25 Jahre Command & Conquer: Alarmstufe Rot - Ein Vierteljahrhundert Echtzeit-Expertise!

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
25 Jahre Command & Conquer: Alarmstufe Rot - Ein Vierteljahrhundert Echtzeit-Expertise!
Quelle: PC Games

Command & Conquer: Alarmstufe Rot stellte vor einem Vierteljahrhundert den ohnehin schon erfolgreichen Vorgänger in den Schatten. Wieso machte das Echtzeitstrategiespiel damals so viel Spaß, dass noch heute viele darüber reden?

Echtzeitstrategie ist noch lange nicht tot! Das bewiesen zuletzt die überaus erfolgreichen Launches von Age of Empires 4 oder Command & Conquer: Remastered im Jahr 2020. Doch die Euphorie früherer Zeiten ist vorüber. Mitte der 1990er-Jahre entfachten Meilensteine wie Warcraft, Age of Empires und vor allem Command & Conquer einen wahren Run auf das Echtzeitstrategie-Genre. Basisbau, Armeen rekrutieren, Ressourcen sammeln - diese Eckpfeiler machten die Spielart zeitweise zur beliebtesten auf dem Markt.

Die im Jahr 2003 leider aufgelösten Westwood Studios gelten in diesem Bereich als Vorreiter. Ihr bereits 1992 veröffentlichte Dune 2 - Battle for Arrakis erreichte zwar nicht die breite Masse, diente aber als Basis für kommende Werke. Mit dem 1995 veröffentlichten Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt landete das Studio aus Las Vegas schließlich einen Mega-Hit. Ursprünglich in einem Fantasy-Setting angesiedelt, änderten die Verantwortlichen aufgrund des Golf-Kriegs das Szenario.

Krieg und Terrorismus bestimmten damals die Schlagzeilen, und so erzählte Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt vom futuristischen Krieg der Global Defense Initiative (kurz GDI) und der fanatischen Bruderschaft von Nod rund um deren charismatischen Anführer Kane. Command & Conquer verknüpfte Zeitgeist mit Storytelling und einem unverbrauchten Gameplay-Ansatz. In Interviews beschrieb Brett Sperry, Mitgründer der Westwood Studios, Command & Conquer "als das Netto-Ergebnis der Wunschliste für Dune 2" und als "das zu dieser Zeit ultimative Echtzeitstrategiespiel".

Doch nach diesem Erfolg musste ein Nachfolger her. Schließlich hatte Westwood mit Blizzard Entertainments Warcraft-Spielen oder auch dem von Bitmap Brothers entwickelten Z bereits mächtig Konkurrenz.
Alarmstufe Rot erschien in Deutschland lediglich in einer geschnittenen Version. Statt menschlicher Soldaten kontrollierten wir damals Cyborgs, die nicht rot, sondern schwarz „bluteten“. Quelle: PC Games Alarmstufe Rot erschien in Deutschland lediglich in einer geschnittenen Version. Statt menschlicher Soldaten kontrollierten wir damals Cyborgs, die nicht rot, sondern schwarz „bluteten“. Ein weiterer Hit muss her

Mit Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt erschufen die Westwood Studios ihren eigenen Hype. Nun rollte die Echtzeitstrategie-Welle und die Spieler dürsteten nach mehr. Westwood änderte die ursprünglichen Pläne: Eigentlich wollte man Erweiterungen entwickeln und veröffentlichen. Doch nur 14 Monate nach dem Erscheinen des ersten Teils kam mit Command & Conquer: Alarmstufe Rot bereits der Nachfolger. Der Entwickler feuerte also aus allen Kanonen und erzeugte so eine extreme Bindung mit der Spielerschaft. Kaum hatten die Fans Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt verdaut und verarbeitet, gab es bereits kurze Zeit später neues Futter. Nadia Zelenkov, die rechte Hand von Josef Stalin, begleitet euch durch das gesamte Spiel. Sie läuft am Ende zu Kane über und ermordet ihren einstigen Anführer. Quelle: PC Games Nadia Zelenkov, die rechte Hand von Josef Stalin, begleitet euch durch das gesamte Spiel. Sie läuft am Ende zu Kane über und ermordet ihren einstigen Anführer.

