CoD: Black Ops 7 Kampagne im Test - Seite 2: Wenig Licht, sehr viel Schatten

Test Stefan Wilhelm
CoD: Black Ops 7 Kampagne im Test - Seite 2: Wenig Licht, sehr viel Schatten
Quelle: Treyarch

Die neue CoD-Kampagne wird von Fans in der Luft zerrissen und als eine der schlechtesten in der Seriengeschichte verschrien - wir haben uns durchgeballert und klären, wie groß der Scherbenhaufen wirklich ist.

Stellenweise unterhaltsam

Ein Highlight sind da noch die Bosskämpfe, immerhin ein Pluspunkt des völlig abgedrehten Szenarios. Weil es komplett auf ein geerdetes Militär-Setting pfeift, kann Black Ops 7 auch mal Kämpfe gegen Riesenmonster, Mechs und Supersoldaten aus dem Ärmel schütteln, die sich nett spielen und dringend benötigte Abwechslung ins Geschehen bringen.

Gleiches gilt für die Levelumgebungen - hier hätten wir uns zwar mehr Dynamik erwartet, sodass sich etwa der verdrehte Highway in der L.A.-Mission wirklich unter unseren Füßen verändert. Prinzipiell sind die Albtraumgebiete aber oft interessant anzusehen und dank einiger Movement-Fähigkeiten auch spaßig zu durchqueren. Kletterhaken und Supersprünge gehen eben immer.

Weil wir uns in den Sequenzen häufig in den traumatischen Erinnerungen der Black-Ops-Charaktere bewegen, bekommen wir viele bekannte Schauplätze zu Gesicht, vor allem aus der Kampagne von Teil 2. Die präsentieren sich allerdings abgedreht genug, dass das Recycling nicht stört.

Inception lässt grüßen: In den Psychosen-Kapiteln verschlägt es uns oft an interessant aussehende Orte. Leider gibt's da weder was zu erkunden noch viele dynamische Momente. Quelle: Treyarch Inception lässt grüßen: In den Psychosen-Kapiteln verschlägt es uns oft an interessant aussehende Orte. Leider gibt's da weder was zu erkunden noch viele dynamische Momente. Etwas anders verhält es sich, wenn uns das Spiel in seinen Realwelt-Missionen plump aus dem Multiplayer kopierte Karten vorsetzt. Die Jacht, die wir in einer Mission übernehmen sollen, ist etwa einfach die Karte Hijacked mit ein paar zusätzlichen Räumen.

An einer anderen Stelle erkunden wir das Penthouse eines Gilden-Wissenschaftlers und finden uns in der Map Skyline aus dem Multiplayer von Black Ops 6 wieder. Das ist zwar die Ausnahme und nicht die Regel, aber es bleibt doch der Eindruck, dass in manche der elf Missionen nicht allzu viel Mühe geflossen ist. Zumal man uns zwischen den eigens designten Levels auch immer wieder auf die offene Karte des Endgame-Modus schickt, zu dem wir später noch kommen.

Schwach fallen auch die Standardfeinde aus, die die sterilen Karten bevölkern: Neben Horden geistig umnachteter Soldaten und Roboter bedient sich die Kampagne ausgiebig beim Zombiemodus, um uns noch mehr Feindmaterial vor die Füße zu kippen. Und bei aller Liebe für die fauligen Untoten: Mehr als uns hinterherlaufen und zuschlagen können die Matschköpfe nun mal nicht.

Gegnermasse ist Black Ops 7 deutlich wichtiger als Gegnerklasse. Quelle: Treyarch Gegnermasse ist Black Ops 7 deutlich wichtiger als Gegnerklasse. Da wird's doppelt öde, wenn bestimmte Feinde auch noch mit riesigen Lebensleisten daherkommen, aber keine besondere Fähigkeiten oder Waffen besitzen, die den Kampf interessanter machen würden. Spielt die bereits erwähnte Psycho-Mission aus Black Ops 6 und ihr werdet dort vielfältigere Gegner zu Gesicht bekommen als in der ganzen Kampagne von Teil 7 - die netten Bosskämpfe mal ausgeklammert.

Besonders bizarr: Wir sammeln im Spielverlauf immer wieder Upgrades ein, die den Schaden all unserer Waffen dauerhaft erhöhen. Also ein motivierendes Gegenmittel, um mit den Kugelschwamm-Gegnern fertigzuwerden? Negativ. Das Kanonenfutter verbessert nämlich fast im gleichen Tempo seine Abwehrkräfte und stirbt dadurch von Anfang bis Ende in etwa gleich langsam.

Um es mit den Worten eines großen deutschen Liedermachers auszudrücken: Was soll das?

Live-Service-Dystopie

Für Ratlosigkeit sorgt auch die Tatsache, dass sich das Spiel selbst im Singleplayer nicht pausieren lässt. Seid ihr gerade mitten im Gefecht und Mutti oder der Lieferando-Bote läuten die Essensglocke, habt ihr Pech gehabt.

Wie wir im wohl prägnantesten Moment unserer Kampagnen-Erfahrung feststellen mussten, hilft es auch nichts, sich ingame an einem stillen Örtchen zu verstecken, bis man weiterspielen kann. Als wir im Real Life vom stillen Örtchen zurückkamen, hatte uns Black Ops 7 nämlich wegen Inaktivität ins Hauptmenü geschmissen. Aus der Solo-Kampagne. Und da das Spiel nicht imstande ist, den Fortschritt innerhalb einer Mission zu sichern, mussten wir das Kapitel danach wieder von vorne beginnen.

Wir müssen also gar nicht auf Killer-Roboter und Giftgas-Horrortrips warten, weil uns Call of Duty schon jetzt in einem technologischen Albtraum leben lässt.

Das HUD wurde direkt aus dem Multiplayer übernommen. Inklusive aufploppender Level-Ups und Waffentarnungen. Quelle: Treyarch Das HUD wurde direkt aus dem Multiplayer übernommen. Inklusive aufploppender Level-Ups und Waffentarnungen. Zumindest in einem Punkt kommt Black Ops 7 Einzelspielern aber entgegen: Die Kämpfe sind trotz ihrer Gegnermassen nie so schwer, dass wir auf zusätzliche Mitstreiter angewiesen sind. Dank sammelbarer Killstreaks und Spezialfähigkeiten kommen wir auch solo problemlos durch, vor allem, da wir beim Tod ohnehin meistens nur wenige Meter entfernt wiederbelebt werden und keinen Fortschritt verlieren.

In dedizierten Koop-Shootern wie Destiny 2 bekommt man als Solist üblicherweise mehr Probleme. Das sorgt aber im Umkehrschluss auch wieder für Kritik, denn der Schwierigkeitsgrad ist nicht anpassbar. Die alten Stufen, also Rekrut, Soldat, Söldner und Veteran existieren in Black Ops 7 nicht, wodurch es im Solo-Modus immer etwas zu leicht und im Koop ein absoluter Spaziergang ist. Können Gunplay und Endgame die Kampagne wieder rausreißen? Das lest ihr auf Seite 3.

  1. Seite 1 Story & Koop-Ausrichtung
  2. Seite 2 Wenig Licht, sehr viel Schatten
  3. Seite 3 Gunplay, Endgame & Fazit
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