Bis Mitte der 90er-Jahre stand der Name Nintendo für Videospiele – so wie heute noch Tempo für Einwegtaschentücher.
Aufstieg und Fall einer Marktmacht
Donkey Kong
Nach der Markteinführung des NES in Europa 1986 baut der Konzern seine Führung weiter aus. Der erste Game Boy erscheint 1989 in den USA und 1990 in Europa und ist eine der größten Innovationen des Unternehmens (tragbare Konsole mit austauschbaren Spielen). Zocken für unterwegs wird nun salonfähig. Wie mit dem NES führt Nintendo dank des anfangs beigepackten Knobelhits "Tetris" nicht nur klassische Spielernaturen an das neue Medium heran, sondern fesselt auch scharenweise Väter, Mütter und Großeltern. Mit dem SNES, dem NES-Nachfolger, setzen die Japaner die Linie der TV-Konsolen konsequent fort. Der 16-Bitter übertrifft die Verkaufszahlen seines Vorgängers zwar nicht, aber die Technik verleiht der Kreativität der Entwickler Flügel. Dank Mode 7 oder dem FX-Chip glänzen "Super Mario Kart", "Pilotwings", "F-Zero" oder "Starwing" mit nie da gewesener 3D-Optik. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Erfolg von Nintendo ungebrochen, aber Hochmut kommt vor dem Fall, was zu mehreren Problemen führt. Vor allem die eigene Arroganz ist es, die Nintendo zum einen Sonys Markteintritt mit der PlayStation unterschätzen lässt und zum anderen Third-Party-Hersteller vergrault. Besonders exemplarisch für das Verhalten ist der Bruch mit dem langjährigen Partner Squaresoft. Die genauen Gründe liegen im Dunkeln, man spekuliert jedoch, dass Square, überzeugt von den eigenen Produkten, Nintendo um die Veröffentlichung der "Final Fantasy"-Reihe und des Krachers "Super Mario RPG" auch außerhalb Japans und USA bittet.
Als diese Bitte auf taube Ohren stößt, weichen die Rollenspielspezialisten auf die PlayStation aus und erfreuen sich am großen Speicherplatz der CD-ROM. Das Nintendo 64 startet damit unter schlechten Bedingungen. Auf Grund einer exklusiven Entwicklerpolitik, die kleinere Studios ausschließt, muss Nintendo schmerzhaft die essenzielle Bedeutung von Third-Party-Herstellern erfahren. Das Nintendo 64 leidet zeitlebens unter einer chronischen Software-Flaute. Mit den konzerneigenen Franchises wie "Pokémon", "Mario" oder "Zelda" beweist der japanische Hersteller erneut seine unangefochtene Stellung als bester First-Party-Entwickler.
