Call of Cthulhu im Test: Unausgereifter Horror trifft gute Detektiv-Geschichte
Test 17,99 €
Es gab schon viele Versuche, den Cthulhu-Mythos in Videospiele zu übertragen. Cyanide Studios wagen jetzt noch einen. Call of Cthulhu erzählt die Geschichte von Edward Pierce und seine Reise nach Darkwater Island, wo er grauenvolle Geheimnisse aufdeckt und auf den Kult des Cthulhu stößt. Wie die Detektivgeschichte mit Horrorelementen funktioniert, erzählen wir euch ausführlich in unserem Test des von H.P. Lovecraft inspirierten Adventure-Rollenspiels.
H.P. Lovecraft gilt als einer der Erfinder des modernen Horrors. Es gibt kaum eine Gruselgeschichte, die nicht von ihm inspiriert wurde. Da ist es doch seltsam, dass es kaum einen guten Cthulhu-Film oder ein gutes Videospiel gibt, das sich mit Lovecrafts Mythos beschäftigt. Cyanide Studios wollten einen erneuten Versuch mit Call of Cthulhu (jetzt kaufen / 17,99 € ) wagen. Das Adventure-RPG beruht auf dem gleichnamigen Tabletop-Spiel und ist einen Tag vor Halloween, am 30. Oktober 2018, für PC, PS4 und Xbox One erschienen.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Call of Cthulhu im Test: Detektiv auf Abwegen
- 2 Call of Cthulhu im Test: Detektiv trifft auf Horror
- 3 Call of Cthulhu im Test: Atmosphärisch eindrucksvoll
- 4 Call of Cthulhu im Test: Horror-Gameplay IST der Horror
- 5 Call of Cthulhu im Test: Im großen und ganzen naja
- 6 Call of Cthulhu im Test: Fazit und Wertung
Call of Cthulhu im Test: Detektiv auf Abwegen
Ihr spielt den etwas vom Weg abgekommenen Privatdetektiv Edward Pierce, der sein Büro im Boston der 1920er hat. Bei den wenigen Fällen, die
Quelle: PC Games
Privatdetektiv Edward Pierce ist ein gescheiterter Mann. Nach dem Krieg verfiel er dem Alkohol und viele Aufträge hat er auch nicht unbedingt. Der Hawkins-Fall ist seine Rettung.
er bekommt, ertränkt er seine Sorgen im Alkohol, bis ein Mann ihm eine vielversprechende Akte gibt. Auf einer kleinen Insel vor der Küste Amerikas namens Darkwater ist die Familie Hawkins bei einem mysteriösen Brand ums Leben gekommen. Ehefrau Sarah, Mann Charles und der gemeinsame Sohn Simon haben es nicht aus der Familien-Villa geschafft. Das einzige, was übrig geblieben ist, ist ein seltsame Gemälde, das Sarah Hawkins gemalt hat.
Pierce macht sich also auf den Weg zur Insel, um herauszufinden, was wirklich passiert ist. Als er ankommt, stellt er fest, dass Darkwater einst eine Walfanggemeinde war, die sich nun kaum noch über Wasser halten kann.
Call of Cthulhu im Test: Detektiv trifft auf Horror
Ihr beginnt nun mit dem Detective zu ermitteln und sprecht mit den Bewohnern der Insel. Dafür stehen euch bestimmte Fähigkeiten zur Verfügung, denn Call of Cthulhu hat einige Rollenspiel-Elemente. Im Menü seht ihr die verschiedenen Fähigkeiten, die ihr mit Charakterpunkten aufwertet.
Quelle: PC Games
Eure Fähigkeiten baut ihr im Laufe des Spiels aus und erhaltet so weitere Möglichkeiten, Rätsel zu lösen und Dialoge zu führen.
Die Fähigkeiten sind:
- Ermittlung,
- Stärke,
- Psychologie,
- Redegewandtheit,
- Entdeckung,
- Okkultismus und
- Medizin.
Die letzten beiden erhöht ihr jedoch, indem ihr Bücher und Gegenstände zu den jeweiligen Themen findet. Diese Fertigkeiten bringen euch in Dialogen neue Optionen, lassen euch Türen aufbrechen oder okkulte Symbole erkennen, was vor allem auf Darkwater Island hilfreich ist.
Vorrangig befragt ihr die Leute, löst aber auch Rätsel, die im Spielverlauf immer abwechslungsreicher werden. In bestimmten Szenen nutzt ihr auch den sogenannten
Quelle: PC Games
Mit dem Kult kommt ein seltsames Wesen, halb Oktopus, halb Mensch.
Rekonstruktionsmodus. Dabei vollzieht ihr einen oder mehrere Momente nach und entdeckt darin Hinweise darauf, was geschehen ist. Zurück in der Realität geht ihr dann diesen Hinweisen nach oder befragt die Menschen danach.
