Faszination Landwirtschafts-Simulator: Von E-Sport, Moddingkultur & Fanfesten
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Der Spieleherbst 2021 ist vollgepackt mit Blockbustern, die Millionen Spieler versammeln. Doch zittern sie in Deutschland und Europa vor einem Konkurrenten: dem Landwirtschafts-Simulator! Wir gehen dem ganzen auf dem Grund und klären, was hinter der Faszination steckt. Mit Video!
Battlefield, Call of Duty, Far Cry: Der Spieleherbst ist voll mit Blockbustern, die Millionen von Spielern versammeln. Doch zittern sie in Deutschland vor einem Konkurrenten, von dem ebenfalls ein neuer Titel kommt: dem Landwirtschafts-Simulator!
Seit über einem Jahrzehnt werden die Spiele des LS entwickelt und seitdem steht die Reihe als Dauerbrenner in den Spielecharts bei uns in Deutschland. Wir gehen dem Ganzen auf den Grund, haben mit den Entwicklern, Fans und Profi-Spielern gesprochen und klären, was hinter der Faszination steckt, dem digitalen Landleben zu frönen.
In diesem Artikel
Ab auf den Acker!
Quelle: pcgames
An mancher Stelle im LS 2008 kamen nur blanke, farbige Texturen zum Einsatz.
Das Jahr 2008 ist ein gutes Spielejahr mit GTA 4, Fallout 3, Left 4 Dead oder Dead Space. Es gab viel zu tun, und doch wenden sich einige Spieler ab, um vor dem PC Felder zu pflügen, Pflanzen zu düngen und die Ernte einzufahren. Am 14. April 2008 bringt die Entwicklerfirma GIANTS Software aus der Schweiz mit nur zwei Entwicklern den Landwirtschafts-Simulator 2008 auf den Markt.
Auf den ersten Blick ein extremer Nischentitel mit kruder Grafik. Die Landschaften detailarm, die Animationen abgehackt und Modelle haben stellenweise nur blanke, farbige Texturen.
Trotzdem kann bereits beim Debut mit dem Landmaschinenhersteller Fendt ein großer Partner gewonnen werden, der seine Traktoren für das Spiel lizensiert. Außerdem scheint das Kernelement, das bis heute den Landwirtschafts-Simulator ausmacht, auch damals schon gut zu funktionieren: Die Feldarbeit.
Quelle: pcgames
Martin Rabl - Head of Marketing & Public Relations bei GIANTS Software.
Bereits 2008 muss man seinen Acker pflügen, sähen, die Pflanzen düngen und ernten, um seinen Ertrag schlussendlich zu verkaufen. Vom eingebrachten Geld legt man sich dann neue Landmaschinen zu. Dieser Gameplayloop trifft einen Nerv bei vielen Spielern.
Trotz Krümelgrafik klettert der LS 2008 innerhalb kurzer Zeit in die hohen Positionen der Verkaufscharts. Mit solch einem Erfolg haben die Entwickler zwar nie im Leben gerechnet, doch stehen sie schnell mit dem passenden Surfbrett bereit, um die sich anbahnende Erfolgswelle zu reiten.
Seit 2009 erscheint - mit Ausnahme von 2020 - jedes Jahr ein neuer Teil der Simulation, entweder für PC und Konsolen oder mobile Plattformen. Innerhalb der Jahre hat man sich dabei eine ordentliche Fanbase aufgebaut.
Laut Martin Rabl, Head of Marketing & PR bei GIANTS, liegt das an vielen Faktoren. Einer der wichtigsten sind die Entschleunigung und Selbstbestimmung. Der Landwirtschafts-Simulator lässt einem die Möglichkeit, das Tempo seines Fortschritts selbst festzulegen. Wie viele Felder bewirtschaftet man, wann bringt man die Ernte weg und welches neue Gerät kauft man sich?
Quelle: pcgames
Große Maschinen zu fahren ist durchaus einer der Reize des Landwirtschafts-Simulators.
Alles Fragen, die man sich in Ruhe selbst beantworten kann. Das Konzept geht auf und wird über die Jahre ausgebaut mit Viehzucht, Holzfällerarbeit und mehr. Das bringt dem LS seit seinem Start auf über 25 Millionen verkaufte Einheiten.
Das liegt zwar nicht in den astronomischen Größen eines Call of Duty oder GTA 5, trotzdem würde sich so mancher Publisher ähnliche Erfolge wünschen. Ein Erfolg, der mit dem Landwirtschafts-Simulator 22 (jetzt kaufen 39,89 € / 17,99 € ) weiter ausgebaut werden soll.