In der heutigen Zeit sind wir alljährliche Updates bekannter Marken wie Call of Duty, FIFA und Co. gewohnt. Damals war diese Fließbandarbeit aber etwas Neues und wurde deshalb von den Spielern positiv aufgenommen. Command & Conquer: Alarmstufe Rot war zudem kein klassischer Nachfolger. Nicht nur fehlte die "2" im Titel, es fungierte auch als Prequel zu den Geschehnissen des Vorgängers.

Westwood Studios baute indes auf den technischen und spielerischen Möglichkeiten des ersten Teils auf, wie auch Brett Sperry bestätigte: "In vielen Punkten war Alarmstufe Rot eine Verfeinerung dessen, was wir in Der Tiberiumkonflikt präsentierten."

Eine neue Zeit bricht an

Mit Command & Conquer: Alarmstufe Rot schlugen die Westwood Studios ein neues Kapitel in der Geschichte des Science-Fiction-Universums auf. Bis heute erinnern sich Fans vor allem an die Story und an deren Inszenierung. Es spielte in einer alternativen Zeit, in der Adolf Hitler nie an die Macht kam und es keinen Zweiten Weltkrieg gegeben hat. Der deutsche Physiker Albert Einstein reiste zurück ins Jahr 1924 und schleuderte den frisch aus dem Gefängnis entlassenen Hitler in ein Paralleluniversum, wo er keinen Schaden mehr anrichten konnte. Das allerdings verdrehte die Geschehnisse in Hinblick auf den Zweiten Weltkrieg: Die Sowjetunion erwuchs zu ungeahnter Stärke, und es entstand ein Machtverhältnis wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Die Sowjets unter der Führung von Josef Stalin planten, Europa zu erobern. Als Gegengewicht formierten sich die Alliierten, die den Vorstoß verhindern wollten. Der Spieler selbst übernahm die Rolle eines namenlosen Generals, der die Befehle der Oberen auszuführen hatte.
Tanya ist nicht nur eine der Nebenfiguren in den Zwischensequenzen, sondern auch Elite-Soldatin in den Missionen. Sie erledigt feindliche Infanterie mit einem Schuss und kann Gebäude sprengen. Quelle: PC Games Tanya ist nicht nur eine der Nebenfiguren in den Zwischensequenzen, sondern auch Elite-Soldatin in den Missionen. Sie erledigt feindliche Infanterie mit einem Schuss und kann Gebäude sprengen.

Das Science-Fiction-Szenario war also denkbar ungewöhnlich und sicherlich eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale des Spiels. Die Macher präsentierten Alarmstufe Rot dabei längst noch nicht so abgedreht wie spätere Serienableger, es besaß aber zweifellos einen zynischen Unterton, der die ansonsten düstere Geschichte auflockerte. Sperry: "Aufgrund der übergeordneten Tonalität und dem Feeling rückte Alarmstufe Rot das Genre in eine ganz andere Richtung. Es hatte einen einzigartigen Charme und einen besonderen Humor - dank der kulturellen und historischen Referenzen".

Das Spiel lieferte zwei aus jeweils 15 Missionen bestehenden Kampagnen - je eine für die Alliierten und die Sowjets - und wartete mit unterschiedlichen Enden und Entwicklungen auf. Auch wenn der Spieler keinen direkten Einfluss auf die Geschehnisse selbst nehmen konnten, fühlte er sich als General dennoch wichtig. Schließlich zogen die eigenen Taten Konsequenzen nach sich. Der Sanitäter nimmt gerade in Mehrspieler-Duellen eine wichtige Position ein: Mit ihm können wir verwundete Kameraden heilen und wieder zurück in die Schlacht schicken. Quelle: PC Games Der Sanitäter nimmt gerade in Mehrspieler-Duellen eine wichtige Position ein: Mit ihm können wir verwundete Kameraden heilen und wieder zurück in die Schlacht schicken.

