Bis Mitte der 90er-Jahre stand der Name Nintendo für Videospiele – so wie heute noch Tempo für Einwegtaschentücher.
Ein Klassiker: Tetris
Das in Europa bekannte und beliebte – und vor allem unter älteren Game-Redakteuren oftmals als Einstiegsdroge bezeichnete – "Pong", das 1972 vom Atari-Gründer Nolan Bushnell entwickelt wurde, erregt die Aufmerksamkeit Nintendos. Man kopiert das Erfolg versprechende Konzept und veröffentlicht "TV Game 6" und "TV Game 15" in Japan. Mit diesen Geräten erscheinen die ersten stationären Heimkonsolen des japanischen Unternehmens und markieren 1977 den Eintritt in den Markt der Videospiele – wenn auch zu diesem Zeitpunkt noch mit billigen Plagiaten. Doch wenige Jahre später avanciert die Firma zum Innovator und Vorreiter: Man veröffentlicht im Juli 1983 in Japan das erste eigene Videospielsystem mit austauschbaren Modulen, das Famicom. Um den mutigen Schritt zu verstehen, den das japanische Unternehmen im Jahr 1985 machte, muss man kurz die Ereignisse der Jahre 1983 und 1984 skizzieren.
Der GameBoy
Nach einer Schwemme von zig verschiedenen Heimkonsolen, dutzender "Pong"-Derivate und Hunderten von dahingeschluderten Billigproduktionen kollabiert die Branche in den USA 1983. Industrie und Handel verlieren Millionen von Dollar und meiden fortan Videospiele wie der Teufel das Weihwasser. Fast alle Firmen ziehen sich aus dem ehemals lukrativen Geschäft zurück, bis Big N kurz vor Weihnachten 1985 mit einer überarbeiteten Version des Famicom unter dem Namen Nintendo Entertainment System (NES) eine neue Videospiel-Ära einleitet, die den toten Markt wiederbelebt. Der zweite Frühling der jungen Branche beginnt.
