Dieses Spiel ist nichts für Anfänger - in Atomfall nimmt euch keiner an die Hand!
Special
In Atomfall nimmt euch niemand an die Hand. Das britische Stalker lässt euch auf Wunsch komplett auf eigene Faust losziehen und ist dabei richtig gut. Wir waren bei den Entwicklern probespielen.
Tja, da steht man da. Es ist das Jahr 1961 und ich finde mich irgendwo in Großbritannien wieder. Vor mir steht ein riesiger, blau leuchtender und explodierter Kernreaktor und ich habe keine Ahnung, was ich hier eigentlich treibe. Und ich finde das richtig gut! In Atomfall legt euch nämlich niemand an die Leine, um euch am Nasenring durch das Spiel zu schleifen. Stattdessen müsst ihr selbst grübeln, knobeln und kombinieren, um eurem Ziel näherzukommen. Eine Tugend, die es heute leider viel zu selten gibt.
Swinging Sixties
Atomfall (jetzt kaufen ) spielt im Großbritannien der 1960er Jahre. Seine Prämisse baut auf dem realen Reaktorunfall von Windscale auf. Bei dem wurde damals eine erhebliche Menge Radioaktivität auf ganz Europa losgelassen und wir sind haarscharf an einem britischen Tschornobyl vorbeigeschlittert. Trotzdem kennt fast niemand diesen Vorfall, denn die britische Regierung hat einiges dafür getan, damit die Sache größtenteils unter Verschluss bleibt.
Das ist natürlich die perfekte Ausgangslage für eine schöne kleine Science-Fiction-Schauergeschichte. Die haben sich die Entwickler von Rebellion geschnappt, um da ihre eigene kleine Version von Stalker zu basteln. In der ist die ganze Sache nicht glimpflich ausgegangen. Ganz im Gegenteil ist in Atomfall der Reaktor hochgegangen, die Gegend rundherum wurde abgeriegelt und ich als Spieler wache ohne Erinnerung mitten in dieser Zone wieder auf.
Quelle: Rebellion
Aufgepeppt wird das noch durch eine Portion Retro-Science-Fiction, denn es laufen auch mal haushohe und schwer bewaffnete Roboter durch die Gegend. Die obligatorischen Mutantenviecher als Gegner dürfen natürlich ebenfalls nicht fehlen.
Im Gegensatz zu Stalker ist in der britischen Zone aber nicht alles tot, sondern quicklebendig. Beim Spielen fällt mir sofort auf, wie hübsch grün und lebendig die Gegend rund um den havarierten Reaktor doch ist. Hier leben ja sogar noch Menschen, denn das naheliegende Dorf Wyndham ist nach wie vor bewohnt und es treiben sich verschiedene Fraktionen in der Zone herum, die alle ihre eigenen Ziele verfolgen und die ich regelmäßig in der Spielwelt treffe.
Mach, was du willst
Außerhalb des Dorfs sind mir diese Gruppierungen aber grundsätzlich erst mal feindlich gestimmt. Wenn ich aber Aufträge für die Lager erledige, kann ich ihr Wohlwollen gewinnen und mit ihnen zusammenarbeiten. Natürlich geht das auch in die andere Richtung, denn was der einen Fraktion gefällt, ist der anderen wieder ein Dorn in Auge.
Das Schöne ist aber: Ich muss das alles nicht machen, denn schon hier beginnt die spielerische Freiheit, die euch Atomfall auftischen will. Wer Bock darauf hat, kann auch mordend und brandschatzend durch die Zone laufen. Jeder NPC ist sterblich und ihr könnt alle nach Belieben umnieten. Trotzdem kommt ihr damit ans Ziel, wie mir die Entwickler im Interview bestätigen. Selbst wenn ihr die wichtigen Questgeber im Spiel tötet, könnt ihr das Spiel trotzdem abschließen und den Abspann sehen.
Die spielerische Freiheit zieht sich auch durch das Questdesign. Atomfall sagt euch nämlich nicht viel, wenn es euch neue Aufgaben ins Questlog schreibt. Im Tagebuch bekommt ihr bei neuen Aufträgen zwar eine übergeordnete Quest angezeigt, allerdings werden darunter nur die jeweiligen Spuren angehängt, die ihr gefunden habt. Das können Gespräche mit NPCs sein oder einfach Schriftstücke, die ihr in der Welt findet.
Bildergalerie
Zwei Häuser weiter den Berg hoch...
Wie es von dort an weitergeht, müsst ihr euch anhand dieser Spuren dann aber selbst zusammenpuzzeln. Auch die Karte ist erst mal nicht wirklich hilfreich, denn die zeigt anfangs nur eine stilisierte Ansicht der Gegend. Besondere Orte werden eingezeichnet, wenn ihr sie selbst entdeckt oder sobald ihr einen Hinweis darauf gefunden habt. Plumpe Questmarker gibt es gleich gar nicht, zumindest, solange ihr nicht auf einem leichten Schwierigkeitsgrad spielt. Wer will, kann sich nämlich diverse Hilfen dazuschalten.
So will Atomfall im Zweifel aber nicht gespielt werden. Die Entwickler forcieren, dass ihr einfach mal ins Grüne drauflos lauft und mal guckt, was die Gegend rund um den havarierten Reaktor zu bieten hat. Wenn man einen Zettel mit einer ungefähren Wegbeschreibung findet, dann folgt man der und findet selbst heraus, was da wohl sein mag. Im Zweifel geht es von dort aus weiter oder ihr bekommt wieder Hinweise für andere Quests.
