Call of Cthulhu in der gamescom-Vorschau: Vampyr im Lovecraft-Universum?
Special 17,99 €
Mit Call of Cthulhu entführen uns die Entwickler von Cyanide Studios in die mythische Welt von H.P. Lovecraft - ein Reich voll alter Götter und okkulter Rituale, die euren Geist auf eine harte Probe stellen werden. Wir haben uns auf der gamescom 2018 auf den Weg in die Abgründe des menschlichen Verstands gemacht. Was wir dort gefunden haben, erfahrt in unserer Vorschau.
Der Blick verschwommen, die Hände voller Blut - so erwachen wir in einer dunklen Höhle. Mit ungläubigen Augen schauen wir uns um, vor tropfenden Felswänden zeichnen sich die Umrisse riesiger Walkadaver ab, die mit roher Gewalt in Stücke gerissen wurden. Die Luft ist feucht, der Boden glitschig. Kein Wunder, ist er doch über und über mit Fischgedärmen bedeckt. Plötzlich durchbricht eine dunkle Stimme die gespenstische Stille, unser Blick verschwimmt. Eine seltsame Halluzination zeigt uns Bilder einer grässlich entstellten Kreatur mit Tentakeln im Gesicht. Danach folgt nur noch Schwärze.
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Nein, wie uns Call of Cthulhu (jetzt kaufen / 17,99 € ) begrüßt, ist keineswegs einladend. Glücklicherweise entpuppt sich die ganze Szene nur als ein böser Alptraum (oder doch Vorahnung?) unseres Hauptcharakters. Der hört auf den Namen Edward Pierce und ist seines Zeichens Privatdetektiv in der Existenzkrise. Im Boston des Jahres 1924 sind die Fälle rar gesät, also flüchtet sich der Kriegsveteran in Alkohol und Tabletten. Letzter Ausweg aus der Lethargie ist ein mysteriöser Fall, der eines Tages auf unserem Schreibtisch landet. Es gilt das tragische Schicksal der Familie Hawkins aufzuklären, die bei einem Brand ums Leben gekommen ist. Einziger Anhaltspunkt: Ein seltsames Bild, das die angeblich verrückte Mutter kurz vor ihrem Ableben gemalt hat. Darauf befinden sich lediglich eine dunkle Gestalt und ein mystisches Zeichen. Also machen wir uns auf nach Darkwater, einer kleinen Insel vor dem amerikanischen Festland, um mehr über die Angelegenheit in Erfahrung zu bringen.
Call of Cthulhu Vorschau: Ein bisschen Detektiv-, ein bisschen Rollenspiel
Von diesem Punkt aus entfaltet sich eine Mischung aus Rollenspiel und Detektivgeschichte. In Call of Cthulhu erkunden wir in First-Person-Perspektive die Umgebung, erledigen Missionen und sammeln Hinweise. So versuchen wir, Stück für Stück dem Geheimnis der Familie Hawkins auf die Schliche zu kommen. Jegliche Fortschritte speichern wir im Lexikon, wo wir jederzeit Informationen zu Orten, Personen und Okkultem nachlesen können. Hin und wieder lösen wir auch kleinere Rätsel - etwa, wenn wir Einzelteile einer kaputten Winde finden und diese wieder zusammensetzen müssen. Kämpfe gibt es im Spiel nicht, genauso wenig wie eine Springen-Option. Wir sind hauptsächlich damit beschäftigt, unsere Umgebung zu erkunden und im Gefahrenfall zu unserem Vorteil zu nutzen.
Dabei greifen wir auf zwei interessante Hilfsmittel zurück: Zum einen die sogenannten "Reconstruction Scenes". In diesen wagen wir - ähnlich wie etwa in The Vanishing of Ethan Carter - einen Blick in die Vergangenheit und lassen Geschehnisse vor unserem geistigen Auge noch einmal Revue passieren. Anhand von Hinweisen können wir so rekonstruieren, was an einem Tatort geschehen ist. Praktisch ist auch die Fähigkeit "Hidden Spots", mit deren Hilfe sich versteckte Informationen und Gegenstände aufspüren und unserem Inventar hinzufügen lassen, als hätten wir ein Peilgerät bei uns.
Quelle: Focus Home Interactive
Call of Cthulhu in der gamescom Vorschau. (2)
Dieses Feature ist Teil der umfangreichen RPG-Elemente, die Cyanide Studios in ihr neuestes Spiel eingebaut haben. Edward verfügt über eine Reihe von Fähigkeiten, deren Werte sich mit Charakterpunkten verbessern lassen. Zur Auswahl stehen Skills wie Stärke, Eloquenz, Investigation, Okkultismus oder Psychologie, in denen wir vom Amateur zum Meister aufsteigen können. Je nachdem, für welche Talente wir uns dabei entscheiden, verändert sich auch das Spielerlebnis. Mit einem höheren Investigation-Wert lassen sich etwa Schlösser knacken und neue Wege freischalten.
