Puzzleteile, Level-Verknüpfungen, Leveldesign, Verwandlungen, Fazit, Extrakasten und Meinung
Special
Retro-Special zu Banjo-Tooie: Der N64-Klassiker Banjo-Kazooie wird von Fans nach wie vor heiß geliebt. Heute nehmen wir aber die mindestens ebenso gute Fortsetzung unter die Lupe - Banjo-Tooie! In unserem Retro-Rückblick verraten wir, was den Titel so besonders macht und wieso er in einigen Punkten sogar noch besser ist als der heißgeliebte Vorgänger.
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Modernste Puzzle-Technologie
Quelle: PC Games
Mumbo Jumbo sitzt nicht mehr nur faul auf seinem Hintern, sondern ist diesmal auch steuerbar. Er kann mit seiner Magie in den Welten besondere Ereignisse auslösen.
Die größte Verbindung zur Außenwelt waren Bodenschalter in den Welten, die Puzzleteile in der Oberwelt zugänglich machten, sowie ein einziges Puzzleteil, welches erforderte, dass man mit einer neu erlernten Bewegung aus einem späteren in ein früheres Level zurückkehrte. In Banjo-Tooie hingegen ist alles miteinander verbunden! Schon im allerersten Level hat man keine Chance, sofort alle zehn Puzzlos sein Eigen nennen zu können. Stattdessen fallen einem viele Orte auf, die aufgrund fehlender Fähigkeiten oder wegen räumlicher Trennungen nicht erreicht werden können. Ebenso begibt man sich in kleine Areale, die offensichtlich thematisch völlig anders angelegt sind - aus dem einfachen Grund, dass es sich um Gebiete aus späteren Levels handelt, die man teilweise erst ganz am Ende des Spiels aus einer anderen Richtung betreten wird.
Quelle: PC Games
Als ungewöhnlich, durch die Ego-Shooter-Erfahrung der Entwickler aber überraschend unterhaltsam, entpuppen sich die Shooter-Abschnitte, von denen uns im Spielverlauf mehrere erwarten.
Es ist unbeschreiblich, wie kreativ die Verknüpfungen zwischen den Welten gestaltet sind. Das Tolle daran: Fast wie in einem Metroidvania-Abenteuer spielt der Titel damit, einem die noch nicht erreichbaren Areale wie einen Hundesnack vor die Nase und anschließend vorzuenthalten. Sobald man dann die entsprechende Stelle im Spiel erreicht hat, an der man besagten Ort endlich betreten darf beziehungsweise das dafür benötigte Talent entdeckt hat, ist die Befriedigung gewaltig!
Wichtig dabei: Anders als in Yooka-Laylee, welches auf ein ähnliches Konzept setzt, aber viel zu diffus erklärt, wie neu gelernte Bewegungen in älteren Levels genutzt werden können, sind die Hinweise in Banjo-Tooie subtil, aber niemals verwirrend. Jede Verknüpfung zwischen den Welten ist logisch nachvollziehbar und sobald man eine neue Fähigkeit erhalten hat, ist einem meistens klar, welche bis dato unpassierbaren Hindernisse nun kein Problem mehr darstellen.
Welten der Wunder
Quelle: PC Games
Da Bottles mit einem akuten Fall von Ableben zu kämpfen hat, übernimmt sein Bruder Jamjars dessen Funktion.
Und die Welten! Es ist unglaublich, wie viel Abwechslungsreichtum die Entwickler hier eingebaut haben. Keines der Levels ist den anderen auch nur annähernd ähnlich. Hier geben sich unter anderem Maya-Tempel, eine riesige Fabrik, eine in eine Eis- und eine Lava-Hälfte geteilte Welt, ein riesiger Unterwasser-Komplex, ein prähistorisches Areal und ein Berggipfel hoch, hoch über den Wolken die Klinke in die Hand. Auch die Herangehensweisen müssen angepasst werden: Der Maya-Tempel etwa ist in den meisten Abschnitten sehr offen angelegt und erlebt viel Bewegungsspielraum. Die Fabrik namens Grunty GmbH hingegen ist ein enger, schmutziger Ort voller ineinander verwobener Gänge, in denen man Wege lernen und sich zurechtfinden muss. Das Unterwasserareal wiederum erfordert, dass man - Überraschung! - fast ausschließlich tauchend unterwegs ist.
Verwandlungskünstler
Quelle: PC Games
Nun, da Mumbo Jumbo seinen Posten als Verwandlungskünstler abgegeben hat, tritt die neue Figur Humba Wumba in dessen Fußstapfen.
Keine dermaßen große Veränderung im Vergleich zum ersten Teil, aber ebenfalls überarbeitet und besser als je zuvor: die Verwandlungen, welche uns diesmal in ausnahmslos jedem Level eine alternative Form annehmen lassen. Nur die wenigsten davon sind recycelt - die Waschmaschine und die Biene kennen wir bereits aus dem Vorgänger - und alle kommen mit mehr Fähigkeiten daher, als es in Banjo-Kazooie jemals der Fall war. Neben der Fähigkeit, völlig frei durch die Lüfte zu fliegen, kann die Biene nun etwa auch gefährliche Stachel-Geschosse abfeuern. Besonders cool: Im prähistorischen Level erwarten uns mit einem kleinen und einem großen Dino gleich zwei Verwandlungen, die uns die Welt auf völlig unterschiedliche Art und Weise erleben lassen.
