Simon the Sorcerer: Das magische Point-and-Click-Adventure im Retro-Special
Special
Neben dem allseits bekannten Monkey Island, gerät Simon The Sorcerer schon mal in Vergessenheit. Wir wollen euch aber in unserer Retro-Rubrik zeigen, warum der kleine Zauberlehrling genauso einen Platz auf dem Adventure-Treppchen verdient hat wie Guybrush Threepwood.
Den meisten von euch wird Monkey Island, das Adventure von LucasArts, ein Begriff sein. Aber kennt ihr auch noch Simon The Sorcerer? Der kleine Zauberer hatte 1993 seinen ersten Auftritt als die Firma Adventure Soft ihn auf den Bildschirm schickten. Simon The Sorcerer erschien am 27. September 1993 für Amiga und MS-DOS und ritt auf der durch Monkey Island ausgelösten Adventure-Welle mit. Nachdem das Studio vorher vor allem Horror-Spiele produziert hatte und daher auch Horror Soft hieß, benannte es sich im Zuge von Simon und den weiteren Titeln der Reihe in Adventure Soft um, um eine breitere Masse ohne Altersfreigabe ansprechen zu können.
Inhalt
Mit dem ersten Teil haben Director Mike Woodroffe und sein Sohn Simon, der das Design übernahm und der Namensgeber für den Helden war, eine Spiele-Reihe gestartet, die sich heute noch einer großen Fanbase erfreut. Zumindest die ersten beiden Teile, denn die Nachfolger besitzen zwar noch einen gewissen Charme, konnten aber nie an den Erfolg anknüpfen. Deshalb widmen wir uns hier auch nur den ersten beiden Games.
Yer a wizard, Simon!
Jetzt haben wir viel erzählt, aber worum geht's denn bei Simon The Sorcerer eigentlich? Der titelgebende Simon lebt im modernen England und feiert seinen 12. Geburtstag, wo ein Magier auftritt und ihn mit seinen Tricks begeistert. Nach der Feier finden er und seine Eltern einen kleinen Hund auf ihrer Türschwelle, den Simon Chippy nennt. Seltsamerweise hat der ein Buch dabei, das keiner lesen kann, also wird es kurzerhand auf den Dachboden verbannt.
Wir steigen ein, als Simon Chippy auf dem Dachboden bellen hört und nachsehen will, was da eigentlich so abgeht. Das Buch mit dem Titel "Ye Olde Spellbooke" liegt auf dem Boden und als Simon es öffnet, erscheint ein schimmerndes Portal. Chippy fackelt nicht lange und trottet durch, also geht Simon hinterher.
Und dann finden wir uns in einer magischen Parallelwelt wieder, wo wir erstmal von einer Gruppe dämlicher Goblins in einen Kochtopf gepackt werden. Doch Simon ist gewitzt und kann sich befreien! Auf der Suche nach Hilfe finden wir ein Haus am Rand eines kleinen Dorfes und darin eine Notiz. Anscheinend hat der Zauberer Calypso uns in diese neue Welt geholt, damit wir ihn vor dem fiesen Sordid retten. Und das Abenteuer beginnt!
Pack' alles in den Hut!
Im zugegeben nicht allzu langen Spielverlauf stehen uns die ganz typischen Bedienverben am unteren Bildschirmrand zur Verfügung. Wir können
Quelle: PC Games
Die Goblins sind ganz begeistert! Endlich gibt's was zu Futtern!
gehen, anschauen, öffnen, bewegen, verzehren, nehmen, schließen, benutzen, entfernen, tragen, geben und mit jemandem reden. Diese verwenden wir, um uns in der Welt zurecht zu finden, mit Items und Personen zu interagieren oder die meist logischen und witzig gestalteten Rätsel zu lösen. Daneben zeigt sich unser Inventar. Wenn Simon etwas aufhebt oder bekommt, stopft er es sich in seinen Zaubererhut. Dazu gehören auch absurd große Dinge wie ein lebendes Schwein oder ein Metalldetektor. Dort findet sich aber auch eine Karte, auf der, sobald ihr sie findet, Schnellreisepunkte eingezeichnet werden, damit ihr nicht immer die teilweise langwierigen Wege zurücklegen müsst. Mit der Postkarte könnt ihr schließlich noch euer Spiel speichern oder laden.
Guybrush trifft auf Harry
Gameplay-technisch ist Simon The Sorcerer also ein klassisches Point-and-Click-Adventure. Aber Simon lebt vor allem von seinen Parodien, dem
Quelle: PC Games
Die Besitzer des Dorfladens sind eine Verkaufseinheit.
