Crash Bash: Die abgedrehte Beuteldachs-Party im Retro-Special
Special
Die ersten drei Crash-Bandicoot-Spiele auf der originalen Playstation gelten auch heute noch als Klassiker des 3D-Jump'n'Run-Genres. Die anderen PSX-Auftritte des jeanstragenden Beuteldachs sind dagegen viel zu oft in Vergessenheit geraten. Findet zumindest Redakteur David Benke und blickt in seinem Retro-Special auf ein Gaming-Highlight seiner Kindheit zurück: Crash Bash.
Nach langer Abstinenz ist das einstige Playstation-Maskottchen Crash Bandicoot in den letzten Jahren wieder häufiger auf der Bildfläche erschienen: 2017 bekamen die ersten drei Serienteile mit der N. Sane Trilogy eine Neuauflage spendiert. 2019 folgte das Remake Crash Team Racing Nitrofueled. Im Oktober dieses Jahres erschien nach über zwölf Jahren sogar mal wieder ein neuer vollwertiger Singleplayer-Titel für PC und Konsole. Und im Test machte Crash Bandicoot 4: It's About Time dann noch eine richtig gute Figur! Fans des jeanstragenden Beuteldachs, den Autor eingeschlossen, müssten also eigentlich rundum glücklich sein. Oder? Falsch gedacht! Denn fürs endgültige Seelenheil fehlt mir noch die Rückkehr eines Titels, der meine Kindheit maßgeblich mitgeprägt hat: Crash Bash.
Das feierte in Europa gerade erst seinen 20. Geburtstag. Am 1. Dezember 2000 fand Crash Bash nämlich seinen Weg auf die allererste Playstation und stellte dabei gleich eine doppelte Premiere dar: Es war nicht nur das letzte Crash-Bandicoot-Spiel, das ausschließlich für Sony-Geräte auf den Markt kam. Es war gleichzeitig auch der erste Teil des Franchise, der nicht mehr vom ursprünglichen Schöpfer Naughty Dog herausgebracht wurde. Der hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits aufgemacht, das Jump'n'Run-Genre mit Jak und Dexter zu bereichern. Stattdessen übernahm daher Eurocom Entertainment Software die Entwicklung - unter anderem auch mit Producer Mark Cerny, dem heutigen Systemarchitekten der Playstation 5.
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Mario Party im Beuteldachs-Pelz
Die hatten sich in den Kopf gesetzt, das Crash-Bandicoot-Franchise mal um ein paar neue Genres zu erweitern. Neben Einzelspieler-Hüpfspaß wollte man nun also auch Multiplayer-Fans etwas bieten. Nach dem 1999 erschienenen Rennspiel Crash Team Racing folgte daher ein Versuch, das Feld der Party-Games für sich zu erobern - quasi die pelzige Antwort auf Mario Party, wenn auch mit einigen Änderungen: Es gibt kein Brett, keine Würfel, keine zufälligen Ereignisse. Stattdessen wählt ihr über die Crash-typischen Warp Rooms Minispiele aus, die nicht nur wesentlich mehr Gameplay zu bieten haben als das Nintendo-Pendant. Sie spielen sich auch deutlich schneller und intensiver.
Quelle: PC Games
Die Story im Abenteuer-Modus von Crash Bash ist wirklich nicht der Rede wert. Es gibt lediglich eine Cutscene zu Beginn und am Ende des Spiels.
Im Abenteuer-Modus sind sie sogar noch in eine Story eingebaut. Die sagt sich allerdings komplett von der Rahmenhandlung der drei vorherigen Crash-Teile los und ist, passend zum Geist der damaligen Zeit, unglaublich doof: Im Mortal-Kombat-Stil treten hier die beiden Schutzgeiser Aku Aku und Uka Uka in einem schwebenden Tempel im Hyperraum zum ultimativen Kampf zwischen Gut und Böse an. Und das natürlich, indem sie die eigene Gefolgschaft zusammentrommeln und sie in einer Olympiade verschiedenster obskurer Disziplinen antreten lassen.
So dumm dieser drölfte Kampf zwischen der hellen und dunklen Seite auch klingt, die seltsame Prämisse von Crash Bash bietet tatsächlich ein paar interessante Möglichkeiten - beispielsweise auch mal in die Haut der bösen Jungs zu schlüpfen. Gut, das war teilweise auch schon in Crash Team Racing möglich. Neben Neo Cortex, Tiny Tiger oder Dingodile sind dieses Mal aber auch Doktor Nitrus Brio oder Koala Kong spielbar. Und mit Rilla Roo, einer komischen Mixtur aus Gorilla und Känguru, haben Eurocom sogar noch einen komplett neuen Charakter aus dem Hut gezaubert. Der passt aber wohl so wenig in den Kanon, dass er nach seinem Debüt gute 19 Jahre warten musste, bis ihm in einem DLC zu Crash Team Racing Nitrofueled ein erneuter Auftritt gewährt wurde.
Zwischen Pogostick und Panzerfahren
Aber genug der Charaktere, ran ans Eingemachte: die Spiele selbst. Crash Bash war seinerzeit vor allem aufgrund der ausgefallenen Minigames ein Riesenspaß. In Space Bash werft ihr euch auf einem Wolkenkratzer gegenseitig mit TNT-Kisten ab. In Mallet Mash prügelt ihr mit riesigen Holzhämmern auf Pilze ein. Und in Polar Push, einem persönlichen Favoriten, versucht ihr, eure Gegner von einer schwimmenden Eisscholle zu stoßen, während ihr auf einem Eisbären reitet. Skurriler geht's nun wirklich nicht mehr. Sollte man meinen. Denn im Verlauf des Spiels schaltet ihr stetig neue Spiele frei, in denen ihr etwa Panzer fahrt oder auf Delfinen um die Wette rast. Das hält die Motivationskurve hoch.