Quelle: PC Games
Sobald wir ein in jedem Level verstecktes Tierchen namens Glowbo gefunden und bei Humba Wumba vorbeigebracht haben, verwandelt sie uns jederzeit in eine je nach Welt unterschiedliche Form wie diesen Dino.
Und die Verwandlungen sind nicht die einzigen anderen Figuren, die wir in Banjo-Tooie steuern dürfen: Das Metamorphose-Zepter gibt Mumbo Jumbo diesmal an die neue Figur Humba Wumba ab und nimmt stattdessen eine neue Rolle ein - eine als spielbare Figur nämlich. Sobald wir ihn in seinem Haus gefunden und ihm einen bestimmten Sammelgegenstand überreicht haben, können wir mit Mumbo den jeweiligen Level erforschen und an bestimmten Punkten mächtige Magie wirken. Im allerersten Level erwecken wir auf diese Weise zum Beispiel eine riesige goldene Statue zum Leben, mithilfe derer wir bis dato unpassierbare Steintore kurzerhand kaputtschlagen können - und die wir ebenfalls frei steuern können!
Ein Hüpfspiel-Meilenstein
Quelle: PC Games
Was sich schon im ersten Spiel viele Fans wünschten, wurde in Banjo-Tooie Realität: An bestimmten Plattformen kann man das Heldenduo trennen und separat losziehen.
Man könnte noch unzählige Seiten alleine mit den Dingen füllen, durch welche sich Banjo-Tooie von seinem Vorgänger absetzt. Man könnte ebenso viele Seiten füllen, um alle Spielelemente vollumfassend zu erklären. Das ist aber gar nicht notwendig, denn es braucht keine Auflistung all der Dinge, die in Banjo-Tooie drinstecken, um festzustellen: Hierbei handelt es sich um ein wirklich herausragendes 3D-Jump & Run, welches zeigt, was für brillante Köpfe am Zenit des kreativen Schaffens des Entwicklerstudios Rare dort am Ruder saßen. Auch 17 Jahre nach dem Release hat das Hüpf-Abenteuer kaum etwas seines Charmes und seines puren Spielspaßes eingebüßt.
Exkurs: Stop 'n' Swap - das fast vergessene Banjo-Kazooie-Überbleibsel
Wer den Vorgänger Banjo-Kazooie zu 100% komplettierte, wurde mit einer speziellen Endsequenz belohnt, die eine Konnektivität mit Banjo-Tooie versprach. Realisiert wurde dieses Feature ursprünglich aber nicht - das war erst auf der Xbox 360 der Fall.
Der geheime Abspann von Banjo-Kazooie zeigt nämlich drei mysteriöse Eier und einen Eisschlüssel, die in den Tiefen der Levels des Spiels versteckt sind, aber nicht aufgesammelt werden können. Es wurde darauf hingewiesen, dass mit dem Release von Banjo-Tooie das Geheimnis dieser Items gelüftet würde. Allerdings, Banjo-Tooie kam und bis auf ein paar willkürlich und unmotiviert im Spiel versteckte Eier und den Eisschlüssel gab es keine Hinweise auf eine Konnektivität zu Banjo-Kazooie. Immerhin verrieten die Entwickler, warum: Geplant war, eine kurze Phase nach dem Entfernen eines Moduls aus dem N64-Slot zu nutzen, in der die Daten des Spiels weiterhin im internen Speicher der Konsole vorhanden waren. Hätte man im Rahmen dieser Zeitspanne das jeweils andere Spiel in die Konsole gesteckt, so wären die Eier und der Eisschlüssel in das entsprechende Spiel geladen worden.
Da allerdings bei späteren N64-Modellen diese Zeitspanne zu kurz wurde und Nintendo es aus Angst vor Datenverlusten so oder so nicht erlaubte, wurde die Idee fallengelassen. Allerdings, Jahre nach dem Release von Banjo-Kazooie entdeckten findige Hacker Cheats im Code des Abenteuers, die man im Cheatraum der Sandburg in Banjo-Kazooie eingeben konnte. Einmal aktiviert, ließen sich die Eier, der Schlüssel und drei weitere Eier endlich aufklauben. Daraufhin ploppte ein zusätzliches, Stop 'n' Swap genanntes Untermenü im Pausescreen des Spiels auf. Mit dem Xbox-360-Release von Banjo-Kazooie und Banjo-Tooie wurde Stop 'n' Swap übrigens doch noch Realität, diente aber lediglich dazu, ein paar belanglose Items freizuschalten. Der ursprünglich geplante Nutzen wurde hingegen bis heute nicht vollständig bekanntgegeben.
