Die Akte Atomic Heart: Große Analyse der Russland-Kontroverse

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Die Akte Atomic Heart: Große Analyse der Russland-Kontroverse
Quelle: Mundfish

Wir haben analysiert, was Atomic Heart vorgeworfen wird und liefern euch alle Informationen: Was haben Kritiker, Entwickler und das Spiel selbst zu sagen?

2.1 Was hat Mundfish mit VK zu tun?

VK hieß bis 2021 Mail.ru und ist die Investmentfirma hinter dem russischen sozialen Netzwerk VKontakte, dem "russischen Facebook". Seit der Wladimir Putin nahestehende (und von der EU sanktionierte) Vladimir Sergeevich Kiriyenko CEO des Unternehmens wurde, fährt VKontakte einen strikten Pro-Putin-Kurs und wird genutzt, um oppositionelle Meinungen zu unterdrücken und User rechtlich zu verfolgen (einige Kreml-kritische Gruppen existieren aber offenbar trotzdem auf der Plattform). Kontrolliert wird VK von Gazprom, das wiederum zu einem großen Teil von der russischen Regierung gesteuert wird.

Einer der Gründer von Mundfish, Robert Bagratuni, war bis 2015 als Creative Director bei der Mail.ru-Group angestellt, also bevor sie in VK umbenannt wurde - und damit auch, bevor der Kurs der Plattform direkt vom Kreml kontrolliert wurde. Der Gründer von VKontakte, Pavel Durov, hatte sich zum Beispiel 2014 noch geweigert, die Daten ukrainischer Euromaidan-Demonstranten an russische Behörden auszuhändigen, und war dafür von diesen Behörden unter Druck gesetzt worden.

Heute fungiert VK als einer der Publisher von Atomic Heart, und zwar in Russland. Dort, sowie in einigen anderen Ländern der "Gemeinschaft Unabhängiger Staaten" (GUS), die sich aus ehemaligen Mitgliedsstaaten der Sowjetunion zusammensetzt, erscheint Atomic Heart auf der Plattform VK Play.

Es ist allerdings nicht bekannt, inwieweit VK dadurch an der Entwicklung von Atomic Heart beteiligt war. Aufgrund des heutigen Kurses der Plattform ist aber anzunehmen, dass VK zumindest kein offensichtlich Putin-kritisches Spiel gepublisht hätte und die Inhalte von Atomic Heart recht genau kennen dürfte.

2.2 Focus Entertainment

Gleiches gilt aber umgekehrt natürlich auch für den westlichen Publisher, Focus Entertainment, der das Spiel außerhalb der GUS-Region und Asien vertreibt: Ein Spiel voller Kreml-Propaganda hätte Focus Entertainment in der aktuellen Lage wohl kaum in seinen Katalog aufgenommen, zumal der Publisher erst viele Monate nach Kriegsbeginn seine Partnerschaft mit Mundfish ankündigte.

Ein Statement oder eine Verteidigung des Entwicklers gegen die aktuelle Kritik hat Focus Entertainment allerdings nicht abgegeben, und hält sich zu dem Thema ähnlich bedeckt wie Mundfish.

2.3 Mundfishs Website und eine problematische Klausel

Eines der sehr wenigen öffentlichen Statements von Mundfish beschäftigte sich mit einer Klausel, die die ukrainische Website AIN.Capital auf der russischen Shop-Seite des Entwicklers in den Datenschutzbestimmungen gefunden hatte. Laut AIN.Capital könne die Website Daten jedes Besuchers an russische Behörden senden, unter anderem Steuerbehörden und den Inlands-Geheimdienst FSB.

Lässt man den entsprechenden Screenshot mit der Klausel von Google Lens übersetzen, kommt man allerdings zu einem anderen Schluss: Die Verarbeitung der Daten erfolgt demzufolge "gemäß den Richtlinien und methodischen Dokumenten des [...] FSB Russlands". Von einer Übersendung der Daten an den FSB ist demnach nicht die Rede.

Lässt man die entsprechende Klausel maschinell übersetzen, bleibt von den FSB-Datensammel-Vorwürfen nicht viel übrig. Quelle: AIN Capital / Google Lens Lässt man die entsprechende Klausel maschinell übersetzen, bleibt von den FSB-Datensammel-Vorwürfen nicht viel übrig. Mundfish sah sich dennoch gezwungen, darauf zu antworten: AIN.Capitals Bericht sei "veraltet und falsch" und weder das Spiel noch die Website würden Daten irgendeiner Art sammeln. Die Datenschutzklausel sei veraltet und hätte schon vor Jahren von der Website gelöscht werden sollen. Trotzdem schaltete Mundfish danach laut eigener Aussage seinen Shop ab, "um die Fans von der Integrität des Studios und seiner Produkte zu überzeugen".

2.4 Was sagt Mundfish zum Ukraine-Krieg und was könnte es bedeuten?

Besonders viel Aufsehen generierte Mundfish mit seinem Statement auf Twitter vom 16. Januar 2023, als sich der Entwickler offenbar durch Nachfragen gedrängt sah, seinen Standpunkt zum Ukraine-Krieg abzugeben (obwohl dieser mit keinem Wort direkt erwähnt wird):

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Deutsche Übersetzung: "Leute, uns sind die Fragen zu unserer Position bei Mundfish aufgefallen. Wir wollen euch versichern, dass Mundfish ein Entwickler mit einem internationalen Team und als Organisation unbestreitbar für Frieden und gegen Gewalt gegen Menschen ist.

Wir äußern uns nicht zu Politik oder Religion. Seid versichert: Wir sind ein globales Team und darauf konzentriert, Atomic Heart in die Hände von Spielern überall zu bringen.

Wir dulden keine Beitragsschreiber oder Spammer mit verletzenden, hasserfüllten, diskriminierenden, gewalttätigen oder bedrohenden Inhalten."

Der Tweet wurde inzwischen fast 500.000 Menschen angezeigt und stieß auf Kritik, vor allem hinsichtlich seiner vagen Formulierung. Eine explizite Ablehnung von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine findet sich in dem Text nicht, auch keine Erwähnung. Das Team stünde, ganz allgemein gesagt, für Frieden und positioniere sich gegen Gewalt gegen Menschen.

Zur Einordnung: Viel Konkretes lässt sich daraus nicht ziehen - das Statement ist so breit gefasst, dass es auch die aktuelle Lage abdeckt, gleichzeitig haben sich die Menschen, die Mundfish mit den erwähnten "Fragen" konfrontierten, aber höchstwahrscheinlich mehr erwartet. Auffassen kann man das Statement in dreierlei Hinsicht.

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