Aber natürlich ist Call of Cthulhu kein reines Detektiv-Spiel, sondern auch ein Horror-Titel. Deshalb haben die Entwickler Monsterbegegnungen eingebaut, die jedoch meist nicht sonderlich grandios ausfallen. Diese Auftritte sind oft verbunden mit Schleich- oder Kampfpassagen, die einerseits nicht wirklich zum restlichen Gameplay passen und andererseits auch nicht gut ausgeführt sind. Meist sind die Schleichpassagen sehr Trial and Error-lastig und die Kampfpassagen sind total überflüssig.
Edwards Panikattacken und Klaustrophobie machen das Ganze nicht einfacher, wenn ihr euch vor einem Monster im Schrank versteckt. Da dreht der gute alte Detektiv völlig durch und das nervt gewaltig. Allgemein wird Edward immer durchgeknallter, je mehr okkulte Dinge er zu sehen bekommt. Irgendwann ist nicht mehr klar, was real ist und was nur in seinem Kopf passiert.
Quelle: PC Games
Recht früh im Spiel entdeckt ihr einen Kult, der in den Höhlen unter Darkwater heimisch ist.
Call of Cthulhu im Test: Atmosphärisch eindrucksvoll
Das Gameplay ist also nicht unbedingt grandios, aber die Atmosphäre ist es allemal. Sobald ihr Darkwater betreten habt, entfaltet sich eine drückende Stimmung. Der grünliche Nebel, der die Insel einhüllt, ist merkwürdig und unangenehm, die Musik wunderbar verstörend und die Beleuchtung einfach großartig! Die nur auf Englisch verfügbare Vertonung ist wirklich sehr gut, jedoch erweisen sich die Gesichtsanimationen in Dialogen als unglaublich hölzern. Das ist leider allgemein bei den Figuren das Problem: Sie wirken sehr steif und unbeweglich.
Zwar ist die Story interessant und hat auch mehrere Enden zu bieten, jedoch endet das Spiel relativ abrubt und unzufriedenstellend. Dabei bleibt die Geschichte im Laufe des Spiels spannend, hat Wendungen und oft ist auch nicht klar, ob das nun Realität ist, oder Edwards Wahnsinn, der durchscheint.
Call of Cthulhu im Test: Horror-Gameplay IST der Horror
Trotz der relativ guten Story und dem teils spaßigen Gameplay ist Call of Cthulhu nicht unbedingt ein Meisterstück. Der Horror - vor allem die Monster - wirkt teilweise deplatziert. Als hätten sich die Entwickler gedacht: "Wir haben bisher nur ein Detektiv-Spiel, da muss noch Horror rein, also
Quelle: PC Games
Der Schlurfer ist das erste Monster, auf das ihr trefft. Mit dem blinden interdimensionalen Wesen ist nicht zu Spaßen.
hopp!" Das wirkt an vielen Stellen aufgesetzt und ist frustrierend, vor allem, wenn nach einem relativ einfachen Detektiv-Level ein Trial-and-Error-bitte-stirb-800-Mal-bis-du-den-richtigen-Weg-findest-Abschnitt folgt.
Wir hatten zudem mit einem Bug beim ersten Schlurfer-Auftritt zu kämpfen. In der Kunstgalerie, wo der Schlurfer, ein interdimensionales Wesen, das erste Mal aus seinem Bild steigt, müsst ihr in den zahleich vorhandenen Schaukästen den richtigen Dolch finden. Normalerweise zerschlagt ihr einen Schaukasten und haltet dann den Dolch in der Hand, mit dem ihr das Bild zerstört. Wir konnten jedoch keinen Dolch aufnehmen, rannten also in der Galerie im Kreis, nur um immer wieder vom Schlurfer erwischt zu werden. Da es aber weder eine Möglichkeit zurück noch vorwärts gab, mussten wir einen älteren Spielstand laden. Frustrierend!
Call of Cthulhu im Test: Im großen und ganzen naja
Das alles klingt nicht sonderlich positiv, jedoch muss man dem Spiel schon Pluspunkte dafür geben, dass es sich wirklich an den klassischen Cthulhu-Mythos hält, die Detektivarbeit und das Fähigkeitensystem Spaß machen und die Story auf interessante Weise erzählt wird. Die wird euch nämlich nicht einfach vorgesetzt, sondern ihr erfahrt sie durch eure Ermittlungen.
Aber ja, die Probleme des Spiels sind schon groß und können nicht einfach ignoriert werden. Sie mindern den Spielspaß teils ungemein. Vielleicht schaffen es Spieleentwickler irgendwann einmal, ein Spiel zu machen, das dem Cthulhu-Mythos und H.P. Lovecraft würdig ist.
