Der Aufstieg und Niedergang von Blizzard Entertainment - Das Buch von Jason Schreier liefert faszinierende Einblicke

Special Matthias Dammes
Der Aufstieg und Niedergang von Blizzard Entertainment - Das Buch von Jason Schreier liefert faszinierende Einblicke
Quelle: Hachette Book Group / PC Games

Matthias hat sich das neue Buch von Jason Schreier über die Geschichte von Blizzard Entertainment zu Gemüte geführt und kann es euch nur empfehlen.

Die Zukunft von Blizzard Entertainment

Das letzte Drittel des Buches mit dem Titel "Die Zukunft" beginnt 2016 kurz nach der Veröffentlichung von Overwatch. Auch hier geht es zunächst noch sehr viel um den stetig steigenden Einfluss von Bobby Kotick und Activision. Massenentlassungen, Flops wie Warcraft 3 Reforged, das Diablo-Immortal-Debakel und die Skandale um die Cosby Suite und das sexistische Fehlverhalten einiger führender Entwickler kratzen in dieser Zeit deutlich am Ruf des einst beliebtesten Entwicklerstudios der Welt.

Gerade der Sexismusskandal dient aber auch als Katalysator für die Zukunft der Firma. So beleuchtet Schreier in den letzten Kapiteln sehr ausführlich, wie es zu den Bestrebungen gekommen ist, dass Microsoft mit seiner Xbox-Sparte Activision übernehmen will. Auch hier gelingt es ihm, neue Details des gesamten Vorgangs zu beleuchten, die mir so noch nicht bekannt waren. Ich war auch überrascht, wie aktuell die letzten Ereignisse im Buch noch sind. So beschreibt er noch die großangelegten Entlassungen nach der Microsoft-Übernahme Anfang 2024, wenige Monate vor der Veröffentlichung des Buches.

Auch wenn die Geschichte von Blizzard Entertainment weitergeht, gelingt Schreier ein Abschluss für sein Buch, der mir gut gefallen hat. Er endet mit Allen Adham, dem letzten verbliebenen Gründer, der Blizzard nun ebenfalls verließ - zum dritten und vielleicht letzten Mal. Er schlägt damit einen schönen Bogen zum Anfang des Buches, wo alles mit Adham, einem Apple-II-Computer und Aushilfsjobs für Brian Fargo begann. Für Blizzard geht es unterdessen in eine ungewisse Zukunft, in der das Studio erstmals seit 33 Jahren ohne einen ihrer Gründer auskommen muss.

Übergroße Statue eines Orcs auf einem Wolf auf dem Blizzard Campus. Quelle: Blizzard

Reise in die eigene Vergangenheit

In meinem Dasein als Gamer hat mich Blizzard spätestens seit Diablo immer begleitet. Wenn ein neues Spiel von Blizzard auf den Markt kam, konnte ich eigentlich immer sicher sein, dass mich dort ein qualitativ hochwertiges Erlebnis erwartet. Blizzard ist vermutlich auch indirekt schuld, dass ich mein Studium nicht so ernst genommen habe, wie es hätte sollen. Da war die Lektüre dieses Buches neben den vielen interessanten Geschichten auch eine Reise durch die eigene Spielevergangenheit.

Zu kritisieren habe ich eigentlich nur, dass es manchmal etwas schwer war, der zeitlichen Abfolge von Ereignissen zu folgen. So behandelt Jason Schreier die Geschichte von Blizzard zwar schon sehr chronologisch - aber wenn er für ein neues Thema etwas ausholt, um Hintergrunde und Personen zu beleuchten, kommt es vor, dass ich mich plötzlich wieder vor Ereignissen befinde, die im Kapitel davon schon behandelt wurden.

Aber das ist wirklich Kritik auf sehr hohem Niveau. Das Buch liest sich sehr angenehm und ist sinnvoll gegliedert. Eine klare Empfehlung von mir für jeden, der sich für Blizzard oder allgemein einen Blick hinter die Kulissen der Videospielindustrie interessiert. Allerdings gibt es das Buch bisher nur auf Englisch. Ob es eine deutsche Übersetzung geben wird, ist mir bisher nicht bekannt. Da aber die vorherigen Bücher von Jason Schreier bisher auch nicht übersetzt wurden, gehe ich erstmal nicht davon aus. Wem es hilft, der kann das Buch auch als Audiobook konsumieren oder es als Unterstützung zum Lesen verwenden.

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