SBMM und EOMM: Die Wahrheit über modernes Matchmaking in Videospielen - Seite 1

Special Antonia Dreßler
SBMM und EOMM: Die Wahrheit über modernes Matchmaking in Videospielen - Seite 1
Quelle: Sebastian Arie Voortman/Pexel, Activision Blizzard, Montage: PC Games

Matchmaking in Videospielen ist schon lange nicht mehr das, was es einmal war. Warum moderne Systeme eine Gefahr für den Spielspaß darstellen, klären wir.

Der relative Skilllevel der Spieler wird ebenfalls als Faktor eingebunden, genauso, ob Freunde des Spielers online sind und man ihn mit diesen matchen kann. Der Spielstil kann hinzugezogen werden, also ob ein Spieler eher aggressiv ist oder lieber vorsichtig vorgeht. Das wirkt sich auf die Teamzusammensetzung aus, denn manche Spieler matchen lieber mit Gunrunnern, andere mit Scharfschützen. Am Ende hängt aber alles von der Wartezeit ab: Je länger ein Spieler auf ein Match wartet, desto unwichtiger werden alle anderen Faktoren.

Als Call-of-Duty-Influencer, eSportler und seines Zeichens ehemaliger Angestellter bei Activision führt Mavriqgg auf seinen Kanälen aus, dass Spielerprofile bedeutend weiter in die Tiefe gehen. Gewählte Einstellungen, die Tageszeiten, zu denen man spielt, Eingabegeräte, wie man sich im Spiel bewegt und wofür man wann Geld ausgibt - alles wird erfasst. Das deckt sich mit Patenten von Activision, in denen von der "Analytics and Feedback Engine" die Rede ist. Was Maveriqgg ebenfalls ins Feld führt, ist, dass es sich bei Call of Duty nicht um reines Skillbased-Matchmaking handelt, sondern eine Kombination aus SBMM und EOMM, also Engagement Optimized Matchmaking, worauf wir später einen genaueren Blick werfen.

Kein Match ohne Ranking

Dass in Call of Duty das Matchmaking immer Skill-basiert ist, bestätigen auch andere Youtuber. Drift0r führte sowohl zum 2019er Modern Warfare als auch zum 2020er Black Ops Cold War Studien durch. Die dabei erhobenen Daten sind einsehbar und sind nach wissenschaftlichen Standards ausgewertet worden, sind aber von keiner höheren akademischen Einrichtung kontrolliert.

Dabei stellte er fest, dass es ein Ranking-System geben muss, dass Spieler mit Leuten in eine Gruppe steckt, die einen ähnlichen Skill-Level haben. Dieser Level oder Rang wird einem allerdings nie gezeigt. In letzter Konsequenz heißt das, es existiert keine Art Casual-Modus für entspanntere Spiele zwischendurch. Alle spielen immer mit Rangliste.

Im zuvor genannten Interview erzählte uns der Producer von Modern Warfare 2, Geoff Smith, dass es nicht so einfach wäre, Skill aus der Gleichung herauszunehmen, die das Matchmaking ausmacht, es aber auch nicht so wichtig in der Gesamtgleichung wäre.

Das, was alle als Skillbased Matchmaking bezeichnen, sei laut ihm einfach nur Matchmaking. Wenn man die geschichtliche Entwicklung betrachtet, stimmt das auch. Matchmaking war schon immer Skill-basiert, wenn es sich um einen Wettkampf handelt. Aber ein Modus ohne Rangliste soll den Wettkampf eben ausklammern und den Spielspaß in den Vordergrund stellen.

In naher Zukunft wird es aber wohl keinen Modus in Call of Duty geben, der ohne Ranglisten auskommt. Ob sich der Skill tatsächlich nicht aus der Gesamtgleichung entfernen lässt, bleibt aber fraglich.

Eine Annäherung an die Wahrheit bietet wiederum die Studie von Youtuber Drift0r. Während im 2019er Modern Warfare keine messbaren Verbindungsunterschiede bei Spielern mit verschiedenen Rängen aufkamen, ergaben die gesammelten Daten, dass in Black Ops Cold War Spieler mit dauerhaft besseren Statistiken nicht nur länger auf ihr Match warten mussten, sondern auch einen höheren Ping hatten.

Wie wichtig welcher Aspekt im Matchmaking-Prozess ist, können die Entwickler anscheinend unterschiedlich gewichten, und davon abhängig bieten die Titel unterschiedliche Spielerfahrungen. Der schlechtere Ping lässt sich auf verschiedene Arten erklären.

So kann er daran liegen, dass bessere Spieler einen kleineren Spielerpool haben, mit dem sie zusammen gematcht werden. Eine andere Möglichkeit stellt Engagement Optimized Matchmaking dar.

SBMM und EOMM: Die Wahrheit über modernes Matchmaking in Videospielen (4) Quelle: Infinity Ward/Activision SBMM und EOMM: Die Wahrheit über modernes Matchmaking in Videospielen (4)

Was ist EOMM?

Was Engagement ist und warum es erst mal gut ist, das Engagement zu optimieren, erklärt uns Medienpsychologe und Spieleforscher Dr. Christian Roth: "Engagement ist ja eigentlich das A und O für Spieler und Spielerinnen. Nichts ist schlimmer als eine leere Lobby vorzufinden. Das Spiel ist dann praktisch tot, wenn es keiner mehr online spielt."

Engagement kann bedeuten, dass man überhaupt im Spiel aktiv ist und Spielzeit aufwendet. Engagement kann aber auch sein, dass man im Spiel mit anderen interagiert oder Gegenstände kauft. Es handelt sich demnach um einen sehr breiten Begriff, der in jedem Kontext neu definiert werden muss.

Im Rahmen einer Studie untersuchten sieben Forscher während der 2017 abgehaltenen World Wide Web Conference, wie man Engagement Optimized Matchmaking nutzen kann und definierten Engagement als Spielzeit und das Wiedereinschalten des Spiels innerhalb von einer Woche.

Die Wissenschaftler fanden in ihrer Arbeit "EOMM: An Engagement Optimized Matchmaking Framework" heraus, dass es nicht ideal ist, Spieler immer fair zu matchen. Stattdessen funktioniert es am besten, wenn sie im Wechsel sowohl gewinnen als auch verlieren, um möglichst lange aktiv zu bleiben.

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