Commandos: Origins im Test: Auf dieses Comeback haben wir 22 Jahre gewartet
Test
Das Kultspiel ist zurück! Commandos: Origins verspricht wieder knallharte Knobel-Taktik, diesmal mit modernem Touch. Ob's klappt, klärt unser Test.
Vereinte Stärken: Sechs Helden feiern ihr Comeback
Die Commandos-Fans wird's freuen: Euer Trupp besteht aus vertrauten Gesichtern, die man schon aus den Vorgängern kennt. In den meisten Missionen stehen euch aber immer nur ganz bestimmte Charaktere zur Verfügung, eigene Teams dürft ihr nicht zusammenstellen. Darum müsst ihr die Stärken eurer Helden immer wieder neu kombinieren und alte Taktiken anpassen.
- Der Green Beret ist das Gesicht der Commandos-Reihe. Er lockt Gegner mit einem Radiosender von ihren Posten weg, außerdem gräbt er sich mit einer Schaufel in die Erde ein. So ist er vor Blicken geschützt und kann vorbei latschende Wachen blitzschnell ausknipsen, die er dann auch zügig außer Sichtweite schleppt.
- Der Pionier kann nicht nur Zäune aufschneiden, sondern auch eine Bärenfalle aufstellen und einfache Gegner mit einem Pfiff anlocken - spätestens da werden sich Kenner von Shadow Tactics oder Desperados 3 wie zu Hause fühlen.
- Cool ist auch der Spion, der sich einfach eine Nazi-Uniform schnappt und damit durch die feindlichen Reihen spaziert. Standard-Gegner, die sich leicht ablenken lassen, verstrickt er anschließend in Gespräche - so wenden sie ihre Blicke ab und geben euren Commandos die Chance, ungesehen vorbeizuhuschen.
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- Der Fahrer stößt erst später im Spiel dazu: Er bedient schwere Geschütze, schleppt explosive Fässer (ideal, um kleine Gruppen auszuschalten) und kann - wen wundert's - verschiedenste Fahrzeuge steuern. Allerdings fühlt sich das Fahren weder gut an, noch ist es wirklich nützlich. In einem Spiel, in dem Stealth an oberster Stelle steht, lasse ich meine Karre ohnehin lieber stehen - das Feature hätte ich also definitiv nicht gebraucht. Daran ändert auch ein kurzer Panzereinsatz voller Explosionen nichts.
- Mein absoluter Favorit ist dafür der Marine, weil er fast schon übertrieben viel drauf hat: Mit Wurfmesser und Harpune verfügt er über zwei lautlose Fernkampfwaffen - wer hier clever vorgeht, kann damit zwei Feinde auf einmal ausknipsen. Außerdem lenkt er einfache Gegner mit einem Steinwurf ab - simpel, aber nützlich! Schwimmen und tauchen kann er natürlich auch, was ihn in Missionen mit Wasser unverzichtbar macht. Und ein aufblasbares Boot hat er auch noch im Rucksack, damit transportiert er kurzerhand das gesamte Team von einem Ufer ans nächste.
- Und dann haben wir noch den Scharfschützen, der nicht nur auf große Distanz feuern kann, sein Gewehr trifft auch zwei Nazis auf einmal. Die Munition ist allerdings knapp, also sparsam verwenden! Mit Patronenhülsen kann er außerdem Gegner kurz ablenken, was aber stark an den Steinwurf des Marine erinnert - schade, dass den Entwicklern hier nichts anderes eingefallen ist.
Nichts geht über Teamwork
Alle Charaktere haben außerdem noch bestimmte Eigenschaften. Der Green Beret erklimmt beispielsweise schroffe Felswände, der Scharfschütze kann dafür an Kabelmasten entlangkraxeln. Der Fahrer schleppt besiegte Gegner flott aus dem Weg, ist dabei aber leicht zu entdecken. Der Spion dagegen schleift Körper nur langsam über den Boden, bleibt dabei aber unauffällig.
Im Vergleich zu einem Desperados 3 wirken manche dieser Stärken und Fähigkeiten etwas willkürlich verteilt. Und auf Dauer merke ich auch, dass ich oft nur die gleichen Taktiken anwende und manche Fähigkeiten gleich links liegen lasse. Aber das ändert nichts daran, dass alle Teammitglieder nützlich sind - ganz besonders, wenn sie zusammenarbeiten. Auch hier haben sich die Entwickler ein gutes Feature aus Shadow Tactics abgeschaut: In Commandos: Origins dürft ihr das Geschehen jederzeit pausieren, so landet ihr in einem Planungsmodus. Nun dürft ihr für jede Spielfigur eine Aktion festlegen und diese dann gleichzeitig ausführen.
Beispiel gefällig? Der Green Beret lockt einen ahnungslosen Wachposten weg, indem er verdächtige Fußspuren im Sand hinterlässt. Was der Nazi-Soldat nicht weiß: Die Fährte führt zur Bärenfalle des Pioniers, die ihm kurz darauf ein hässliches Ende bereitet. Währenddessen hat sich der Marine aus seiner Deckung herausgewagt und einen zweiten Gegner lautlos mit der Harpune erledigt. Ein dritter Soldat muss das alles zwar mit ansehen, doch Alarm schlagen kann er nicht mehr - der Scharfschütze knipst ihn im selben Moment aus sicherer Position aus.
Quelle: Kalypso Media
Es dauert eine Weile, bis man das perfekte Timing für solche taktischen Puzzles gefunden hat. Doch wenn endlich alles hinhaut, möchte ich mir am liebsten eine dicke Zigarre in den Mundwinkel schieben: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!
Viel Spiel fürs Geld
Beim Umfang braucht sich Commandos: Origins nicht hinter der Konkurrenz zu verstecken: Die 14 Missionen sind überraschend lang und bieten oft freiwillige Bonusziele, da kann man locker 25 Stunden einplanen. Auf manchen Maps habt ihr außerdem mehrere mögliche Wege, die ihr einschlagen könnt - falls euch eine Herausforderung zu knifflig erscheint, probiert ihr's einfach auf der anderen Route.
Auch die Abwechslung stimmt: Da müsst ihr mal unter Feindfeuer aus einer Wüstenstadt fliehen, Flakgeschütze hochjagen, Dokumente stehlen, Geiseln befreien, Boote sabotieren und vieles mehr. Manche Einsätze spielen an entlegenen eisigen Orten, andere führen euch nachts in lauschige Dörfer an der Küste, in libysche Vorposten oder in schwer bewachte Bahnhofsanlagen - die Entwickler haben da also ein schönes Level-Paket geschnürt, das prima zu Commandos passt.
Gut gefällt mir auch, dass sich alle Helden regelmäßig zu Wort melden und während der Einsätze unterhalten. So lerne ich mein Team nach und nach besser kennen. Auch, wenn sie am Ende nie den Charme oder Wortwitz der Mimimi-Spiele erreichen, sind die Dialoge ein klares Plus für die Atmosphäre.
