Call of Cthulhu in der Vorschau: Wahnsinn, Rollenspiel-Elemente und Detektivarbeit im Lovecraft-Universum

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Call of Cthulhu in der Vorschau: Wahnsinn, Rollenspiel-Elemente und Detektivarbeit im Lovecraft-Universum
Quelle: Focus Home Interactive

Call of Cthulhu bekommt 2017 einen neuen Ableger. Das düstere Rollenspiel um Lovecraft-Monster hat uns bei einer Vorführung gepackt, aber müssen sich Spieler wirklich Sorgen um ihre geistige Gesundheit machen? Im Rahmen einer Vorschau analysieren wir RPG-Systeme und Spieldesign der französischen Produktion von Entwickler Cyanide.

Boston, um 1920. Privatdetektiv Edward Pierce soll den mysteriösen Todesfall von Sarah Hawkins aufklären. Die Künstlerin lebte auf der Insel Darkwater Island, um die sich düstere Mythen ranken. In Call of Cthulhu: The Official Video Game geht ihr Ende 2017 in der Haut von Edward auf die Suche nach Antworten. Finden sollt ihr dabei vor allem eines: den Wahnsinn!

Entsprechend der Vorlage - den Büchern von Autor H.P. Lovecraft und dem draus entstandenen Kosmos aus Sekundärliteratur und einem Pen&Paper-Rollenspiel - stoßen auf Darkwater Island fremde Mächte und uralte Götter durch die Grenzen unserer Realität. Diese meist tentakelbewehrten Monstrositäten auch nur anzuschauen, birgt die Gefahr, den Verstand zu verlieren. Wir haben all unseren Mut zusammengenommen und Call of Cthulhu bei einem Preview-Event von Publisher Focus Home Interactive in Paris dennoch genauestens studiert. Unserer geistigen Verfassung hat es nicht gescha-BLARGHWUMHARR!!!111 Licht ist eine wichtige Ressource in Call of Cthulhu. Laternen brennen herunter und euer Feuerzeug hat nur begrenzt Benzin. Quelle: Focus Home Interactive Licht ist eine wichtige Ressource in Call of Cthulhu. Laternen brennen herunter und euer Feuerzeug hat nur begrenzt Benzin.

Detektivarbeit wie bei Sherlock Holmes

Call of Cthulhu wird aus der Ego-Perspektive gespielt und hat oberflächlich betrachtet viel gemeinsam mit Frogwares Sherlock Holmes-Serie. Hier wie dort erkundet ihr nach eurer Ankunft auf der Insel Tatorte, sammelt Indizien (Wieso zeigt die beim Ausbruch eines Feuers stehen gebliebene Uhr eine andere Zeit an als im offiziellen Polizeibericht angegeben ist?) und zieht daraus eure Schlüsse ("deductions"). Das funktioniert in einem separaten Menü, indem ihr irrelevante Details von wichtigen Beobachtungen trennt. Eine falsche Schlussfolgerung ist möglich; wer clever kombiniert, kommt leichter durch die Levels. Diese steuert ihr von einem zentralen Hub aus an, Edwards Residenz auf der Insel. Hierher kehrt ihr zwischen Missionen zurück.

Charaktersystem wie im Pen & Paper

Großer Unterschied zu Sherlock Holmes: In Call of Cthulhu hat euer Alter Ego Charakterwerte und bekommt Erfahrungspunkte. XP gibt es nicht nur für erfüllte Haupt- und Nebenziele, sondern vor allem für den Einsatz eurer Skills. Diese Fähigkeiten unterteilen sich in die drei Segmente Sozial, Psychologie und Wissen. Die Fertigkeit Smalltalk ist Teil des sozialen Skill-Tree und euer Wissen kann zum Beispiel Kenntnisse okkulter Riten umfassen. Call of Cthulhu orientiert sich hier stark am gleichnamigen P&P-Rollenspiel von Chaosium, das in Deutschland aktuell vom Verlag Pegasus Spiele vertrieben wird.

Entwickler Cyanide verspricht abwechslungsreiche Locations auf der Insel: prächtige Anwesen, düstere Höhlen und auch Levels unter freiem Himmel. Quelle: Focus Home Interactive Entwickler Cyanide verspricht abwechslungsreiche Locations auf der Insel: prächtige Anwesen, düstere Höhlen und auch Levels unter freiem Himmel. Eure Spielfigur lernt in Call of Cthulhu neue Skils - dafür braucht es Charakterpunkte, die ihr bei Levelaufstiegen erhaltet, sobald ihr genug XP gesammelt habt. Jede Fähigkeit lässt sich dann auch noch mal mehrstufig ausbauen, von Amateur bis Meister. Ziel des französischen Entwicklers Cyanide (Styx: Shards of Darkness): Der Spieler soll sich spezialisieren, um beispielsweise Gesprächspartner körperlich einzuschüchtern und so den Weg in ein versperrtes Anwesen freizumachen.

Dabei soll es stets alternative Lösungsmöglichkeiten geben; ein bisschen erinnert das an die Freiheit von Dishonored 2. So könntet ihr den Torwächter etwa auch mit Logik überzeugen, einen Schlüssel finden oder beim Erkunden auf einen Geheimeingang stoßen. Und weil Edward ein Privatdetektiv ist, wird auch immer eure Beobachtungsgabe belohnt. So erfahrt ihr zum Beispiel durch das Anschauen von Objekten wie Gemälden eine wertvolle Information, die ihr anschließend im Gespräch zu eurem Vorteil einsetzen könnt. Dadurch geratet ihr im Verlauf von Call of Cthulhu nie in eine Sackgasse, auch wenn euch ein bestimmter Skill fehlt.

