SBMM und EOMM: Die Wahrheit über modernes Matchmaking in Videospielen - Seite 1
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Matchmaking in Videospielen ist schon lange nicht mehr das, was es einmal war. Warum moderne Systeme eine Gefahr für den Spielspaß darstellen, klären wir.
Der Schluss der Studie ist eindeutig in der Zusammenfassung formuliert: Matchmaking basierend auf Fairness ist nicht optimal für das Engagement und im Umkehrschluss auch nicht optimal für Unternehmen und Entwickler. Eine auf Engagement optimierte Matchmaking-Umgebung wird einen Spieler, der gerade viele Matches verliert, absichtlich in Runden packen, in denen die Chance auf einen Sieg größer ist. Aber es ist laut der Studie von der sieben Wissenschaftler auch nicht ideal, wenn ein Spieler nur gewinnt. Das heißt, ein Spieler, der viel gewinnt, wird in Matches gesteckt, die er wahrscheinlich verlieren wird.
Aus Forschersicht analysiert das ideale System die Spieler zu jeder Zeit, beobachtet stets, wie sie auf Veränderungen reagieren und passt dementsprechend die Parameter an. Auf diese Art und Weise kann man mit EOMM auch andere Ziele ins Auge fassen. Statt die Spielzeit zu verlängern, könnten Gamer dazu angehalten werden, mehr Geld auszugeben. Das ist allerdings gar nicht nötig, wenn man einer Studie des INFORMS Journal glauben darf, einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift für Informationssysteme. Drei Forscher belegten 2019, dass mit erhöhter Spielzeit auch die Ingame-Käufe steigen, also ein direkter Zusammenhang zwischen Engagement und Einnahmen besteht.
Kein Wunder also, dass es Videospiel-Publisher gibt, die Patente für genau solche Systeme besitzen. Bereits 2016 meldete Electronic Arts ein Patentmit dem Namen "Multiplayer Video Games Matchmaking Optimization" an. Auch hier geht es darum, die Zeit zu erhöhen, die Spieler in Videospielen verbringen. Indem das System die Spieler analysiert, kann es ihnen davon ausgehend maßgeschneiderte Matches zuschreiben.
So funktioniert EOMM
Dass EOMM überhaupt funktioniert, liegt daran, dass dieselben Mechanismen wie beim Glücksspiel wirken. Laut Dr. Roth spricht man in der Psychologie von operantem Konditionieren. "Der Psychologen Skinner hat herausgefunden, dass eine Verstärkung stattfindet von Verhaltensweisen, wenn wir nicht genau vorhersagen können, wann die Belohnung eintritt. Und genau das passiert auch bei diesem Matchmaking System."
In der sogenannten Skinner-Box befindet sich nichts außer einem Knopf und einer Ratte. Drückt sie den Knopf, erhält sie etwas zu Essen. Dadurch lernt sie durch die sogenannte kontinuierliche Verstärkung, immer dann die Aktion auszuführen, wenn sie Hunger hat.
Bekommt die Ratte nur manchmal etwas zu Essen, wenn sie den Knopf drückt, dann tut sie das wesentlich öfter, da sie nicht weiß, wann der gewünschte Effekt eintritt. Das nennt sich intermittierende Verstärkung und ist eine der stärksten Lernformen, die es gibt.
Das hängt damit zusammen, dass Dopamin am meisten dann ausgeschüttet wird, wenn man eine Belohnung erwartet, nicht wenn sie eintritt. In einem Experiment fanden Forscher heraus, dass dieser Effekt noch verstärkt wird, wenn die Belohnung nicht garantiert ist.
Der Zufallsfaktor erhöht also den Dopaminausschuss. Das Gleiche passiert beim Spielen und der Suche eines neuen Matches in Online-Spielen. Nur statt aus Nahrung besteht die Belohnung im Gewinnen eines Matches.
Quelle: Darya Sannikova/Pexel
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"Es ist wie ein einarmiger Bandit im Casino, wo man immer weiter diesen Hebel zieht und verliert, bis schließlich ein kleiner Gewinn kommt. und das hat so eine starke Wirkung für uns." Obwohl laut Dr. Roth der gleiche psychologische Lerneffekt dahintersteht, handelt es sich dabei aber trotzdem ganz klar um kein Glücksspiel, wie er hervorhebt.
Die eigenen Fähigkeiten spielen weiterhin eine große Rolle und auch in anderen Matchmaking-Systemen kann man nie sicher sein, ob man gewinnt oder verliert.
Es handelt sich letztlich um einen Mechanismus, der Online-Spielen immer zugrunde liegt. Ob tatsächlich ein System im Hintergrund existiert, dass uns in unfaire Matches packt, lässt sich weder anhand der eigenen Erfahrungen noch durch den Austausch mit der Community bestätigen.
Das liegt daran, dass Menschen attribuieren, erzählt uns Dr. Roth, also ein negatives Ergebnis auf externe Faktoren beziehen und positive Dinge auf die eigenen Fähigkeiten. "Wenn man ein paar Runden spielt und verliert, hat man das Gefühl: Das liegt im Algorithmus. Man muss sich aber bewusst sein, dass wir wirklich schlecht darin sind, solche Patterns, solche Muster zu erkennen."
Spieler können kaum einschätzen, was die Algorithmen im Hintergrund wirklich machen. Trotzdem existieren sie, die Netzwerke und Systeme, die uns in irgendeiner Art beeinflussen. Wirkliche Sicherheit, was genau abläuft, kann eigentlich nur der Entwickler oder Publisher geben.
Auf unsere weiteren Nachfragen bei Activision wurden wir damit vertröstet, dass man auf uns zurückkommen würde, sobald der Launch von Call of Duty: Modern Warfare 2 über die Bühne gegangen sei.
Doch auch nach mehreren Rückfragen im Laufe mehrerer Monate haben wir keine klare Antwort erhalten. Unsere Fragen seien aber weitergeleitet worden. Bei EA war das Feedback schnell und eindeutig: Intern gäbe es niemanden, der etwas zum Thema Matchmaking-Systeme und ihrem Patent sagen könne.