"Vom Kleinkind bis zum Rentner"
Quelle: pcgames
Mit Precision Farming, Düngemitteleinsatz und mehr, steckt eine ungeahnte Tiefe hinter dem LS.
Das zu schaffen, ist absolut nicht unwahrscheinlich, denn der Pool aus potenziellen Spielern ist riesig, wie Randy Pfeifer, Betreiber der Youtube-Channel "Cornhub" und "SachsenLetsPlayer" meint:
"Der Vorteil am LS ist ja, dass er eine USK-Freigabe ab 0 Jahren hat, also theoretisch kann es jeder spielen, vom Kleinkind bis zum Rentner. Jeder weiß: Du hast einen Traktor, du hast einen Grubber - du machst Felder damit. Du hast einen Mähdrescher und drischst das Korn damit. Das versteht auch ein kleines Kind. Erfahrene Spieler bringen per Mod mit Bodenproben und Precision Farming mehr Realismus rein."
Seit 2016 veranstaltet GIANTS die eigene "FarmCon" und geht dort mit der Community auf Tuchfühlung. So bestätigt sich das Bild der breiten Bevölkerungsschicht. Die schließt sogar Landwirte selbst ein, die im Simulator neue Traktoren begutachten oder Bereiche außerhalb der eigenen Spezialisierung entdecken können.
Die Affinität für so ein spezielles Genre wie das des Landwirtschafts-Simulators haben viele gar nicht auf dem Schirm. Dabei steckt mit Bodenbeschaffenheit, Düngemitteleinsatz, Tierzucht und mehr eine ungeahnte Tiefe im Spiel, die Neulinge überrascht.
Um diese Tiefe auszubauen, fügt der dieses Jahr erschienene Landwirtschafts-Simulator 22 neue Features ein, die sich Spieler schon lange wünschen. Mit den Jahreszeiten müssen sich digitale Landwirte an den Kalender halten und zur richtigen Zeit ihre Saat ausbringen und ernten.
Produktionsketten erweitern das Geschäft um Teile der verarbeitenden Industrie, und mit dem neuen Sounddesign sollen Spieler noch tiefer eintauchen. Doch sind diese Features gerade für PC-Spieler nicht unbedingt neu. Mit beliebten Mods gab es die neuen Elemente vielfach schon im Vorgänger.
Quelle: GIANTS
Mit der FarmCon veranstaltet GIANTS seit 2016 eine eigene Messe, die zahlreiche Besucher anzieht.
Ich modde dir was!
Quelle: pcgames
Die Modding-Community ist ein fester Bestandteil des LS, die für eine enorme Langlebigkeit sorgt.
Schon seit dem LS 2008 bauen sich Enthusiasten Erweiterungen für ihren Simulator. Seien es nur Fahrzeuge und Geräte, die es nicht in die Vollversion geschafft haben, oder ganz neue Karten und Systeme. Dabei profitieren beide Seiten enorm. Auf der einen Seite geben die Entwickler ihre Werkzeuge an die Community, die sich damit ihren Simulator so spezialisieren kann, wie sie ihn sich wünscht. Auf der anderen Seite verlängert Giants damit den Support und das Interesse an jedem neuen Teil.
Bethesda fährt mit seinen Rollenspielen schon seit Jahrzehnten eine ähnliche Strategie. Unter anderem deshalb ist Skyrim bis heute ein Dauerbrenner bei vielen Spielern. Die Modder werden mit dem Lebenszyklus der Spiele erfahrener im Umgang mit den Entwicklerwerkzeugen und erstellen immer aufwendigere Modifikationen für Spieler. Ein sich selbst erhaltendes Ökosystem.
Quelle: GIANTS
Mit eigenen Kursen geben die Entwickler den Moddern ihre Werkzeuge an die Hand. Die bauen sich dann ihre eigenen Erweiterungen.
Das ist auch Giants selbst bewusst, die engen Kontakt zu ihrer Mod-Community halten. So ist die FarmCon ursprünglich als Treffen für Modding-Freunde entstanden, damit man auf Wünsche und Forderungen der Community eingehen kann.
Nichtsdestotrotz kann einem Entwickler das auch auf die Füße fallen. Einerseits gibt es Rufe aus der Community, die Giants vorwerfen, nur Features aus beliebten Mods in ihre neuen Teile einzubauen. Schließlich gibt es für den LS 19 bereits Produktionsketten-Erweiterungen und die überaus beliebte Seasons-Mod fügt auch Jahreszeiten ins Spiel. Einer der Ersteller dieser Modifikation arbeitet mittlerweile sogar bei GIANTS selbst.
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