Quelle: PC Games
Der eher schmächtige Crash Bandicoot tut sich in Crate Crash etwas schwer damit, Kisten zu schleppen und zu werfen.
Dazu gesellen sich dann noch Abwandlungen bereits bekannter Wettkämpfe: Neben Trophäen für euren ersten Sieg könnt ihr auch noch die aus den Jump'n'Runs bekannten Juwelen, Kristalle und Relikte ergattern, wenn ihr euch besonderen Modifikatoren und Handicaps stellt. Die sind aber echt nicht ohne! Crash Bash verfügt sowieso schon über einen ziemlich knackigen Schwierigkeitsgrad. Wer das Party Game auf 200 Prozent durchspielen möchte, der sollte jede Menge Ausdauer und eine gewisse Frustresistenz mitbringen. Um jedes Collectible zu erhalten, müsst ihr einige Level mindestens sechsmal spielen, meistens aber deutlich öfter. Rückblickend ist das natürlich echt repetitiv, als Kind hat man sich daran aber nicht gestört.
Zumal es ja noch die tolle Möglichkeit gibt, Crash Bash komplett zusammen mit einem Freund zu erleben. Im lokalen Mehrspieler-Modus macht der Titel gleich doppelt so viel Laune. Nicht nur, weil ihr die verschiedenen Disziplinen dann im Team angeht, die Verhältnisse also deutlich ausgeglichener sind. Wenn ihr je einen Charakter der guten und bösen Seite wählt, dürft ihr euch sogar auf ein Standoff am Ende freuen, das euch je nach Sieger ein Happy oder Bad End beschert. Neben dem Abenteuer-Modus gab es seinerzeit dann auch noch den Turnier- und den Battle-Modus für bis zu vier Spieler. Zu dem gibt es allerdings nicht so viel zu sagen. Denn seien wir mal ehrlich: Wer hat denn schon einen Multitap-Adapter besessen?
Nicht schön, aber lustig
Quelle: PC Games
In Bearminator tretet ihr nicht gegen andere Spieler an, stattdessen müsst ihr raketenverschießende Roboter-Hunde von der Eisscholle stoßen.
Apropos Technik: Im Vergleich zum zwei Jahre älteren Crash Bandicoot: Warped macht Crash Bash eine etwas schlechtere Figur. Vor allem die Charaktermodelle wirken etwas kantiger und detailärmer. Das machen die Entwickler im Gegenzug durch das tolle Leveldesign wieder wett: Jede einzelne Stage hat einen individuellen Stil, für Kristall-Challenges gibt es sogar alternative Hintergründe. Außerdem stecken die Welten allesamt voller Fan-Service: Keg Kaboom ist etwa eine Anspielung auf die Mittelalter-Levels aus Crash Bandicoot 3, Toxic Dash wurde klar von der Stage "Toxic Waste" aus Crash Bandicoot 1 inspiriert. Dazu finden sich diverse Cameo-Auftritte bekannter Figuren wie Ripper Roo oder Dr. N. Gin.
Abgerundet wird das alles von vier Minibossen, die langjährigen Fans des Franchise ebenfalls nicht unbekannt sein dürften - etwa Papu Papu, Komodo Moe und Komodo Joe oder Nitros Oxide. Die kombinieren das aus den Minispielen bekannte Gameplay mit einem zusätzlichen Twist: In Bearminator seid ihr etwa auf der aus Polar Push bekannten Eisscholle unterwegs, der fiese Eisbär ballert aus seinem U-Boot allerdings Bomben, die das Spielfeld stetig kleiner machen.
Wo bleibt das Remake?
Quelle: PC Games
Die Stage Toxic Dash wurde ganz klar vom Level Toxic Waste aus dem originalen PS1-Abenteuer Crash Bandicoot inspiriert.
Untermalt ist das alles von einem stimmungsvollen Soundtrack aus der Feder von Steve Duckworth. Der war unter anderem auch für die Scores von Duke Nukem 64 oder Spyro: A Heroes Tail mitverantwortlich und ballert in Crash Bash eine Art Best-of-Remix bekannter und beliebter Crash-Themes raus: Ob nun Dot Dash, das Dingodile's Theme neu abmischt, oder einfach nur der entspannte Rhythmus des Ladebildschirms - jeder Track geht ins Ohr!
Umso unglücklicher ist es, dass Crash Bash zu seiner Zeit eher durchschnittlich aufgenommen wurde. Auf Metacritic steht es bei einer 68, die Kollegen von Gamespot bescheinigten ihm absolute Mittelmäßigkeit. Auch wirtschaftlich konnte das Partyspiel nicht mit seinen Kollegen mithalten. Laut VGChartz kommt Crash Bash auf knappe 3,4 Millionen verkaufte Einheiten. Das liegt klar hinter den 4,8 Millionen eines Crash Team Racing und noch deutlicher hinter den zirka 6,8 Millionen, die das originale Crash Bandicoot absetzen konnte.
Dessen ungeachtet hat der Mehrspieler-Spaß auch noch heute eine leidenschaftliche Fanbase, die jährlich das Release-Jubiläum feiert, an inoffiziellen Neuauflagen werkelt oder Publisher Activision mit einer Online-Petition um ein Remaster bittet. Meine Unterschrift haben sie dabei auf jeden Fall sicher. Denn mit aufgehübschter Grafik, Online-Multiplayer und ein paar zusätzlichen Minispielen könnte Crash Bash ohne Frage auch heute noch ein echter Hit werden!