Dialoge und Begleiter wie bei Mass Effect

In den Gesprächen mit anderen Bewohnern der Insel wählt ihr eure Antworten auf einem Dialog-Rad aus, das an den von Biowares Mass Effect-Serie geprägten Stil angelehnt ist. Dabei zeigt Call of Cthulhu an, welche Skills mit welchen Gesprächsoptionen verbunden sind. Als wir wärend der Demo das erste Mal auf einen Mitmenschen treffen, spielt Call of Cthulhu eine seiner Zwischensequenzen ab. Diese reißen den Spieler aus der Ego-Perspektive heraus, stattdessen seht ihr eurem Helden Edward Pierce dabei zu, wie er über die Insel trottet.

Gemachte Bekanntschaften werden ebenso wie eure Schlussfolgerungen und der Fortschritt im Fall der ermordeten Sarah Hawkins übersichtlich in Edwards Tagebuch festgehalten. Dort seht ihr auch, welche Einstellung ein NPC eurem Helden gegenüber hat - die Möglichkeiten reichen von verbündet bis feindlich. Mit wem ihr euch gutstellt und wie ihr euch im Spielverlauf an wichtigen Stellen entscheidet, hat Auswirkungen auf die Story von Call of Cthulhu: Es gibt vier Endsequenzen - "keine davon ein Happy End", wie Cyanides Chef-Designer Jean-Marc Gueney anmerkt.

Auch abseits der Anwohner seid ihr übrigens nicht allein auf Darkwater Island, denn im Spielverlauf trefft ihr andere Figuren, die euch als Ermittler zu Seite stehen. Das ist Call of Cthulhus Idee einer Rollenspiel-Party - allerdings seid ihr letztlich stets allein unterwegs. Den Mitarbeitern gebt ihr in einem eigenen Interview Aufträge, die sie selbstständig und abseits des Spielgeschehens absolvieren - das lässt sich am besten mit den Browserspiel-ähnlichen, in Texten abgehandelten Nebenmissionen am Kriegstisch von Dragon Age: Inquisition vergleichen. Die Begleiter besitzen eigene Skills - je nach Eignung des ausgewählten Kameraden stehen die Chancen besser oder schlechter, dass er erfolgreich zurückkehrt. Möglicherweise im Gepäck: ein Gegenstand, der Edward einen permanenten Attributs-Bonus verleiht. Wir konnten Call of Cthulhu für unser Preview noch nicht anspielen, die Entwickler zeigten uns aber eine umfangreiche Demo. Quelle: Focus Home Interactive Wir konnten Call of Cthulhu für unser Preview noch nicht anspielen, die Entwickler zeigten uns aber eine umfangreiche Demo.

Wahnsinn wie bei Lovecraft persönlich

Aber was wäre ein Call of Cthulhu-Spiel ohne albtraumhafte Kreaturen und einem Hauptcharakter, der an seiner geistigen Gesundheit zweifelt? Entwickler Cyanide hat diesen Aspekt natürlich nicht vernachlässigt, das Rollenspiel setzt auch hier auf Transparenz der unterliegenden Systeme. So ist in Call of Cthulhu der "sanity", also dem gesunden Verstand, ein eigener Menüpunkt gewidmet. Dort seht ihr, wie normal Edwards Verstand noch ist - im Spielverlauf leert sich die entsprechende Anzeige, je mehr Missionen ihr erfüllt. Zudem werden hier die Phobien des Held aufgelistet - das sind Ängste, die Edward an festgelegten Punkten in der Hintergrundgeschichte entwickelt.

So hat er etwa von Anfang an irrationale Furcht vor engen Raumverhältnisse - Klaustrophobie. Das erweist sich als äußerst ungelegen, wenn der Spieler den Privatdetektiv anweist, sich auf der Flucht vor einem widerlichen Tentakelmonster in einem muffigen Schrank zu verstecken. Denn damit ihr anders als in Alien: Isolation nicht stundenlang im Spind herumhängt, während draußen schaurige Kreaturen mit Krallen ihre Kreise ziehen, setzt Cyanide bei Call of Cthulhu auf die Wahnsinns-Anzeige. Die fuktioniert ähnlich wie ein begrenztes Lungenvolumen: Ist Edward einer Phobie ausgesetzt oder starrt er eine der Lovecraft-Abscheulichkeiten kontinuierlich an, leert sich die Anzeige und die Sicht verschwimmt. Wenn der Spieler jetzt nicht schnell genug reagiert, droht der Wahnsinn und damit das Spielende.

Wie viel Wahnsinn Edward aushält und wie groß die Kapazität der Anzeige ist, hängt vom allgemeinen Gesundheitszustand ab, der gegen Ende von Call of Cthulhu unweigerlich immer weiter schrumpft. In unserer Preview-Demo hatten wir noch locker eine Minute Zeit, bevor Edwards Klaustrophobie uns das Game Over beschert hätte. Der Bildschirmtod ist natürlich auch dann eine Garantie, wenn euch eines der Cthulhu-Monster packt und verschlingt. Wehren könnt ihr euch nur bedingt: Zwar besitzt Privatdetektiv Pierce einen Revolver mit begrenzter Munition, doch Call of Cthulhu soll keine Kämpfe enthalten oder gar zum Ego-Shooter mutieren. Auf die übernatürlichen Widersacher zu schießen, hält sie allenfalls kurz auf; Gewalt ist in Cyanides Rollenspiel keine Lösung.

Call of Cthulhu erscheint im 4. Quartal 2017, der Release erfolgt auf PC, Playstation 4 und Xbox One.

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