Die Akte Atomic Heart: Große Analyse der Russland-Kontroverse

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Die Akte Atomic Heart: Große Analyse der Russland-Kontroverse
Quelle: Mundfish

Wir haben analysiert, was Atomic Heart vorgeworfen wird und liefern euch alle Informationen: Was haben Kritiker, Entwickler und das Spiel selbst zu sagen?

3.2 Die Presse-Party im Sowjet-Stil

Wie unter anderem die Website Game World Observer berichtete, hielt Atomic Hearts Russland-Publisher VK Ende November 2022 ein Event für russische Pressevertreter ab. Die Veranstaltung fand in einem glamourösen Saal statt, der ganz im Stil der Sowjet-Utopie dekoriert war, die man in den ersten Spielminuten durchstreift. Wie bei solchen Events üblich, waren nicht nur die Entwickler, sondern auch einige Cosplayer vor Ort, die als Ballerina-Roboter verkleidet waren.

Der Saal war mit Bannern dekoriert, auf denen Sätze wie "Genosse, tritt der Gesellschaft der Zukunft bei" oder "Ruhm den sowjetischen Ingenieuren" standen. Im Kontext der aktuellen politischen Lage stieß diese "Glorifizierung" der Sowjetunion auf gemischte Gefühle. Einer der lautesten Kritiker des Events ist der Entwickler Sergey Mohov, aktuell bei Remedy als Lead Gameplay Designer angestellt. Mohov hat seine Tweets zwischenzeitlich auf Followers-only gestellt, seine Aussagen finden sich aber noch in einigen Artikeln zum Spiel. Er warf Atomic Heart vor, Sowjet-Nostalgie und Verherrlichung der Sowjetunion zu betreiben.

Ein anderer Kritiker bezeichnete das Event als "Festmahl in Pestzeiten" und stellte eine Verbindung zu einem Gesetz her, das die positive Darstellung von LGBTQ-Inhalten in Russland unter Strafe stellt. Das Gesetz war offenbar am selben Tag auf den Weg gebracht worden, an dem der Event stattfand.

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Weder Mundfish noch der Publisher VK, unter dessen Fahne der Event stattfand, haben sich zur Kritik geäußert.

3.3 Sind Anti-Ukrainische Easter Eggs im Spiel versteckt?

Die Website AIN.Capital, die in der Vergangenheit schon sehr kritisch über Atomic Heart berichtet hatte, veröffentlichte am 22. Februar 2023 einen Artikel, der Tweets zu angeblichen Anti-Ukrainischen Botschaften im Spiel sammelt. Konkret geht es um eine Drohne, die einen Geranientopf trägt, eine Konservendose mit Schweinefleisch, Fotos der (zum Zeitraum, in dem das Spiel stattfindet) sowjetischen Stadt Donezk und einer Landkarte, die die Krim als Teil von Russland darstellen soll, obwohl sie zum Zeitpunkt des Spiels eigentlich schon zur Ukraine gehört haben müsste.

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Was man von diesen Details nun hält ist, wie vieles in der Debatte um Atomic Heart, eine Frage der eigenen Ansicht und Interpretation. Um beispielsweise die Dose mit dem Schweinefleisch als anstößig zu erkennen, muss man wissen, dass "Schwein" in bestimmten antiukrainischen Kreisen als abwertender Begriff für Menschen aus der Ukraine benutzt wird.

Dass die Schweinefleischdose im Spiel ausgerechnet die Flaggenfarben des Landes darstellt, kann man als geschmacklosen Seitenhieb gegen die Ukraine interpretieren - man sollte aber dazu wissen, dass die Dose ein reales Vorbild hat und die Farben auf der ukrainischen Flagge andersherum angeordnet sind.

Es kann also auch bloßer Zufall sein, ein irgendwann einmal eingescanntes Modell, dem nicht viel Bedeutung beigemessen wurde und das jetzt einigen Menschen auffällt, weil das Spiel wegen seiner Kontroverse nachvollziehbarerweise mit der Lupe durchsucht wird. Gleiches gilt für das Abbild der früheren ukrainischen Premierministerin Julia Tymoshenko, das manche Kommentatoren in den ikonischen Ballerina-Robotern in Atomic Heart erkennen. Tymoshenko ist für ihren europafreundlichen, antirussischen Kurs bekannt. Und für ihre Frisur.

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Interessant ist an der Stelle noch, dass Mundfish sich tatsächlich zu einem kontroversen Inhalt in Atomic Heart geäußert, sich entschuldigt und ihn per Patch entfernt hat - die Rede ist von einer kurzen Szene in einem Sowjet-Cartoon, die eine rassistische Darstellung enthielt.

3.4 Mick Gordon positioniert sich klar

Der einzige Beteiligte, der sich nach dem Release von Atomic Heart noch politisch geäußert bzw. positioniert hat, ist Mick Gordon. Der Australier, bekannt vor allem wegen seiner früheren Zusammenarbeit mit id Software, war als Komponist an Atomic Heart beteiligt. In einem Tweet vom 14. Februar 2023 erklärte er seine Solidarität mit der Ukraine und dass er seine Gage dem Roten Kreuz gespendet hat.

Er nennt Putins Invasion "brutal und nicht zu rechtfertigen" und die russische Führung ein "autoritäres Regime, das die Menschenrechte und -würde ignoriert".

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Er schreibt weiterhin, die Zusammenarbeit mit Mundfish sei "eine absolute Freude, weil sie Kreativität und künstlerische Freiheit" in den Vordergrund stellen. Eine ablehnende Haltung dem Entwicklerteam oder dem Spiel und seiner Entstehungsgeschichte gegenüber ist in dem Post nicht zu erkennen, obwohl Gordon eine klare Haltung gegen das einnimmt, womit Mundfish und Atomic Heart öffentlich in Verbindung gebracht werden.

Und genau deswegen ist dieser Beitrag vielleicht der Punkt, der im Wust aus Vorwürfen, Indizien und Verbindungen ein Stückchen Klarheit schafft. Mick Gordon, ein Australier, der prominent an Atomic Heart mitgearbeitet hat, kann das aussprechen, was die Entwickler nicht aussprechen wollen oder können.

Vielleicht, weil Mundfish tatsächlich noch in Russland sitzt und Repressalien für Regierungskritk befürchtet, vielleicht, weil Gewinne im russischen Markt auf dem Spiel stehen, vielleicht, weil sich die Entwickler aus Überzeugung nicht politisch äußern wollen oder ihre Überzeugung dem internationalen Kurs zuwiderläuft. Wissen kann das aktuell nur Mundfish.

Es bleibt trotzdem bei dem "Vielleicht", dem "Möglicherweise", dem "Könnte sein", das wir in diesem Artikel schon so oft benutzen mussten, weil brisante Vorwürfe im Raum stehen, die niemand von außen beweisen oder widerlegen kann.

Wir haben versucht, Mundfish über einen seiner wenigen öffentlich zugänglichen Kanäle (Instagram) zu erreichen und wurden an die französische PR von Focus Entertainment verwiesen. Wir haben Focus dann mit einer Sammlung der Hauptkritikpunkte und der Bitte, sie an das Entwicklerteam weiterzuleiten, kontaktiert und, wie erwartet, keine Antwort bekommen. Sollte sich doch noch jemand bei uns melden, informieren wir euch natürlich auf PCGames.de.

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