CoD: Black Ops 7 Kampagne im Test: Totaler Brainrot, aber macht's wenigstens Spaß?

Test Stefan Wilhelm
CoD: Black Ops 7 Kampagne im Test: Totaler Brainrot, aber macht's wenigstens Spaß?
Quelle: Treyarch

Die neue CoD-Kampagne wird von Fans in der Luft zerrissen und als eine der schlechtesten in der Seriengeschichte verschrien - wir haben uns durchgeballert und klären, wie groß der Scherbenhaufen wirklich ist.

Wenn wir die Kampagne von Black Ops 7 mit einem Wort zusammenfassen müssten, wäre das Wort "seltsam". Und seltsam ist die Kampagne nicht nur wegen ihres Szenarios, das selbst für Black-Ops-Verhältnisse völlig Banane ist, sondern auch wegen ihrer Struktur.

Black Ops 7 schmeißt die klassisch-durchinszenierte Einzelspielererfahrung über Bord und verwandelt die Kampagne in einen Koop-Shooter à la Left 4 Dead mit einem endlos wiederspielbaren Endgame. Wir haben uns durch die Story geballert und finden im Test heraus, wer mit der neuen Kampagne noch seinen anspruchslosen Spaß haben könnte, und wer dieses Jahr garantiert nicht glücklich wird.

Agenten mit der Lizenz zum Trippen

13 Jahre ist es schon her, seit wir dem Top-Terroristen und Drohnen-Overlord Raul Menendez in Black Ops 2 das Handwerk gelegt haben, aber offenbar war die Heldengruppe um Mason, Harper und Samuels dabei nicht gründlich genug.

Im Jahr 2035 meldet sich der Schurke nämlich mit einer Videobotschaft zurück und dürstet nach Rebellion und Vergeltung. Gleichzeitig mit Menendez' Drohungen tritt dann noch ein Technologiekonzern namens Die Gilde auf den Plan, dessen ganz-bestimmt-nicht-böse Anführerin behauptet, dass sie mit ihren Kampfrobotern den Frieden wahren wird.

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Das Team um Black-Ops-Commander David Mason traut dem Braten aber natürlich nicht und zieht los, um die Machenschaften der Gilde und die Rückkehr von Menendez genauer zu untersuchen.

Wer nach den ersten paar Cutscenes nun aber eine klassische Black-Ops-Story erwartet, die Militäreinsätze mit Geheimagenten-Feeling kombiniert und sich ihre größten Twists bis zum Ende aufhebt, der wird bei Black Ops 7 sein blaues Wunder erleben.

Oder eher sein rotes, denn schon in der ersten Mission holt das Spiel das Plot-Vehikel raus, mit dem es all den haarsträubenden Blödsinn erklärt, den wir in den nächsten Stunden zu Gesicht bekommen werden: Ein blutrotes Nervengas namens Die Wiege, das die Gilde einsetzt, um unser Team durch bizarre Albtraumwelten zu schicken. Welten, in denen wir gegen Zombies und Monsterblumen kämpfen, in denen riesige Macheten vom Himmel fallen und sich unsere Teammitglieder in Riesen mit leuchtenden Augen verwandeln.

Die Kampagne in einer Nussschale: Wir bewerfen einen Fake-Albtraum-Menendez mit riesigen Macheten, während er peinliche, mies vertonte One-Liner zum Besten gibt. Quelle: Treyarch Die Kampagne in einer Nussschale: Wir bewerfen einen Fake-Albtraum-Menendez mit riesigen Macheten, während er peinliche, mies vertonte One-Liner zum Besten gibt. Um es kurz zu machen: Mit einem Militärshooter hat Black Ops 7 kaum noch etwas zu tun. Es ist purer, ungefilterter Blödsinn, der uns hier entgegenschlägt. Und zwar nicht pointiert und überraschend wie in vorherigen Black-Ops-Kampagnen, sondern in jeder zweiten Mission. Psychotrips und Traumsequenzen sind nicht mehr die Ausnahme, sondern der Fokus der Geschichte. Das ist der erste Punkt, den Kampagnen-Fans erst einmal verdauen müssen - Black Ops war schon immer die abgedrehteste unter den CoD-Storys, aber mit Teil 7 wird ein neuer Gipfel erreicht.

