SBMM und EOMM: Die Wahrheit über modernes Matchmaking in Videospielen - Seite 1

Special Antonia Dreßler
SBMM und EOMM: Die Wahrheit über modernes Matchmaking in Videospielen - Seite 1
Quelle: Sebastian Arie Voortman/Pexel, Activision Blizzard, Montage: PC Games

Matchmaking in Videospielen ist schon lange nicht mehr das, was es einmal war. Warum moderne Systeme eine Gefahr für den Spielspaß darstellen, klären wir.

Wenn Algorithmen anstrengend werden

Laut Dr. Roth ist es erst einmal nichts Verkehrtes, dass Algorithmen uns Gegenstände vorschlagen, die wir wollen und uns in Matches packt, mit Parametern, die wir mögen: "Wir wollen ja die Dinge schneller finden, die auch uns interessieren. Aber das kann auch dazu führen, dass wir den Tricks unterliegen, die uns dazu bringen, noch mehr Geld auszugeben als wir es eigentlich wollen."

Es ist ein schmaler Grat, zwischen dem, was Spieler wollen, und dem, was sie zu wollen eingetrichtert bekommen haben. Sicherlich möchten sie nicht zum Tätigen von Mikrotransaktionen motiviert werden, aber auch gegen andere Systeme werden die Spieler laut. In einschlägigen Foren und auf Reddit regen sich immer mehr Spieler über EOMM auf und dass dadurch keine fairen Matches generiert werden. Man will nicht manipuliert werden, und es ist legitim zu fragen: Welchen Wert hat kompetitives Spielen, wenn ein Algorithmus bereits bei der Spielersuche entscheidet, ob man gewinnen oder verlieren soll?

Aber ein faires Matchmaking auf Basis der Spielerfähigkeiten ist für viele auch nicht die Lösung, die sie sich erhoffen. Spieler beschweren sich über einfaches Skillbased Matchmaking, weil sie nicht dauerhaft schwitzen wollen. Schwitzen heißt, dauerhaft angestrengt seine Bestleistung geben zu müssen, statt auch mal entspannt nur zum Spaß spielen zu können.

Um zu wissen, was das Problem am Schwitzen ist und warum es viele Spieler so aufregt, muss man sich vor Augen führen, was in so einer Situation abläuft.

"Außenstehende verstehen nicht, dass das nicht mehr spielen ist, sondern das Gehirn auf Hochleistung läuft. Und das strengt an." so Dr. Roth. "Das, was man so als Unterhaltung wahrnimmt, ist in Wirklichkeit harter sportlicher Wettkampf und wenn man immer mit leicht besseren oder gleich guten Gegnern gematcht wird, dann hat man gar keine Chance sich mal zu erholen und auch einfach mal was Anderes auszuprobieren."

Statt sich zu entspannen und spielerisch mit anderen Menschen zu interagieren, tritt das Gegenteil ein. Dass uns das Spiel absichtlich mit schlechteren Gegnern paart, wie im Engagement Optimized Matchmaking, bringt aus psychologischer Sicht keine Abhilfe.

Denn das sorgt bei den Spielern für einen Effekt, der Stützrädern gleichkommt. Ein Sieg oder ein positives Erlebnis werden überschattet davon, dass man es nicht selbst geschafft, sondern das Spiel quasi für einen geschummelt hat. Der Erfolg ist also kein echter.

Lösungen für Spieler und Entwickler

Für Spieler empfiehlt Dr. Roth, sich bewusst zu werden, warum man spielt und sich danach die Spiele und Spielmodi auszusuchen. Das hilft auch dabei, eine Computerspielsucht vorzubeugen, die durch gewisse Matchmaking-Mechaniken verstärkt werden kann. Wenn man also spielt, um sich zu entspannen und man durch einen Titel nur gestresst ist, dann ist die Lösung, sich einfach ein anderes Spiel zu suchen.

Praktisch kann man sich innerhalb eines Spiels auch einen anderen Modus aussuchen, aber nicht jedes Spiel bietet entsprechende Optionen, um sich nach einem Arbeitstag nur zu entspannen und nicht dauerhaft gestresst mit anderen Spielern zu konkurrieren.

Auf Entwicklerseite und im Falle von Call of Duty könnte es eine Lösung sein, wenn es einen nicht kompetitiven Casual-Modus gäbe, der keinen Einfluss auf das interne Ranking hat, das permanent im Hintergrund abläuft. Eine derartig entspannte Spielatmosphäre wünschen sich viele Spieler.

Eine Antwort, warum sich Skill als Wert nicht von den restlichen Matchmaking-Parametern lösen lässt, haben wir nicht bekommen. Neben möglichen technischen Einschränkungen existiert aus Unternehmenssicht ein simpler Grund, warum sich ein Casual-Modus nicht lohnt.

So ein Modus fördert das Engagement nicht in demselben Ausmaß wie ein Ranglisten-Modus. Und da Engagement mehr Geld bringt, stünde ein solcher Modus den Zielen einer gewinnorientierten Firma entgegen. SBMM und EOMM: Die Wahrheit über modernes Matchmaking in Videospielen (1) Quelle: Jeshoots.com/Pexel SBMM und EOMM: Die Wahrheit über modernes Matchmaking in Videospielen (1)

Spielen sollte Spaß machen

Natürlich muss nicht jedes Spiel für jede Lebenssituation einen passenden Modus bereithalten. Die Kritik von Spielerseite, dass ihr liebster Titel ihnen potenziell nicht das gibt, was sie sich wünschen, ist trotzdem berechtigt.

Denn diese Spiele sorgen durch ihre Mechaniken dafür, dass man sich an sie bindet, indem sie bestimmte Lern- und Suchttrigger bedienen. Aber es sind die gleichen Mechaniken, die auch dafür sorgen, dass der Spielspaß auf lange Sicht zum Erliegen kommt, sobald wir sie erahnen oder um sie wissen.

Für Dr. Roth steht der Spielspaß beim Zocken im Vordergrund. Der ist aber auch durch Zufall und Experimentierfreude bestimmt und wird durch äußeres Eingreifen, wenn überhaupt gemindert:

"Je weniger da Algorithmen uns reinfuchsen, desto spaßiger bleibt es auch und desto mehr Engagement haben wir dann. Das kann durchaus backfiren, wenn man da jetzt zu viel an Schrauben dreht. Irgendwann mal sagen wir als Spielergemeinschaft: 'ne, wir suchen uns jetzt Spiele, wo das nicht so ist, und wo die Firmen sagen, wir versprechen euch, dass da keine Manipulation stattfindet.'"

Eine große andere Möglichkeit bleibt Spielern nicht, als sich von Firmen abzuwenden, die solche Praxen in die Tat umsetzen. Auf welche Unternehmen das zutrifft, ist jedoch kaum auszumachen.

Am Ende muss man aus Psychologensicht auf sich selbst schauen und wenn man mit einem Spiel dauerhaft unglücklich ist, bleibt nur Reflexion: Warum spiele ich überhaupt dieses Spiel? Der Grund kann Entspannung sein, die Suche nach Wettkampf, die soziale Komponente oder eine Mischung aus mehreren Faktoren. Und wenn der Titel einem nicht das gibt, was man eigentlich sucht, dann ist es in Ordnung, einen Schlussstrich zu ziehen und sich anderen Titeln zuzuwenden.

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