Atomfall: Das britische Stalker nimmt euch als Spieler ernst!

Special Carlo Siebenhüner
Atomfall: Das britische Stalker nimmt euch als Spieler ernst!
Quelle: Rebellion / pcgames

In Atomfall nimmt euch niemand an die Hand. Das britische Stalker lässt euch komplett auf eigene Faust losziehen und ist dabei richtig gut.

In meiner Zeit mit der Vorschauversion überkam mich dabei sehr schnell dieses wohlige Gefühl der klassischen Bethesda-Formel. Überall findet man neue Hinweise und skurrile NPCs und man stolpert über eine interessant klingende Quest nach der anderen. Ob die erzählerisch dann auch durchgängig mitreißen werden, kann ich jetzt noch nicht so richtig beurteilen. Dafür war die Spielzeit zu kurz.

Das Hauptquartier der Druiden mit einer großen Holzstatue. Quelle: Rebellion

Traue nicht der Oma!

Trotzdem hat es mich enorm motiviert, rätselhaften Hinweisen und Spuren nachzugehen, denn man fühlt sich als Spieler einfach wie der absolute Rätselmeister, wenn man Spuren richtig deutet und dann belohnt wird. Atomfall will euch als Spieler nämlich ernst nehmen, anstatt dem Trend zu folgen, alles so einfach und verständlich wie möglich zu machen, damit man die Spielerbasis ja nicht überfordert. Ich weiß das definitiv zu schätzen und hoffe, dass Rebellion diesen Ansatz auch konsequent bis zum Ende durchziehen kann.

Obendrauf locken die Entwickler einen auch mal auf falsche Fährten. Als ich in der Spielwelt eine alte Kräuteroma treffe, bietet sie mir an, die Visionen zu untersuchen, unter denen meine Spielfigur leidet. Als treudoofer Spieler macht man da erst mal mit. Wenig später klingelt dann eine der ikonischen roten Telefonzellen, die überall in der offenen Spielwelt verteilt sind. Als ich rangehe, sagt mir eine ominöse Stimme, ich solle doch nicht einfach der Oma trauen. Ich mag solche kleinen Verwirrspielchen, denn viel zu oft hinterfragt man als Spieler gar nicht, warum man jetzt eigentlich Aufgaben für den NPC erledigt.

Einzig die fehlende deutsche Synchro könnte hier das Erlebnis trüben. Die Texte werden zwar vollständig übersetzt, aber dieses Spiel will, dass man aufpasst. Da kann ständiges Untertitel lesen nervig werden.

Eine rote Telefonzelle steht in der Gegend rum. Im Hintergrund glüht der havarierte Reaktor. Quelle: Rebellion

Wer nicht hört, wird gepaddelt!

Abseits davon wartet in Atomfall eher Standardgameplay der Marke Far Cry. Im Gegensatz zu den Sniper-Elite-Spielen des Studios spielt ihr Atomfall aus der Ego-Sicht. Eine optionale Third-Person gibt es nicht. Da ihr eben nur mit den Fusseln in euren Hosentaschen ins Spiel startet, müsst ihr euch eure Ausrüstung erst mal zusammensuchen oder per Rezeptebuch selbst craften. Ihr habt übrigens auch einen Metalldetektor am Start, mit dem ihr verbuddelte Schätze finden könnt.

Allerdings hat Atomfall eine Angewohnheit, die ich schon allein in der einen Anspielstunde ziemlich nervig fand und das ist das enorm begrenzte Inventar. Neben vier Waffenslots habt ihr zumindest anfangs nur wenige weitere Slots für andere Dinge. Da darunter auch Medikits und Verbände fallen, müsst ihr ständig euer Inventar aufräumen, weil ihr schon wieder nichts mehr tragen könnt. Craftingmaterialien und Munition sind davon zum Glück ausgenommen und ihr könnt euch sicherlich mit der Zeit größere Taschen craften. Genervt hat es mich trotzdem.

Bild aus Atomfall Quelle: Rebellion Die Munition für die Ballermänner ist in Atomfall übrigens Mangelware. Richtig schießwütig durch die Gegend latschen ist also eh nicht so drin. Dafür fühlen sich die Wummen aber ordentlich wuchtig an. Das hätte mich beim Sniper-Elite-Studio aber auch gewundert, wenn die Waffen lasch wären. Im Nahkampf haut man die Gegner mit einem großen Paddel oder anderen Kloppern aus den Latschen oder man schleicht sich an die Gegner ran oder schaltet sie lautlos mit dem Bogen aus.

Beim Schleichen spielt dann auch die hauseigene Engine ihre Stärken aus, schließlich ist das einer der Hauptbestandteile der Sniper-Elite-Reihe. Technisch hinkt man mit dem Grafikmotor aber mittlerweile hinterher. Während die Umgebungen wie erwähnt noch überzeugen können, ist vor allem das Charakterdesign veraltet und die Gesichter sind sehr steif. Außerdem handelt es sich um keine komplette Open World, sondern um offene Level, die durch Ladezonen miteinander verbunden sind.

Dafür läuft das Ding aber auch auf alten Möhren. Atomfall erscheint zum Release am 27. März 2025 nämlich auch noch für Xbox One und PS4.

So will Atomfall also vor allem mit seinem Gamedesign überzeugen. Nach meiner Anspielsession kann ich auch auf jeden Fall sagen, dass das der richtige Weg ist. Rebellion möchte mich als Spieler nicht für dumm verkaufen und wirkt dadurch sehr erfrischend. Allerdings bleibt abzuwarten, ob das reicht, um im vollgepackten Spielefrühling 2025 auch wirklich hervorzustechen. Transparenz: Rebellion zahlte Anreise und Unterkunft für den Besuch des Vorschau-Events.

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