25 Jahre Command & Conquer: Alarmstufe Rot - Seite 2
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Command & Conquer: Alarmstufe Rot stellte vor einem Vierteljahrhundert den ohnehin schon erfolgreichen Vorgänger in den Schatten. Wieso machte das Echtzeitstrategiespiel damals so viel Spaß, dass noch heute viele darüber reden?
Hier spielt die Musik
Ein ganz wichtiger, wenn auch häufig vernachlässigter Teil der Faszination von Command & Conquer: Alarmstufe Rot war der Soundtrack. Der US-Musiker Frank Klepacki komponierte weite Teile der Musik im Alleingang - im Alter von gerade einmal 20 Jahren. Im Zuge der Veröffentlichung von Command & Conquer Remastered sprach er 2020 mit 4Players über die damalige Zeit. Er erklärte, dass ihm Westwood weitestgehend freie Hand ließ.
"Command & Conquer ist deshalb so vielseitig im Klang, weil ein bisschen von allem drin ist. Es gibt orchestrale Musik, es gibt Hip-Hop, es gibt Metal, es gibt Industrial und es gibt Ambient-Stücke", so Klepacki. "Es ist einfach eine Vielzahl von Einflüssen enthalten und das ist auch nur so, weil ich alle Aspekte, die wir in unseren Meetings besprochen hatten, einfach mitgenommen und danach etwas komponiert hatte. Ich hatte das auch gemacht, um zu sehen, was letztendlich im Spiel bleiben würde und ob sich so eine musikalische Richtung herauskristallisieren könnte, aber wie sich herausgestellt hat, mochte jeder die Vielfalt und ist deswegen genauso geblieben", führte er im Interview aus.
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Klepacki erinnert sich daran, dass er das Titelthema Hell March an nur einem Tag komponiert habe. Die Grundidee dahinter war, dass die Schritte von Soldaten den Rhythmus vorgeben sollten. Der Rest des Tracks entstand laut Klepacki wie von allein. Was die Stimme zum Ende des Liedes ruft, weiß auch er nicht. Es geht auch hier weniger um den Inhalt als vielmehr "um die Wirkung, die das Unverständliche im Kontext der Marschgeräusche hätte". Die Musik ergänzte das Geschehen perfekt und gehört auch in späteren Teilen der Command-&-Conquer-Reihe zu einem wichtigen Stilelement.
Sowjets und Alliierte
Alarmstufe Rot blieb den spielerischen Tugenden des Vorgängers treu, wirkte aber insgesamt runder und ausgereifter. Die beiden Fraktionen besaßen individuelle Stärken und Schwächen. Im Gegensatz zu anderen Strategiespielen dieser Zeit, in denen die Entwickler die Fähigkeiten oft spiegelten, benötigte man für die Alliierten und die Sowjets eine eigene Herangehensweise. Das erklärte auch Brett Sperry im Interview: "Die beiden Seiten besaßen vollkommen andere Einheiten und erforderten somit unterschiedliche Taktiken. Trotzdem waren sie gut zueinander ausbalanciert. Insgesamt war das Spiel schneller, ohne dadurch an strategischer Tiefe einzubüßen." Okay, im letzten Punkt ist Sperry arg positiv. Wer Alarmstufe Rot häufiger spielt, weiß: Der Tank-Rush mit den Sowjets führte fast immer zum Sieg.
Quelle: PC Games
Fallschirmjäger sind ein probates Mittel, um Streitkräfte direkt in den Kampf oder gar hinter den feindlichen Linien abzusetzen.
Insgesamt aber bot das Spiel einen deutlich aufgeräumteren Ablauf als der erste Teil. Das begann bei Details wie etwa der Möglichkeit, dass wir mehrere Einheiten gleichzeitig in einen Truppentransporter ziehen durften und nicht mehr jede einzeln anwählen mussten. Oder eben auch der Tatsache, dass es nun Marine-Einheiten gab, die wir entsprechend einsetzen konnten. Wie bereits erwähnt erforderten Sowjets und Alliierte unterschiedliche Aktionen vom Spieler: Bei den Sowjets beispielsweise liebten wir es, unsere Basis mit unzähligen Tesla-Spulen abzusichern. Diese brutzelten herankommende Feinde mit nur einem Schuss weg, benötigten aber Unmengen von Strom. Im Multiplayer-Modus konterten andere Spieler unsere Herangehensweise auch gerne, indem sie einen Bombenangriff auf die Kraftwerke ausführten und so die knapp kalkulierte Stromzufuhr kappten.
Quelle: PC Games
Ein entscheidender Vorteil für die Alliierten: die Seestreitkräfte. Besonders die Kreuzer besaßen große Feuerkraft und eine hohe Reichweite, sodass sie Einheiten und Gebäude an Land bombardieren konnten.
Die Sowjets besaßen die schweren Waffen, waren aber im Umkehrschluss langsamer und fraßen mehr Ressourcen. Ihre Seestreitkräfte beschränkten sich auf das U-Boot. Die Alliierten auf der Gegenseite konnten schneller eine kleine Armee hochziehen und so flink angreifen. Die Panzer der Sowjets konterten sie mit Minenlegern und waren obendrein in der Lage, Truppenverbände mit Radarstörern zu tarnen. Über Sieg oder Niederlage entschied aber nicht selten der richtige Einsatz der Luft- und Seestreitkräfte. Zudem griffen die Alliierten auf die Chromosphäre zurück und konnten eine Einheit kurzzeitig in andere Bereiche der Karte teleportieren - etwa in die gegnerische Basis. Die Sowjets wiederum verwendeten den Eisernen Vorhang und machten so eine Einheit vorübergehend unverwundbar. In Anbetracht der Feuerkraft eines Mammut-Panzers konnte dies ein entscheidender Vorteil sein.