Die von Sperry angesprochenen Referenzen werden beispielsweise beim Abspann der Sowjet-Kampagne deutlich. Hier spannt Command & Conquer: Alarmstufe Rot den Bogen zum Vorgänger: Wir beobachten, wie ein siegreicher Stalin seine Erfolge feiert. Er spottet darüber, dass die Briten ihre Staatsoberhäupter schneller verlassen hätten als Ratten das sinkende Schiff. Danach lacht und tanzt Stalin albern und macht es sich bequem, indem er seinen Gürtel auszieht. Neben ihm steht Kane - ruhig und kontrolliert. Nadia, die Chefin des Innenministeriums, reicht Tee. Stalin witzelt, nimmt dann aber eine Tasse und trinkt gleich mehrere große Schlucke. Es folgt der Verrat: Stalin bricht vergiftet zusammen. Nadia zückt die Pistole, schießt ihm gleich mehrfach in den Körper und einmal in den Kopf. Kane übernimmt die Kontrolle über die Sowjetunion.

Westwood Studios glückte mit Command & Conquer: Alarmstufe Rot die Gratwanderung zwischen brutaler Härte und Polit-Persiflage. Diese Note machten das Spiel besonders und hob es für viele von Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt ab. Zugleich schlug man hier aber auch eine Brücke und sorgte bei Kennern des ersten Teils für einen Aha-Effekt. Kane, der ohnehin für viele der heimliche Held des Spiels war, gewann dadurch noch einmal an Stärke und Bedeutung hinzu.

Erlebte Geschichte

Eine besondere Rolle nahmen dabei die sogenannten Full-Motion-Video-Sequenzen (kurz FMV) ein. Westwood Studios erstellte über eine Stunde Videosequenzen mit echten Schauspielern, teils aufwendig vor dem Greenscreen inszeniert. Im Gegensatz zu späteren Serienteilen, in denen etwa J.K. Simmons (bekannt unter anderem aus Spider-Man) oder Tim Curry (bekannt aus Stephen Kings Es) vor der Kamera standen, verzichtete man hier noch auf bekannte Schauspieler. Arthur Roberts, der General Gunter von Esling mimte, spielte etwa in der TV-Serie General Hospital mit. Albert-Einstein-Darsteller John Milford war vorwiegend aus Serien wie Homefront oder The Legend of Jesse James bekannt. Die Namen waren also kein verkaufsentscheidender Faktor, dennoch strahlten die Videosequenzen damals etwas Besonderes aus.

Denn so pixelig und amateurhaft sie heute sein mögen, so unterstrichen diese Einspieler die Wertigkeit des gesamten Produkts. Für nicht wenige Spieler waren sie in Verbindung mit der skurrilen Story ein Grund, Command & Conquer: Alarmstufe Rot zu beenden. Man wollte einfach wissen, wie es weitergeht! Auch wenn der Unterschied zwischen Ingame-Grafik und Zwischensequenzen kaum größer hätte sein können, so wehte hier doch der Geruch von Hollywood über den Bildschirm. Dieses erzählerische Stilmittel wurde auch erst durch das vergleichsweise neue Speichermedium der CD-ROM mit ihren für damalige Verhältnisse sagenhaften 650 Megabyte möglich gemacht. Die CD hatte sich dank Pionieren wie The 7th Guest oder Rebel Assault (beide 1993 erschienen) durchgesetzt und war nicht zuletzt dank Spielen wie Command & Conquer: Alarmstufe Rot aus der Spieleindustrie nicht mehr wegzudenken.

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