Call of Cthulhu Vorschau: Viele Wege führen zum Ziel
Aber auch in Dialogen spielen unsere Charakterwerte eine zentrale Rolle, ist Call of Cthulhu doch sehr dialoglastig. Dabei bedient sich der Titel eines Systems, das man so bereits aus Vampyr kennt. Im Gespräch mit den Bewohnern von Darkwarter haben wir viele verschiedene Gesprächsoptionen zur Auswahl, mit denen wir mehr über Land und Leute in Erfahrung bringen können. Bestimmte Antworten und Fragen lassen sich allerdings erst dann auswählen, wenn wir entsprechende Hinweise entdeckt haben oder über die nötigen Skills verfügen. Nur wenn wir stark genug sind, gelingt etwa ein Einschüchterungsversuch. Nur wenn wir eloquent genug sind, kauft uns unser Gegenüber auch die dreisteste Lüge ab.
Quelle: Focus Home Interactive
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So ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten, um auftretende Probleme zu lösen. In einer Situation mussten wir etwa in ein Lagerhaus eindringen, das von zwei Schlägern bewacht wurde. Hier hatten wir dann die Möglichkeit, die beiden Kerle auszutricksen, indem wir Informationen aus einem vorherigen Lauschangriff gegen sie verwenden. Genauso gut hätten wir aber auch zwei versoffene Hafenarbeiter mit einer Flasche Whisky dazu bringen können, für etwas Ablenkung zu sorgen.
Einfach macht es uns Call of Cthulhu aber nicht. Manche Gespräche finden etwa unter Zeitdruck statt. Außerdem sind uns die Bewohner von Darkwater nicht unbedingt wohlgesinnt. Uns wird klar zu verstehen gegeben, dass wir hier der Außenseiter sind - ein ungebetener Gast und Unruhestifter, den die Leute lieber so schnell wie möglich wieder loswerden würden. Dabei schrecken die Insulaner auch nicht davor zurück, uns Steine in den Weg zu legen oder Informationen vorzuenthalten.
Call of Cthulhu Vorschau: Einen kühlen Kopf bewahren
Diese verschlossene, verschworene Gesellschaft trägt allerdings auch perfekt zur zwielichtigen Stimmung des Abenteuers bei. Darkwater wirkt düster, abweisend und menschenfeindlich - auch wenn sich nicht mit letzter Bestimmtheit sagen lässt, warum. Es liegt ständig eine gewisse Spannung in der Luft. Man wird das Gefühl nicht los, dass hier etwas gewaltig schief läuft und man der Einzige ist, der nichts davon weiß. Da hilft es auch nicht, dass die Einheimischen mit bösen Vorahnungen oder übernatürlichen Gerüchten zur beunruhigenden Atmosphäre beitragen.
Unsere Coolness sollten wir aber besser nicht zu schnell verlieren. Schließlich hat Call of Cthulhu noch ein letztes spannendes Feature parat: den Geisteszustand. Dieser bestimmt, wie logisch und vernünftig wir handeln, ändert sich jedoch im Laufe des Spiels. Nach traumatischen Begegnungen fallen wir zusehends dem Wahnsinn anheim, was entscheidende Auswirkungen auf die Geschichte hat. Je nach psychologischer Verfassung bekommen wir sogar unterschiedliche Enden zu sehen.
Quelle: Focus Home Interactive
Call of Cthulhu in der gamescom Vorschau. (5)
Was Story und Gameplay betrifft, macht das Abenteuer also einen vielversprechenden Eindruck - ganz ohne Makel ist das Spiel aber leider nicht. Gerade aus technischer Sicht ist Call of Cthulhu teils ein Graus. Die Cutscenes sind zwar schön gemacht, grafisch zeigt sich der Horror-Trip sonst leider nicht von seiner besten Seite. In der PC-Version versinkt Darkwater zumeist in einer grauen Nebelsuppe, die Gebäude und Straßen in einem verwaschenen grünbraunen Matschton erscheinen lassen. Dazu fehlen zahlreiche Animationen, NPCs lassen Abwechslung vermissen - wie auch Mimik, Lippensynchronität oder geschmeidige Bewegungen. Das schmälert den Gesamteindruck dann leider doch noch vehement.