Humor und seiner Selbstreflexion. Der 12-jährige Protagonist selbst soll eine Mischung aus Guybrush Threepwood aus Monkey Island, dem gescheiterten Zauberer Rincewind aus Terry Pratchetts Scheibenwelt-Romanen und dem von Rowan Atkinson (Mr. Bean) dargestellten Satire-Charakter Blackadder sein.
Er bekommt von Calypso den Auftrag, ein waschechter Zauberer zu werden und sucht dafür eine Gruppe Zauberer im örtlichen Pub auf, die sich aber als Bauern verkleidet haben und trotzdem wie Zauberer aussehen. Wie der erst vier Jahre später auftauchende Harry Potter wird er zum Zauberlehrling und bestreitet Abenteuer, die aber wesentlich durchgeknallter sind als die in Hogwarts.
Von Sumpfsuppe und Parodien
Quelle: PC Games
Probiert die Sumpfsuppe, sie ist köööööööööstlich!
Simon trifft unter anderem auf seltsame Charaktere wie ein Schwein, das zur Strafe in eine Prinzessin verwandelt wurde. Eine Gruppe sozialistischer Holzwurmrevolutionäre, ein streikender Brückentroll und den allseits beliebten Sumpfling, der ihm seine Sumpfsuppe andreht und dessen allererster Freund er wird.
Aber nicht nur die verrückten Figuren, für die Simon Aufträge erledigen muss oder denen er seine Hilfe anbietet, zeichnen das Spiel aus. Es gibt viele Einflüsse, wie die bereits erwähnte Scheibenwelt von Terry Pratchett, aber auch Herr der Ringe, Monty Python und Red Dwarf. Dabei lassen es sich die Entwickler nicht nehmen, bekannte Bücher und Märchen wie Rapunzel, die Chroniken von Narnia oder auch Jack und die Bohnenranke zu parodieren, was Simon eifrig kommentiert.
Selbst ist der Spielecharakter
Denn der kleine Zauberlehrling ist sich durchaus bewusst, dass er sich in einem Spiel befindet und scheut nicht davor, das auch öfter mal mitzuteilen. Da wird dann die vierte Wand durchbrochen und Simon spricht uns direkt an, oder er erwähnt im Dialog anderen Charakteren gegenüber, dass sie nicht den Adventure-Spielregeln folgen. Das reflektiert sehr die damalige Zeit, zu der viele Spiele, vor allem aber Point-and-Click-Adventures wie Simon The Sorcerer und auch Monkey Island, mit Selbstreflexion und dem Durchbrechen der vierten Wand spielten.
Das zeigt sich auch in den Dialogoptionen, die wir meist nicht unbedingt durcharbeiten müssen, aber auf jeden Fall sollten. Denn sie bieten spaßige Infos, lustige Konversationen und interessante Reaktionen der anderen Figuren. Praktischerweise ist Simon The Sorcerer damals eines der wenigen internationalen Spiele gewesen, das eine deutsche Sprachausgabe bekam, die auch noch ziemlich gut gelungen ist.
Fortsetzung folgt...
Wer den Spaß noch verlängern will, der holt sich einfach noch Simon The Sorcerer 2: Der Löwe, der Zauberer & der Schrank dazu. Simon dachte
Quelle: PC Games
Der Sumpfling konnte im zweiten Teil expandieren und hat jetzt sein eigenes Restaurant!
eigentlich, dass alles vorbei ist, aber Sordid reißt ihn zurück in die Parallelwelt, wo er sich erneut seltsamen Dingen stellen muss. Wir treffen wieder auf den Sumpfling, der jetzt ein riesen Restaurant eröffnet hat, kaufen seltsame Dinge von einem zwielichtigen Gangster im Dschungel und machen bei einem Zauberwettbewerb mit. Die Nachfolger könnt ihr euch zu Gemüte führen, aber seien wir mal ehrlich, Simon The Sorcerer und der Nachfolger sind die besten Spiele der Serie.
Nicht umsonst gibt's die Teile mittlerweile sogar für iOS und Android und in der 25th Anniversary Edition neu aufgelegt auf Steam. Wem der Weichzeichner nicht gefällt, kann das Spiel einfach auf die Original-Settings einstellen, wie wir das gemacht haben.
Die Technik mag nicht die neuste sein und die Pixel-Optik ist vielleicht auch nicht für jeden etwas. Wer sich aber immer wieder gerne an die Klassiker der Point-and-Click-Ära zurückerinnert, wird mit Simon auch heute noch seinen Spaß haben.