Quelle: PC Games
Mit Tanya wird Command & Conquer: Alarmstufe Rot zum Scheibenschießen. Die Agentin schaltet mühelos ganze Abwehrreihen im Alleingang aus. Allerdings muss sie sich vor Vehikeln und Abwehranlagen wie Teslaspulen in Acht nehmen.
Die Entwickler nahmen zudem Anleihen an einschlägigen Actionfilmen und baute auf Seiten der Alliierten Diebe und Spione ein. Wem es gelang, einen Dieb bis in die feindliche Raffinerie zu schleusen, erhielt die Hälfte der gegnerischen Credits. Mit dem Spion konnten wir dagegen die Pläne unseres Gegenübers ausspähen. Die Sowjets konterten diese Spezialeinheiten mit dem Wachhund, der als einzige Einheit Spione enttarnte. Command & Conquer: Alarmstufe Rot brachte auf verschiedenen Ebenen mehr Abwechslung und Tiefe ins Echtzeit-Gameplay ein.
Trotz vieler spielerischer Neuerungen waren die Parallelen zwischen Der Tiberiumkonflikt und Alarmstufe Rot für eingefleischte Spieler unübersehbar. Die Spiele teilten sich die Sprite-basierte Grafik und sogar einige Charakter- und Einheitenmodelle. Einen technischen Unterschied gab es aber zwischen der MS-DOS- und der Windows-Version: Während das Spiel unter DOS weiterhin in der VGA-Auflösung 320 x 200 lief, konnten Windows-Nutzer immerhin auf SVGA und damit auf 640 x 400 Pixel umschalten. Dadurch zoomte die Kamera ein gutes Stück raus, was mehr Übersicht bescherte. Für die Zwischensequenzen wechselte das Programm allerdings in den Interlaced-Modus und streckte die Videos somit auf die höhere Auflösung.
Was kam nach den Kampagnen?
Abseits des modifizierten Gameplays und der dezent angepassten Präsentation brachte Alarmstufe Rot aber auch Spielmodi mit ein, die ab diesem Zeitpunkt fester Bestandteil der Serie sein sollten - allen voran den Skirmish-Modus (auf Deutsch: Geplänkel). Hier konnten wir den enorm populären Mehrspielermodus "trocken" und gegen die Computer-KI trainieren. Dies erlaubte das Kennenlernen der Einheiten und Gebäude, ohne den Druck der Kampagne oder gar den der Gegenspieler. Skirmish mauserte sich zu einer äußerst populären Spielart und ergänzte die Serie ausgezeichnet. Schließlich konnten wir hier frei und ohne Reglementierungen spielen und im Zweifelsfall eine Partie neu laden oder einfach abbrechen. Kreative Hobby-Generäle bastelten sich zudem mit dem beiliegenden Editor eigene Karten und probierten sie im Anschluss allein oder im Multiplayer-Modus aus. Mehrspieleroptionen etwa im lokalen Netzwerk oder via Modem verliehen Command & Conquer eine enorme Langlebigkeit und schufen bei vielen Fans einprägsame Erinnerungen an spannende Gefechte mit Freunden.
Quelle: PC Games
Am Ende einer Mission präsentierte das Spiel eine Übersicht über den eigenen Highscore. Dieser motivierte, dieselbe Mission noch einmal auszuprobieren und die vorherige Punktzahl zu überbieten.
Daraus resultierte eine sehr aktive Community, die das Spiel bis heute am Leben hält - trotz des 2020 veröffentlichten Command & Conquer: Remastered. Diesen Prozess förderte auch Electronic Arts und veröffentlichte Command & Conquer: Alarmstufe Rot zum 13. Geburtstag als Freeware-Spiel. Daraus ergaben sich natürlich Modding-Möglichkeiten und weitere Veränderungen am ursprünglichen Spiel. Weitere Modding-Projekte wie OpenRA machten es sich zur Aufgabe, Command & Conquer: Alarmstufe Rot und andere Serienteile auf aktuellen Systemen umzusetzen. Beispielsweise implementierten Hobby-Entwickler so die Möglichkeit, zivile Gebäude zu besetzen und diese als Deckung zu nutzen. 2020 veröffentlichte Electronic Arts den kompletten Quellcode des Spiels und öffnete es somit endgültig für die Modding-Szene.
Quelle: PC Games
Command & Conquer: Alarmstufe Rot erschien im November 1997 auch für die erste PlayStation. Überraschenderweise kommandierte es sich mit dem Controller passabel und das Spiel fand trotz grafischer Einschränkungen seine Abnehmer.
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Die entscheidende Frage
Wieso ist Command & Conquer: Alarmstufe Rot also bis heute so beliebt? Kenner des Originals erinnern sich zweifellos an das damalige Spielerlebnis. Alarmstufe Rot war ein erzählendes Echtzeitstrategiespiel, das mit seinem innovativen Szenario und dem im Vergleich zum Vorgänger intelligent verbesserten Gameplay punktete. Das Spiel holte einen emotional auf allen Ebenen ab: Durch die damals technisch aufwendigen Zwischensequenzen und ihren Humor, aber eben auch durch die abwechslungsreichen Missionen und die spielerisch unterschiedlichen Fraktionen. Wie gut Command & Conquer: Alarmstufe Rot funktionierte, zeigte sich schließlich im Geplänkel- und vor allem im Mehrspieler-Modus.
Heute haben wir die Wahl: Wollen wir die offizielle Version in der Remastered-Edition, den kostenlosen Klassiker oder vielleicht doch die von Fans überarbeitete Variante spielen? So oder steht fest: Command & Conquer: Alarmstufe Rot ist ein lebendiges Stück Spielegeschichte und kann auch im Vergleich mit modernen Genre-Vertretern noch mithalten.
