Commandos: Origins im Test: Auf dieses Comeback haben wir 22 Jahre gewartet
Test
Das Kultspiel ist zurück! Commandos: Origins verspricht wieder knallharte Knobel-Taktik, diesmal mit modernem Touch. Ob's klappt, klärt unser Test.
Alte Features, neue Features
Genau wie in den Vorgängern müsst ihr auch in Commandos: Origins ab und zu Innenräume betreten. In den Spielen von Mimimi war das nie ein Thema, vielleicht auch aus gutem Grund: In Commandos: Origins sorgen manche Indoor-Bereiche zwar für spannende Schleicheinlagen auf engstem Raum, allerdings bleibt da kaum noch Platz für Fehler oder alternative Lösungen. Außerdem leidet die Übersicht immer dann, wenn ein Gebäude mehrere Stockwerke besitzt - spätestens in den Treppenhäusern, wo sich die Ebenen überlagern, habe ich meine Truppe öfter aus den Augen verloren.
Ein Inventar, in dem ihr nützliche Items verstaut, gibt's diesmal nicht. Ihr könnt aber trotzdem verschiedene Munitionstypen oder Granaten in den Levels erbeuten, falls ihr doch mal zu den Waffen greifen wollt. Aber Vorsicht: Pistolen, Gewehre und vor allem Granaten erzeugen einen Höllenlärm, der sofort sämtliche Wachen in der Nähe aufschreckt.
Manchmal kann man sich dann noch den Weg freikämpfen, nicht jeder Alarm bedeutet gleich "Game Over". Habt ihr allerdings zweimal einen lokalen Alarm ausgelöst, blasen die Nazis zum Großeinsatz, dann ist die gesamte Karte hinter euch her und für euch schaut's zappenduster aus. Einmal Schnellladen, bitte!
Fehler im Detail
Ärgerlich: Selbst wenn es euch gelingt, einen perfekten Plan auszutüfteln, enden manche Versuche im Fehlschlag. Das liegt an vielen kleinen Ungenauigkeiten, die den Spielspaß immer wieder trüben. Da schlägt dann ein Nazi beispielsweise im letzten Moment Alarm, obwohl sich mein Commando eigentlich lautlos von hinten angeschlichen hat. Also Quickload, neuer Versuch - und plötzlich klappt das gleiche Manöver ohne Probleme. Warum? Das wissen nur die Entwickler.
Manchmal im Test wurden meine Helden auch entdeckt, obwohl sie eigentlich von einer Wand verdeckt sein müssten. Oder sie nahmen abenteuerliche Laufwege, anstatt einfach direkt zum Ziel zu latschen. Hier und da zeigten manche Gegner deutliche KI-Aussetzer. Und Schusswaffen habe ich auch deshalb gemieden, weil sie manchmal erst verzögert abgefeuert wurden, das gilt auch für den Marine: Anstatt seine Harpune einfach auf den Gegner zu schießen, robbt er manchmal lieber noch ein paar Meter aus der Deckung raus und direkt auf den Gegner zu - warum auch immer.
Für sich betrachtet mögen das alles nur Kleinigkeiten sein, doch sie summieren sich. Ich finde: In einem Genre, das euch perfektes Timing und Genauigkeit abverlangt, müssen Steuerung und Spielmechaniken einfach sitzen, ohne Wenn und Aber.
Wo die Konkurrenz die Nase vorn hat
Auch an anderer Stelle wirkt das Spiel nicht immer zu Ende gedacht. Warum kann ich Leichen nicht einfach von einem Steg direkt ins Wasser werfen, sondern muss dazu immer erst an ein flaches Ufer latschen? Warum kann man in Nachtmissionen keine Lichtquellen löschen? Und warum gibt es keine Zeitbeschleunigung, mit der ich das Geschehen vorspulen und lange Laufwege und Wartezeiten abkürzen kann? Das alles war schon in Desperados 3 oder Sumerian Six möglich!
Dafür hat Commandos: Origins aber etwas, was der Konkurrenz komplett fehlt: einen Koop-Modus für zwei Spieler, auf Wunsch sogar per Splitscreen. Nicht, dass ich den wirklich gebraucht hätte - bei Schleichtaktik, in der ich ständig laden und speichern muss, spiele ich doch lieber alleine. Aber für diejenigen, die auf Koop einfach nicht verzichten können, ist das sicher ein toller Bonus.
Sir, bitte patchen, Sir!
Die Technik hinterlässt dafür einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits punktet das Spiel mit richtig hübsch gestalteten, detailreichen Levels in Unreal Engine, die wunderbar den Stil der alten Commandos-Serie einfangen. Dickes Lob dafür!
Andererseits lässt die Performance zu wünschen übrig, selbst mit aktiviertem DLSS fallen auf dem PC immer wieder kleine Ruckler und Nachladeverzögerungen auf. Auch einige Bugs sind mir in der Testversion begegnet, etwa bei der Wegfindung oder wenn meine Commandos an Kabeln entlanghangeln - da schwebte der Green Beret dann auch mal ein paar Meter in der Luft, anstatt wie befohlen den Mast hinabzusteigen.
Die Entwickler haben in den ersten Wochen zwar schon erste Updates folgen lassen, doch ich finde, da darf es ruhig noch etwas mehr sein. Denn die Spiele von Mimimi waren auch deshalb so beliebt, weil sie technisch ausgereift waren, weil die Steuerung perfekt reagierte und die Reaktionen der Gegner nachvollziehbar waren. Auch Sumerian Six hat diese Lehren tadellos verinnerlicht.
Ich wünsche mir sehr, dass Commandos: Origins irgendwann ein ähnliches Niveau erreicht. Denn egal ob Grafik oder Atmosphäre, ob Missionsdesign oder taktische Herausforderung - da wurde vieles richtig gemacht! Claymore Game Studios ist ein gutes Erstlingswerk gelungen, das einfach noch mehr Feinschliff gebraucht hätte.
Fürs Spitzenfeld reicht es darum leider nicht, für eine Empfehlung an die Fans aber sehr wohl.
Was sagen die Käufer?
Zum Test lag mir nur die PC-Fassung vor. Die ersten User-Wertungen für die PS5-Fassung fallen allerdings durchwachsen aus, hier stoßen Steuerung und Performance auf deutliche Kritik. Auf Metacritic gibt es noch nicht viele Konsolen-Reviews, hier zeichnet sich aber bereits ein ähnliches Bild ab.
Die User-Wertungen auf Steam sind erfreulicher, hier schneidet das Spiel mit 75 Prozent größtenteils positiv ab. Der Metascore für die PC-Fassung landet knapp darunter.
Commandos: Origins ist seit dem 9. April für PC, PS5 und Xbox Series S/X erhältlich. Der Preis liegt bei 50 Euro (PC) bzw. 60 Euro (Konsolen). Am 22. Mai 2025 sollen außerdem physische Retail-Fassungen für den Einzelhandel folgen. Transparenzhinweis: Die Testversionen wurden vom Publisher zur Verfügung gestellt.