Das dürfte selbst denen zu viel werden, die genau solche Sequenzen in früheren Teilen mochten. Im vergangenen Jahr haben wir die Psychosen-Mission von Black Ops 6 noch als eine der besten in der Seriengeschichte gelobt. Weil sich die Entwickler die Zeit genommen hatten, den Wahnsinn langsam zu steigern, weil sie gelungen ins restliche Szenario eingebettet war und vor allem, weil sie die Ausnahme darstellte.

Black Ops 7 verliert dagegen schon kurz nach Spielstart völlig den Boden unter den Füßen und hat kaum eine reale, greifbare Story oder Worldbuilding zu bieten, weil so viel nur in den Köpfen der Figuren stattfindet - als Halluzination ohne wirkliche Konsequenzen. Die Plot-Punkte der vorherigen Teile spuken den Figuren zwar immer noch sichtlich in der Psyche herum, aber wirklich weitererzählt wird auch an der Front nichts.

Also am besten gleich das Hirn im Hauptmenü abgeben und den Bullshit einfach für seine filmreife Inszenierung genießen? In der Vergangenheit war das eine valide Einstellung, um mit einer durchwachsenen Kampagne seinen Spaß zu haben. Dieses Jahr haben die Entwickler aber auch am anderen Standbein der CoD-Formel gerüttelt - neben dem Militärshooter-Szenario ist nämlich auch die klassisch-durchinszenierte Gameplay-Struktur passé.

Die Szene mit Riesen-Harper ist in der CoD-Community schon berühmt-berüchtigt. Wir fragen uns, warum ... Quelle: Treyarch Die Szene mit Riesen-Harper ist in der CoD-Community schon berühmt-berüchtigt. Wir fragen uns, warum ...

Koop rein, Identität raus

Black Ops 7 ist als Koop-Shooter für bis zu vier Spieler gedacht und spielt sich dementsprechend wie eine Abfolge von Left-4-Dead-Levels oder Destiny-Strikes. Vermutlich waren die Entwickler der Meinung, lange Verschnaufpausen, Skriptsequenzen oder Cutscenes würden in einer Party mit Freunden eher stören, was per se ja kein falscher Gedanke ist.

Es führt allerdings auch dazu, dass vieles von dem fehlt, was eine CoD-Kampagne eigentlich auszeichnet: Hollywood-Setpieces, Fahrzeugpassagen, spannende Schleichsequenzen, vielleicht sogar Rätsel und Dialogentscheidungen wie in den letzten beiden Black-Ops-Teilen.

Ja, auch in Teil 7 werden hier und da noch Computer gehackt, es darf ganz selten mal super-spartanisch geschlichen werden und zwischendurch laufen natürlich immer noch kurze Filmsequenzen, die ganz hübsch anzusehen sind. Aber insgesamt fehlt es dem Spiel diesmal spürbar an Abwechslung und Momenten, die das Dauergeballer auflockern.

Es gibt nicht einmal verbündete NPCs, die an unserer Seite in den Kampf ziehen und die Schlachtfelder mit Leben füllen. Bot-Unterstützung für Solisten haben sich die Entwickler auch gespart. Stattdessen setzt man uns im Singleplayer mutterseelenallein in die Missionen, während unsere festen Teammitglieder zwar in Zwischensequenzen auftauchen und das Geschehen kommentieren, als wären sie jederzeit dabei, aber im Gameplay nie zu sehen sind.

Das haben die früheren Koop-Kampagnen in World at War und Black Ops 3 schon besser hinbekommen - die waren grundsätzlich immer noch nach dem klassischen CoD-Singleplayer-Schema gestrickt und die Koop-Unterstützung fungierte als nette Dreingabe. In Black Ops 7 lief der Designprozess spürbar andersherum.

Wir durchqueren seltsam statische Umgebungen, ballern eine Gegnerhorde nach der anderen über den Haufen und erfüllen supersimple Aufgaben: Punkte verteidigen, Gegenstände einsammeln, von A nach B fahren und Schalter drücken. Ob überhaupt irgendetwas an der neuen Ausrichtung für Spaß sorgt und wo uns das Spiel völlig kalt erwischt hat, erfahrt ihr auf der nächsten Seite.

  1. Seite 1 Story & Koop-Ausrichtung
  2. Seite 2 Wenig Licht, sehr viel Schatten
  3. Seite 3 Gunplay, Endgame & Fazit
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