Kontroverse um Atomic Heart: Die große Analyse - Was Kritiker, Entwickler und das Spiel sagen

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Kontroverse um Atomic Heart: Die große Analyse - Was Kritiker, Entwickler und das Spiel sagen
Quelle: Mundfish

Die Kontroverse um Atomic Heart ist auch nach dem Release des Shooters nicht abgeflaut. Es stehen brisante Vorwürfe im Raum: Das Spiel sei mit russischen Staatsgeldern erschaffen worden, die Gewinne würden direkt in Putins Kriegskasse fließen und jeder, der die Website des Entwicklers besucht, würde seine Daten dem russischen Inlandsgeheimdienst spenden. Wir haben uns durch den Berg an Informationen und Vorwürfen gewühlt und liefern euch eine umfassende Analyse. Wie viel bleibt von der Kontroverse übrig?

Das Spielejahr 2023 ist gerade einmal zwei Monate alt und hat bereits zwei große Aufregerthemen hervorgebracht: Neben Hogwarts Legacy, bei dem weniger das Spiel, sondern die Autorin hinter dem zugrundeliegenden Franchise im Fokus stand, hat auch Atomic Heart ordentlich Buzz generiert - und generiert ihn immer noch. Bis vor einem Jahr hätte wohl kaum jemand einen Anlass gesehen, die Hintergründe des Ego-Shooters und seines Entwicklerstudios akribisch zu beleuchten. Seitdem Russland am 24. Februar 2022 die Ukraine angegriffen hat, sind sich viele Spieler und Kritiker aber nicht mehr sicher, was von dem Ego-Shooter im Soviet-Setting und dem größtenteils russischen Team dahinter zu halten ist.

Spätestens mit der Veröffentlichung des Videos "Please, Don't Buy Atomic Heart" des ukrainischen Youtubers Harenko ist das Thema in der Gaming-Öffentlichkeit angekommen. In wenigen Tagen generierte das Video-Essay über 1,5 Millionen Klicks und zog dabei etliche Antworten und Einschätzungen in Text- und Videoform nach sich. Während wir uns in unserem Test zu Atomic Heart dazu entschieden haben, ausschließlich die spielerischen und erzählerischen Qualitäten zu bewerten, möchten wir euch in diesem Artikel einen Überblick geben, was dem Spiel konkret vorgeworfen wird.

Unser Ziel ist dabei nicht, euch in irgendeiner Form den moralischen Zeigefinger vorzuhalten, sondern euch eine möglichst informierte Kaufentscheidung zu ermöglichen. Alle Quellen findet ihr an den entsprechenden Stellen im Artikel verlinkt.

Quellen in anderen Sprachen als Deutsch und Englisch wurden bei der Recherche maschinell ins Deutsche übersetzt. Bei Bildern haben wir Google Lens zur Übersetzung benutzt.

Hinweis: Mittlerweile ist eine Stellungnahme von Mundfish zu den größten Vorwürfen auf der Website des Entwicklers aufgetaucht. Die Aussagen haben wir in diesem Artikel für euch zusammengefasst.

1. Die Investoren - Profitiert die russische Gasindustrie vom Spiel?

Atomic Heart (jetzt kaufen 28,55 € / 53,99 € ) ist, neben einem eingestellten VR-Spiel namens Soviet Lunapark, das erste große Projekt des Studios Mundfish, das 2017 gegründet wurde. Schon seit dem ersten Trailer war klar: Ein kleines Indie-Projekt, das von ein paar Enthusiasten sozusagen in der heimischen Garage entwickelt wird, würde Atomic Heart nicht werden.

Von vornherein war die Vision, einen großen, aufwendigen Ego-Shooter mit moderner Technik auf die Beine zu stellen, und das verlangt nach einem ordentlichen Budget. Wie viel Geld die fünf Jahre dauernde Produktion von Atomic Heart verschlungen hat, ist nicht bekannt. Das Team konnte aber insgesamt drei große Investoren für sich gewinnen: Gaijin Entertainment, GEM Capital und Tencent.

1.1 Tencent

Der chinesische Megakonzern ist eines der größten Internetunternehmen der Welt und vor allem in der Gaming-Sphäre für seine milliardenschweren Investitionen bekannt, auch in westliche Studios. Tencent besitzt etwa Riot Games (League of Legends), Turtle Rock Studios (Left 4 Dead, Back 4 Blood) und 48 Prozent der Anteile an Epic Games (Fortnite).

Dem Konzern wird nachgesagt, der chinesischen Regierung nahezustehen. Im Zusammenhang mit Atomic Heart gibt es aktuell keine gesonderten Vorwürfe an Tencent. Möchtet ihr euch generell über Tencent und seine Investitionen informieren, empfehlen wir euch unseren großen Report zum Thema.

1.2 Gaijin Entertainment

Gaijin Entertainment wurde 2002 in Russland gegründet und verlegte 2015 seinen Hauptsitz nach Budapest, Ungarn. Bekannt ist Gaijin vor allem für das Weltkriegs-MMO War Thunder. Auf seiner Website gibt das Entwicklerstudio an, aktuell sechs Niederlassungen weltweit zu haben. Wie Mundfish auch macht Gaijin keine Angaben, ob und wenn ja wie viel seines Betriebs in Russland stattfindet.

Gaijin Entertainment hat sich offenbar schon 2015 aus Russland verabschiedet. Quelle: Gaijin Entertainment Gaijin Entertainment hat sich offenbar schon 2015 aus Russland verabschiedet. Zwei Tage nach dem Beginn des Kriegs gegen die Ukraine veröffentlichte der War-Thunder-Account auf Twitter ein Statement: Weil Gaijins Infrastruktur in EU-Ländern beheimatet sei, gebe es keinen Anlass zur Sorge, dass War Thunder abgeschaltet werden müsse (gemeint sind hier vermutlich von Spielern befürchtete EU-Sanktionen).

Man wolle sich aus der Politik heraushalten und nichts posten, was als Glorifizierung von Krieg verstanden werden könnte. Kriege sollten nur in Videospielen stattfinden.

Im Januar 2021 wurde publik, dass gesponserte Werbung der Gaijin-Spiele War Thunder und Crossout in einem Video des YouTube-Kanals "Крупнокалиберный Переполох", englisch "High Caliber Mayhem", aufgetaucht war. Der Kanal stellt in seinen Videos hauptsächlich russische und ukrainische Waffen vor.

Die NGO "Ukrainisches Militärzentrum" warf High Caliber Mayhem vor, mit der "Volksrepublik Donezk", also mit prorussischen Rebellen auf dem Staatsgebiet der Ukraine, das von Russland mittlerweile völkerrechtswidrig annektiert wurde, zusammenzuarbeiten. High Caliber Mayhem lud daraufhin ein Video hoch, in dem gezeigt wurde, dass mit den Werbeerlösen des Kanals ausschließlich betroffenen Zivilisten geholfen wird.

Gegenüber Techraptor distanzierte sich Gaijin Entertainment von den Vorwürfen. Man gebe niemandem politische Unterstützung, man wisse nichts von Politik und ziehe es vor, sich herauszuhalten. Als sie feststellte, dass Gaijin durch die Werbung in eine politische Debatte verwickelt werden könnte, habe die verantwortliche Werbeagentur die Sponsorings wieder zurückgezogen.

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