Da hat man etwa anno dazumal eine mit zwei Ablegern etablierte, sich sehr gut verkaufende Super-Mario-Hüpfspiel-Reihe auf dem Game Boy gestartet und macht was? Man wechselt im offiziellen dritten Teil kurzerhand den Helden gegen des Bösewicht aus Teil zwei aus, krempelt das Gameplay um und nennt das Ergebnis nur noch pro forma Super Mario Land 3. Also Platz gemacht für Wario - wahahahaha!
Die Rückkehr des Fettwansts
So war das also 1993. Klar, hüpfen, Gegner bezwingen und Zeug sammeln, das muss man auch in Gestalt des ehemaligen Antagonisten. Aber alleine die Atmosphäre ist schon eine grundlegend andere: Im Vergleich zu Marios Abenteuern erweist sich Warios erster Ausflug als vergleichsweise düster, der Held selbst zeichnet sich durch Egoismus und Gier aus und mit Captain Syrup stellt sich uns ein völlig neues Gesicht als primärer Widersacher in den Weg. Auch kommt das Abenteuer in einigen Momenten ordentlich schräg daher - einen Bossgegner, der mit riesigen Popeln gegen uns vorgeht, die er direkt aus seiner Nase feuert, fehlte im Nintendo-Repertoire vor dem Release von Wario Land noch. Durch Warios makelhaften Charakter ist natürlich auch seine Motivation, sich auf eine Reise durch knapp 40 Level zu begeben, eine wenig heldenhafte: Er will von Captain Syrup und ihrer Crew eine goldene Peach-Statue stehlen, damit er sie verkaufen und sich ein Schloss davon bauen kann. In einem für Mario-Verhältnisse ungewöhnlichen Schritt schließt die Handlung dabei direkt an das Ende des Vorgängers an, wo Wario sein bis dato bewohntes, unrechtmäßig erworbenes hochherrschaftliches Domizil nach seiner Niederlage an den weltberühmten Klempner mit der roten Mütze abgeben muss.
Quelle: Nintendo
Ähnlich wie in Super Mario Land 2: 6 Golden Coins sowie Mario-Jump & Runs auf dem SNES und späteren Konsolen, wählen wir auf einer hübsch gemachten Übersichtsmap die verschiedenen Level an. Dabei können wir jederzeit überallhin zurückkehren.
Mieten, kaufen, stehlen
Um seinen Reichtum für den angestrebten neuen Wohnsitz zu mehren, müssen wir deswegen versuchen, so viele Münzen wie möglich zu sammeln. Zusätzlich verbirgt sich in einigen Levels eine finite Anzahl an Schätzen, wobei die Kleinode jedoch erst einmal gefunden werden wollen. Durch verschiedene Ausgänge, versteckte Abschnitte und andere Geheimnisse erweisen sich die Welten als deutlich weniger linear, als dies beim ersten Durchlauf den Anschein haben mag! Sehr cool: Je nachdem, wie viele Kostbarkeiten man am Ende des Spiels zusammengeklaubt hat, erwartet einen eines von sechs verschiedenen Enden - eine Taktik, die in späteren Ablegern der
Wario-Land-Reihe und auch anderen Nintendo Titeln wie etwa Luigi's Mansion ebenfalls zum Einsatz kommen sollte. Um seinem Ziel näher zu kommen, stehen ihm neben einem einfachen Sprung eine mächtige Rempelattacke und die Fähigkeit, Dinge aufzuheben und zu werfen zur Verfügung. Am spannendsten sind jedoch die diversen Kopfbedeckungen, die Wario finden kann und die ihn etwa fliegen, Feuer speien oder Hindernisse und Gegner deutlich einfacher besiegen lassen. Wird der fette Fiesling getroffen, verliert er zuerst seinen Spezialhelm und anschließend seine normale Kopfbedeckung, woraufhin er wie Kollege Mario in den meisten 2D-Abenteuern auf halbe Größe zusammenschrumpft. Die Helme bringen viel Abwechslung und verschiedene Vorgehensweisen ins Gameplay. Das Konzept wurde in den Nachfolgern zwar nie direkt übernommen, aber durch verschiedene Verwandlungen und Statusveränderungen, die zum Vorankommen notwendig waren, neu interpretiert und ausgebaut. An das Original reicht spielspaßtechnisch aber keine der Fortsetzungen heran. Den Entwicklern gelang das Kunststück, nicht nur eine tolle Fortsetzung zu Super Mario Land 2 zu schaffen, sondern zugleich auch eine geniale neue Serie ins Leben zu rufen. Stark!
Quelle: Nintendo
Die Bosskämpfe sind zwar nicht schwer, die Widersacher sehen aber ungemein kreativ aus und zeigten schon vor WarioWare die schrägere Seite der Wario-Serie auf.
